Unterhaltung auf Arabisch und Schwäbisch

Begegnungsabend in der Backnanger Flüchtlingswohnung Gartenstraße 67 – Erst Gedränge im Flur, dann Umzug in den Keller

Spontaner Umzug wegen der vielen Gäste: Das leckere Essen der überwiegend syrischen Hausbewohner wurde im Keller serviert. Foto: A. Becher

BACKNANG (pm/red). Es war ein außergewöhnliches Veranstaltungsformat – und doch in diesen wirren Tagen der sogenannten Flüchtlingskrise auch wieder ganz normal: Die frisch eingezogenen Bewohner der Flüchtlingswohnung in der Gartenstraße und interessierte Bürger aus Backnang und Umgebung trafen sich zum gemeinsamen Essen, zum Vorstellen und Kennenlernen. Weil so viele gekommen waren, gab es zunächst ein großes Gedränge im Wohnungsflur: Kinder sprangen herum, Erwachsene beratschlagten auf Deutsch, Arabisch und Schwäbisch (einige versuchten es auch auf Türkisch), was nun zu tun sei – denn natürlich war keiner der Räume in der Wohnung groß genug für rund 50 Menschen.

Schließlich zog die ganze Meute eine Etage tiefer – in ein Stockwerk, in dem demnächst Büros eingerichtet werden sollen, das aber derzeit noch im Rohbau ist und genügend Platz – und jede Menge Baustellencharme – bietet. Schnell waren Bierbänke aufgestellt, sogar ein Blümchen für jeden Tisch fand sich, und dann schleppten die überwiegend syrischen Hausbewohnerinnen Schüssel um Schüssel mit Leckereien herbei, die sie am Nachmittag für ihre Gäste gekocht hatten. Porzellanteller gab es freilich nur wenige – 20 Teller für 20 Menschen bilden die Erstausstattung für Flüchtlinge – aber das machte nichts: Pappteller für die unverhofft vielen deutschen Gäste gab es genug.

Reihum stellte man sich gegenseitig vor: Immer abwechselnd eine Person oder Gruppe der Backnanger Gäste und dann eine der fünf Flüchtlingsfamilien – der Übersetzer (aus der dem Wohnheim in der Hohenheimer Straße) kam kaum nach. Die jüngste Bewohnerin des Hauses verschlief den ganzen Trubel auf dem Arm ihrer Mutter. Zweieinhalb Monate ist sie alt und die Familie machte sich an ihrem 10. Lebenstag auf den Weg in eine ungewisse Zukunft. Was sie denn vertrieben habe, versuchen die Backnanger Frauen am Tisch mit Händen und Füßen herauszufinden. Die junge Mutter lächelt, als sei es das Normalste der Welt und macht es vor: „Sirrrrrrrrrrrrrrr“, holt sie weit aus mit der Faust und lässt dann beide Hände mit weitgespreizten Fingern „explodieren“: „Bombe“ sagt sie und „Haus“. Ihre ersten deutschen Worte.

Es ist gerade mal anderthalb Jahre her, da gab es ganz andere Pläne für das Gebäude Gartenstraße 67. Im Gemeinderat präsentierte ein Vertreter der Dibag die neuen Pläne für eine Bebauung der Oberen Walke und Andreas Benignus von der Aspa-Bauträgergesellschaft die schöne Zukunft just dieses markanten Gebäudes. Von hochwertigem Wohnen war da die Rede. „Vielversprechend.“ So begeisterte sich Nopper damals (wir berichteten). Doch es kam alles ganz anders. Vor nicht allzu langer Zeit gab es bei dem im Jahr 1930 errichteten Haus innerhalb der Familie Schweizer einen Eigentümerwechsel, nun gehört das Gebäude dem Geschwisterpaar Renate und Dr. Lutz-Dietrich Schweizer, das als Grundstücksgemeinschaft agiert. Aus ihrer humanen und christlichen Grundgesinnung heraus wollen sie Menschen helfen, die unter lebensgefährlichen Umständen Krieg, Terror und Not entfliehen konnten und auf eine menschenwürdige Bleibe hoffen.

  Der nächste Begegnungsabend ist am Samstag, 21. November, um 18 Uhr in der Gartenstraße 67. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Die Bewohner – fünf Familien mit acht Kindern – und ihre Backnanger Unterstützer freuen sich auf Besuch.