„Medienbildung fällt nicht vom Himmel“

Christa Rahner-Göhring referierte in der Volkshochschule über die Faszination von sozialen Netzwerken für Kinder und Jugendliche

Die Medienpädagogin Christa Rahner-Göhring sprach in der Volkshochschule über die Faszination von sozialen Netzwerken für Kinder und Jugendliche, aber auch über ihre Risiken. Darüber hinaus gab sie Eltern praktische Tipps für die Medienerziehung ihrer Kinder.

Das Problem liegt in der Nutzung von Daten: Christa Rahner-Göhring. Foto: E. Layher

Von Lisa Nack

BACKNANG. „Nicht ohne mein Smartphone“ war das Thema des Vortrags, der von den Backnanger Bildungsgesprächen organisiert und vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg unterstützt wurde. Wie groß das Interesse an diesem Thema ist, zeigte sich an der Zahl der Zuhörer: Fast alle Plätze des Seminarraums waren belegt. Doch nicht nur Erwachsene, sondern auch einige Kinder und Jugendliche waren zum Vortrag in die Volkshochschule gekommen.

Die Referentin Christa Rahner-Göhring spricht nicht nur die Risiken an, die die Nutzung von sozialen Netzwerken mit sich bringen kann, sondern erklärt auch die Bedeutung, die das Smartphone für Jugendliche hat. Neben der Tatsache, dass sie ihren gesamten Alltag mit dem Gerät organisieren, gebe das Smartphone ein Gefühl der Zugehörigkeit und steigere das Selbstwertgefühl. „Erinnern wir uns an unsere eigene Jugend“, fordert Rahner-Göhring ihre Zuhörer auf: „In der Pubertät hatten wir alle den Wunsch nach Anerkennung. Mithilfe des neuen Mediums findet nun eine ganz andere Form der Selbstdarstellung statt.“

Sie geht auch auf die Kritik an sozialen Netzwerken und die Idee dahinter ein: „Die Technik ist genial, denn noch nie konnten Menschen so unmittelbar miteinander kommunizieren“, so die Referentin. Das Problem seien aber die Anbieter, die die Daten ihrer Nutzer für ihre eigenen Zwecke nutzen würden.

„Wussten Sie, dass WhatsApp ab 16 Jahren ist?“, fragt Rahner-Göhring. Ihre Zuhörer sind überrascht, denn die App ist besonders bei Kindern und Jugendlichen beliebt. Damit verdeutlicht die Referentin, wie selten wir uns mit AGBs oder den Berechtigungen der Apps auseinandersetzen. Auch die Datenschutzproblematik werde häufig ignoriert oder billigend in Kauf genommen. „Eine bewusstere Nutzung würde uns allen guttun“, resümiert sie. Darüber hinaus müssen nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene lernen, mit der Informationsflut und der Reizüberflutung durch die Medien umzugehen. Vor allem Kinder brauchen aber Unterstützung bei der Nutzung des Smartphones, denn „Medienbildung fällt nicht vom Himmel“.

So müssen Eltern Vorbild sein und Kindern den richtigen Umgang mit den Medien vorleben. Strikte Verbote seien kontraproduktiv, da Kinder sich in solchen Fällen oft andere Wege suchen würden, so die Referentin. Stattdessen sollten Eltern mit ihnen reden und gemeinsam Regeln zur Mediennutzung erstellen.

Eltern müssen

auch hier Vorbilder sein

Wann ein Kind allerdings bereit für ein Smartphone ist, hänge von der Reife des Kindes ab. Rahner-Göhring rät aber generell von der Smartphone-Nutzung für Kinder unter zehn Jahren ab. „Ich habe jetzt ziemlich viel Neues erfahren“, erzählt Tamara Weidner (13) nach dem Vortrag. „Zwar habe ich vorher schon immer darauf geachtet, was ich mit meinem Smartphone mache, aber in Zukunft werde ich mir die AGBs wohl genauer durchlesen.“

Auch Kerstin Windmüller (44), die zwei Kinder im Alter von zwölf und neun Jahren hat, will sich in Zukunft eingehender mit dem Thema beschäftigen, damit sie ihre Kinder bei der Mediennutzung besser unterstützen kann: „Es ist ein hochaktuelles Thema bei uns, wir sprechen täglich darüber. Intuitiv habe ich mir vieles schon gedacht, aber es ist gut, wenn man das noch einmal von professioneller Seite bestätigt bekommt.“