In 36 Tagen um die Welt – Mit minimalem Budget unterwegs

Filmemacher Serdar Dogan sprach im Traumpalast über die Entstehung des Arthouse-Spielfilms „Der 8. Kontinent“

Allen Widerständen zum Trotz stellte Serdar Dogan seinen zweiten Spielfilm „Der 8. Kontinent“ fertig, frei nach dem Motto „Geht nicht gibt’s nicht“. In der ganzen Welt wurde gedreht und das mit einem winzigen Budget. Umso spannender ist die Frage, wie das Projekt umgesetzt werden konnte. Dogan war im Traumpalast zu Gast.

75000 Euro standen ihm für sein jüngstes Werk zur Verfügung: Filmemacher Serdar Dogan im Gespräch mit Traumpalast-Besuchern.Foto: E. Layher

Von Lisa Nack

BACKNANG. „Schön, dass es Leute ins Kino geschafft haben“, begrüßt Serdar Dogan das kleine Publikum nach der Vorführung seines Films „Der 8. Kontinent“ im Traumpalast. Tatsächlich haben nicht viele bei dem warmen Wetter den Weg ins Kino gefunden. Die, die trotzdem kamen, hatten aber die Möglichkeit, mit dem Filmemacher über die Dreharbeiten zu sprechen.

In Dogans Film geht es um die Studentin Lena, die sich vor Jahren mit ihrer Mutter überworfen hat. Als sie von deren Tod erfährt, beschließt sie, eine Weltreise zu machen. Denn eine solche Reise war der Lebenstraum der Verstorbenen. Durch Briefe ihrer Mutter, die sie auf ihrer Reise begleiten, nähert sie sich ihr wieder an. „Der 8. Kontinent“ ist eine Mischung aus einem impressionistischen Reisebericht und einem Musikvideo, wie der gelernte Mediengestalter erklärt. Der in Karlsruhe lebende Deutschtürke ist eigentlich Werbefilmer. Sein Traum war aber immer, Spielfilme zu machen. Und so drehte er seinen ersten Film „Kopfkino“ 2010 komplett ohne Budget. Drei Jahre später gründete er die Produktionsfirma Sidekick Pictures und realisierte 2013/14 schließlich seinen zweiten Spielfilm.

Das Besondere bei dem Film ist seine Finanzierung: Er wurde mit Crowdfounding und von privaten Investoren unterstützt, weshalb Dogan gerade einmal 75000 Euro zur Verfügung standen. „Zum Vergleich: Ein Tatort kostet zwischen 1,2 und 1,8 Millionen Euro“, weiß der Filmemacher. Ihm hätte man vorgerechnet, dass er für die Realisierung seines Films 8 bis 14 Millionen Euro bräuchte – Geld, das ihm keine Filmförderung und Institution geben wollte. Er setzte den Streifen dennoch um und war bei dem Projekt zugleich Drehbuchautor, Kameramann, Regisseur, Produzent, Cutter und Organisator in einem.

Aufgrund des Geldmangels war die Drehzeit sehr begrenzt. Serdar Dogan wollte an den Originalschauplätzen drehen und musste alle Kontinente bereisen: „Wir sind zu dritt in 36 Tagen um die Welt gereist. Vor Ort hatten wir je zwei Drehtage, da musste alles passen“, versichert er.

Mitgekommen waren nur er, seine Assistentin Katharina Fast und die Hauptdarstellerin Maike Johanna Reuter. Allein die Reisekosten verschlangen den Großteil des Geldes, denn Schauspieler und Crew wurden nicht bezahlt. Was alle antrieb, war die Begeisterung für die Geschichte, die Dogan erzählen wollte. Und so schaffte er es sogar, Schauspieler wie Cosma Shiva Hagen und Thomas Scharff für sein Projekt zu gewinnen.

Weil dem Filmemacher so wenig Geld zur Verfügung stand, gibt es auch Ungewöhnliches zu berichten. So kam Dogan mit einem Produzenten für Kung-Fu-Filme in Kontakt, der mit Größen wie Jackie Chan arbeitet. Als er ihm das Budget nannte – 200 US-Dollar – kam die Frage zurück, ob er nicht ein paar Nullen vergessen hätte. Der Produzent war aber letztendlich von Dogans Mut so begeistert, dass er alles für die Kung-Fu-Szene in Hongkong organisierte, ist so eine Geschichte.

Und: In Rio wurden sie fast überfallen und erlebten die Unruhen in der Stadt. In Norwegen, wo sie stellvertretend für die Antarktis drehten, fiel Serdar Dogan ein großer Käfer aus der Kameratasche, der vor seinen Augen implodiert sei. Kurz zuvor waren sie noch in Kapstadt gewesen und hatten ihn wohl versehentlich mit nach Norwegen gebracht. „Wenn es dort also in der nächsten Zeit zu einer Käferplage kommt, könnte ich daran schuld sein“, sagt er augenzwinkernd.

Ob er nicht einmal ans Aufgeben gedacht hat, fragt eine Zuschauerin, und Dogan erzählt von den vielen Tiefs, die wegen den Jetlags immer wieder aufkamen. Zeit, diese auszukurieren, hatte das Filmteam nicht. Aber die Motivation sei hoch gewesen, auch weil viele in Karlsruhe wussten, dass Dogan einen Film drehen wollte. Dort läuft der Film mittlerweile in der sechsten Woche. Darüber hinaus gab es einen ganz pragmatischen Grund weiterzumachen: „Ich will später von meinen Kindern nicht hören: ‚Du hast es auch nicht durchgezogen‘“, so Dogan – die Zuschauer im Traumpalast bringt er damit zum Lachen.

Vom Publikum kommt viel Lob zurück. „Man spürt wirklich Herzblut im Film“, spricht eine Zuschauerin vielen aus der Seele. Dogan freut das, denn darauf kommt es ihm an. Ideen für die nächsten Projekte hat er schon im Kopf.