Pfiffige Texte und Performance

Stand-up-Comedy-Show im „Wohnzimmer“ mit abwechslungsreichen Beiträgen und einem bestens gelaunten Moderator Sabani

Auch Flüchtlinge sind vor Comedy nicht sicher: Deutsch-Türke Cün Eyt dachte sich eine aberwitzige Szene auf dem Münchner Bahnhof aus.

Von Katrin Doerr

BACKNANG. „Wie comedy-affin sind die Backnanger?“, fragte Naim Jérôme Antoine Sabani, als er die Witzvorlieben seines Publikums testete. Der Backnanger moderierte im „Wohnzimmer“ im Biegel eine Stand-up-Comedy-Show.

Sabani erzählte mit einer Spur Selbstironie: „Ich war letztens in Berlin beim Quatsch-Comedy-Club. Da habe ich gefragt: ,Könnt ihr Schwäbisch?‘ Sie haben gesagt: ,Nein.‘ Ich habe gesagt: ,Schade‘ und bin von der Bühne. Ich glaube, das war mein bester Auftritt.“

Aus ganz Deutschland sind die Comedy-Darsteller angereist. „Backnang, das klingt wie die Nummer 43 bei uns beim Chinesen“, witzelte Cün Eyt aus Frankfurt. Der Deutsch-Türke nahm auch gleich die Flüchtlingskrise auf die Schippe: „Ich bin an den Bahnhof gefahren nach München, ich steige aus dem Zug – und auf einmal fangen die Leute an zu klatschen! Ich kriege ein T-Shirt geschenkt und eine Banane. Ich bin hier geboren, ich habe hier studiert, habe eine deutsche Freundin und ich bekomme eine Banane?! Ich wollte einen Apfel, aber okay.“

Eine kleine Nachhilfestunde zum Thema Liebe bot Flirtcoach Vera Mickenbecker aus Nürnberg dem Publikum. „Dieser Rotweinfleck fühlt sich so allein, darf’s dazu vielleicht noch ein Knutschfleck sein?“, reimte sie charmant und zeigte so dem Publikum humorvoll, wie man richtig flirtet. „Wenn Sie sich verliebt haben, was kommt danach?“, fragte sie die Zuschauer. „Möglicherweise gleich wieder der Weg aus dem Liebeslabyrinth heraus. Und was steht da über dem Ausgang? Richtig, Ehe oder Lebensabschnittspartner. Das ist da, wo Sie sich die Sorgen teilen können, die Sie vorher nicht hatten.“ Sie selbst beendete ihren Auftritt mit einer eindrucksvollen Gesangsdarbietung.

„Meine Eltern haben schon gedacht, ich wäre hochbegabt, weil ich schlecht in der Schule war und unordentlich“, erzählte Jens Wienand aus Mannheim über seine Kindheit. „Und dann hat man einen Test gemacht und hat festgestellt: Ich bin faul. Ich habe den Test nicht ausgefüllt. Und da habe ich mir überlegt: Was für ein Superheld könnte ich mit so einer Fähigkeit werden? Und jetzt weiß ich es: Ich werde irgendwann mal Aufschiebe-Man mit meinem getreuen Freund Ausreden-Boy. Wenn du uns brauchst, drück die Snooze-Taste! Wir kommen und helfen dir! Morgen...“

Joannis Vam Vakas aus Ulm berichtete nach seinem Outing als Grieche: „Wisst ihr eigentlich, was Feta auf Deutsch heißt? Feta heißt eine Scheibe. Also würde man in Griechenland eine Scheibe Mischbrot bestellen, hieße das mia feta Mischbrotopolos, so einfach ist das.“ Und auch Kulturunterschiede und die Griechenlandkrise waren ein Thema: „Die Schwaben kümmern sich ja um alles. Es wird organisiert, geplant, durchstrukturiert, aber die Frauen? Wir Griechen, wir kümmern uns um unsere Frauen. Was glaubt ihr, warum wir pleite sind?!“ Vam Vakas trieb es auf die Spitze: „Das hat sogar Tradition! Die Athener haben seinerzeit ihrer Athene eine Akropolis hingestellt. Mein lieber Scholli, zwei Milliarden hat das Ding gekostet, in neun Jahren fertiggestellt. Da kann sich Stuttgart und Berlin eine Feta davon abschneiden, finde ich!“

Gekrönt wurde der Abend von dem Auftritt des Zauberers Alexander Straub. „Ich bin Mitglied eines elitären Zauberclubs“, erzählte er. Nach einer Anleitungs-CD dieser Magier-Vereinigung versuchte er, eine Banane zu falten und verschwinden zu lassen, was am Ende tatsächlich gelang.

Moderator Naim Jérôme Antoine Sabani führte das Publikum nicht nur durch das Programm, sondern gab auch eigene Anekdoten zum Besten und legte einen Tanz auf die Bühne, bei dem das Publikum begeistert im Takt klatschte. Er wünscht sich, dass es derartige Veranstaltungen von nun an öfter geben wird: „Wir versuchen, hier in Backnang eine Comedy-Szene aufzubauen.“ Hört sich doch echt gut an, oder?