Schwere Installationen und Filigranes

Ausstellung „Kunst trifft Raum“ mit Werken von Judith Wenzelmann in der Galerie Barockscheune in Oberschöntal

Nach einer längeren Umbauphase öffnet die Galerie Barockscheune wieder ihre Tore: Judith Wenzelmann zeigt Objekte und Installationen.Foto: E. Layher

Von Ute Gruber

BACKNANG. Was passt zu einer alten Fachwerkscheune? Das war Judith Wenzelmanns Überlegung, als sie ihre Ausstellung in dem ungewöhnlichen Ausstellungsraum, der Galerie Barockscheune in Oberschöntal, plante. Es sollten Objekte sein, in denen sich die Umgebung widerspiegelt, das Fachwerk ebenso wie das früher darin gelagerte Erntegut: „Kunst trifft Raum“ sollte das Motto sein.

Und so findet sich das Gerippe der roten Fachwerkbalken in einer Vielzahl von Kunstobjekten wieder, von der schweren Installation im Keller bis zu den filigranen Gebilden auf der Heubühne.

Steigt man aus der lauen Spätsommerluft durch den „Kellerhals“ hinab in die muffige Kühle des früheren Mostkellers, so befindet man sich unverhofft hinter einer Polonaise aus hochbeinigen Stuhlrücken. Paarweise streben sie in das Halbdämmer des Steingewölbes, eine trübe Funzel wirft Schattenrippen auf den Boden.

Wieder in der Helle trifft man in der Durchfahrt auf ein Ensemble aus hohlen Rüsseln auf Drahtstielen, wie Ähren auf ihren Halmen. Ihr Drahtgerippe scheint durch die zarte, braune Hülle und erinnert an die Larvenhaut überdimensionaler Kornkäfer. Auf der nächsten Etage eine Gruppe Riesenboviste. Oder sind es weiße Kürbisse? Einmachgummis, an einem Eisenstab aufgereiht, bilden die Karkasse eines Suppenhuhns, von der Künstlerin „Gummibaum“ genannt.

Beim Aufstieg auf die oberste Galerie streift der Kopf an den weichen Enden der Riesenwurst, die aus einem alten Fleischwolf quillt – drehen explizit erwünscht. Ganz zuoberst schweben Brustkörbe aus Seidenpapier auf langen Drahtstelzen und schwanken sanft im Wind eines Ventilators.

Schon zum fünften Mal organisieren Dietmar und Sabine Kutter eine Kunstausstellung in ihrer Barockscheune, seit das denkmalgeschützte Gebäude nach einem Dachstuhlbrand 2009 umfassend saniert werden musste. Zuvor hatten sie die 1981 teilweise umgebaute Scheune nur als Wohnraum genutzt. In der ersten Ausstellung wurden eigene Werke präsentiert, es folgten verschiedene befreundete Künstler, meist mit regionalem Bezug. Begleitprogramm inklusive.

Dass die Kunstobjekte sich derart in den Raum einfügen, dass man sich – wie im Falle der gipsernen Raupenabdrücke vor den weißen Ausfachungen – fragt, ob dies nun zur Ausstellung gehört oder zur Einrichtung, ist gewollt, wie der junge Kunsthistoriker Johannes Kaufmann bei der Ausstellungseröffnung erläutert: Bewusst werden die Objekte nicht mit Spotlampen angestrahlt, um keine Distanz zu schaffen. Vielmehr soll der Betrachter durch die Enge des Raumes dazu bewegt werden, in Zwiesprache mit den Werken zu treten. Musikalisch umrahmt wird die Vernissage durch Kossi Henyo aus Togo mit seinem Trompetenspiel. Der 45-jährige Geschichtslehrer ist seit sieben Monaten in Deutschland und engagiert sich bereits im Backnanger Posaunenchor und in einer Firma in Wattenweiler. Mit den Gästen spricht er fließend Deutsch.

Während unter dem alten Kastanienbaum bei einem Gläschen Württemberger Wein und Butterbrezel die Ausstellungsobjekte diskutiert, alte Freundschaften gepflegt und neue Bekanntschaften geknüpft werden, lichten sich vor allem die Reihen der „Gipsgucker“, die sich wie eine Herde Laufenten im Vorgarten des malerischen Gebäudes drängeln: So mancher strebt mit einem neu erworbenen Kunstwerk gen Heimat. Und während sie für die Künstlerin den monetären Gegenwert entgegennimmt, meint Galeristin Sabine Kutter: „Ist doch mal was Besonderes.“ Und fügt prosaisch hinzu: „...und kostet auch nicht mehr als ein Gartenzwerg.“

Öffnungszeiten der Galerie Barockscheune in der Lindauer Straße 48 in Backnang-Oberschöntal bis 27. September: Samstag und Sonntag 16 bis 19 Uhr und nach Vereinbarung. Die Finissage unter dem Motto „Wenzelman at work“ findet am Sonntag, 27. September, ab 16 Uhr statt. Weitere Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.galerie-barockscheune.de.