Gardinennäherin ist inzwischen die Patin des Enkels

Tauschring Backnang feierte sein zehnjähriges Bestehen – Deutsch-syrisches Theaterprojekt aufgeführt – Scheckübergabe als Dank für die gute Zusammenarbeit

„Wer anderen eine Grube gräbt, bekommt den Gartenzaun gestrichen“. Dieser Satz auf dem Flyer des Tauschrings Backnang beschreibt, worum es geht: Um den Tausch von Dienstleistungen. Am Samstag wurde im Bandhaus das zehnjährige Bestehen mit einem Festakt und einem deutsch-syrischen Theaterprojekt gefeiert.

Scheckübergabe (von links): Eberhard König, Ruth Merz, Andrea Schieweck, Danielle Desenfant, Maria Neideck, Günther Flößer und Ellen Benner. Foto: E. Layher

Von Annette Hohnerlein

BACKNANG. Am Anfang standen Überlegungen von Vertretern der Kirchen und der Stadt, ein Angebot zu schaffen, bei dem Bedürftige nicht nur kostengünstig an Dienstleistungen kommen, sondern auch neue Kontakte knüpfen und etwas für ihr Selbstwertgefühl tun können. So entstand die Idee, einen Tauschring ins Leben zu rufen.

Das Prinzip ist einfach: Die Mitglieder bieten eine Vielzahl von Tätigkeiten an: Gartenarbeit, Handwerkliches, Kinderbetreuung, Nachhilfeunterricht, Reparaturen, Fahrdienste und Computerhilfe beispielsweise. Wird eine Dienstleistung von einem anderen Mitglied in Anspruch genommen, bekommt der Anbieter dafür Murrtaler gutgeschrieben, für die er sich wiederum Hilfe einkaufen kann. Der Mitgliedsbeitrag beträgt zwölf Euro pro Jahr, als Startguthaben erhält jeder Neuling 20 Murrtaler auf seinem Konto.

Aus den vielen Begegnungen, die im Rahmen der erbrachten Dienstleistungen stattfanden, haben sich schon Freundschaften entwickelt. So erzählt Mit-Organisator Eberhard König von seiner Tochter, die Hilfe beim Gardinennähen suchte. Die über den Tauschring vermittelte Kraft war eine ehemalige Schulkameradin. Eine Begegnung, aus der sich eine so enge Freundschaft entwickelte, dass die Gardinen-Näherin inzwischen die Patin von Königs Enkelkind ist.

Seit Oktober 2005 gibt es wöchentliche Sprechstunden. Sie dienen der Information über das Angebot des Tauschrings, aber auch der Kontaktpflege unter den Mitgliedern. Zwei- bis dreimal im Jahr findet zudem eine Mitgliederversammlung statt.

Erster Bürgermeister Michael Balzer, Schirmherr des Tauschrings und Moderator der Veranstaltung, würdigte die Leistung der ehrenamtlichen Mitarbeiter im Orga-Team, die dafür sorgten, dass das Büro besetzt ist, die Tauschgeschäfte verwalteten und sich darum kümmerten, „dass der Laden läuft“. Und das tut er: In den vergangenen zehn Jahren hätten die aktuell 184 Mitglieder weit über 4000 Arbeitsstunden geleistet – eine Erfolgsgeschichte. Habe am Anfang die Idee gestanden, bedürftigen Menschen zu helfen, liege inzwischen der Schwerpunkt in der Freude am Tauschen und in den vielfältigen Kontaktmöglichkeiten. Der immer wieder vorgebrachte Einwand, dadurch würde professionellen Dienstleistern Arbeit weggenommen, sei unsinnig. „Ich möchte den Elektriker sehen, der sich nur zum Wechseln einer Glühbirne oder LED-Leuchte zu einem Kunden bewegt.“

Anschließend gab König, Gründungsmitglied und bis heute im Orga-Team aktiv, einen Einblick in die Finanzierung der Initiative, die von der Caritas in Kooperation mit dem Kreisdiakonieverband und dem Seniorenbüro der Stadt Backnang getragen wird. Als Dank für die gute Zusammenarbeit („Die Dreier-Trägerschaft hat sich bestens bewährt“) unterstützt der Tauschring seine Träger mit jeweils 500 Euro. König übergab einen Scheck an Ruth Merz von der Diakonischen Bezirksstelle Backnang, und seine Kollegin Danielle Desenfant einen an Andrea Schieweck von der Caritas. Das Backnanger Seniorenbüro hatte zugunsten des Arbeitskreises Asyl verzichtet, dessen Vertreter Günther Flößer und Maria Neideck den Scheck von Tauschring-Mitarbeiterin Ellen Benner entgegennahmen.

Merz dankte den zwölf aktiven und vielen ehemaligen Ehrenamtlichen mit Gutscheinen für ihre „gut funktionierende und sehr eigenständige Arbeit“ bei der Verwaltung der Mitglieder, der Konten, der Homepage, der Gestaltung des Flyers und der Organisation der Kontakttreffen.

Flößer berichtete von den Hilfsangeboten des AK Asyl und von einem kürzlich stattgefundenen Essen, das syrische Flüchtlinge für ihre Helfer veranstaltet hatten.

Eine Vertreterin des Remstaler Tauschrings, Rosy Paul, überreichte Jürgen Wilke vom Orga-Team ein Geschenk für die Backnanger Kollegen, verbunden mit der Hoffnung auf weiterhin freundschaftliche Begegnungen.

Nach einem kleinen Imbiss folgte die Aufführung des eigens für das Tauschring-Jubiläum geschaffenen Theaterstücks „Bazar der Geschichten“. Unter der Federführung von Tauschring-Organisatorin Friederike Seeburger, Schauspielerin und Theaterpädagogin, und der Regisseurin, Professorin Isolde Alber, entstand ein Stück, in dem deutsche Darsteller und syrische Flüchtlinge gemeinsam auf der Bühne stehen. In diesem Theaterstück wurden reale Erlebnisse der Beteiligten in eine märchenhafte Handlung eingefügt (wir berichteten).