Milchtütentechnik und andere coole Dinge

Kooperation Schillerschule/Jugendkunstschule: Kinder testen aus, was man mit Drucktechniken so alles machen kann

Mit verschiedenen Drucktechniken Kreatives zu gestalten, lernen derzeit Kinder der Backnanger Schiller-Grundschule in der Jugendkunstschule. Der Workshop ist eine Kooperation, die der Elternbeirat initiiert hat und mit Landesmitteln finanziert wird.

Im Workshop halten alle zusammen und interessieren sich auch für das, was die anderen machen: Eine spannende Erfahrung für Kinder wie Tobias Ott (links) und Marco Lux.Foto: P. Wolf

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. Für die Grundschüler nachmittags ein umfangreicheres Freizeitangebot zu schaffen, war das Anliegen des Elternbeirats der Schillerschule. Verschiedene AGs werden in der Schule bereits angeboten, die von den Kindern gerne angenommen werden. Es entstand die Idee einer Kooperation mit der Jugendkunstschule, die der Jugendmusikschule Backnang angeschlossen ist. Ein Kriterium war auch, dass sich die Räumlichkeiten am Ölberg im Einzugsgebiet der Schillerschule befinden und es die Kinder nicht weit haben, so Elternbeiratsvorsitzende Susanne Siebel. Die AG wird durch Landesmittel des Kultusministeriums Baden-Württemberg gefördert und ist für die Kinder kostenfrei.

Viel Spaß haben die Dritt- und Viertklässler, auszuprobieren, was man mit Drucktechniken so alles machen kann. „Es gibt schöne Bilder“, gefällt dem 9-jährigen Julius. Außerdem findet er es interessant, dass in der Jugendkunstschule große Druckpressen zur Verfügung stehen. Das eröffnet andere Möglichkeiten, als im Kunstunterricht der Schule. Der 10-jährige Tobias hat sich für die freiwillige AG entschieden, weil er gerne in seiner Freizeit etwas mit Farbe machen wollte. Lena gefällt im Workshop außerdem, „dass alle zusammenhalten. Es gibt fast nie Streit“. Und Marco fügt hinzu: „Wir drucken nicht nur, wir machen noch andere coole Dinge.“

Welche Möglichkeiten und Techniken es gibt, vermittelt Kursleiterin Nadja Pidan. Mit Materialabdruck hat man im Workshop angefangen. Dabei werden zunächst verschiedene Materialien auf Papier aufgebracht. Das kann Stoff sein, oder auch Wellpappe oder Klebeband. Vom Ergebnis nach dem Farbabdruck mit Handwalzen lassen sich die Kinder überraschen. Gerade die Zufälligkeit finden sie besonders spannend, weiß die Kursleiterin. Ein anderes Mal ging es um das Thema Gemüse. Vom Markt hatte Nadja Pidan etwa Lauch oder Broccoli mitgebracht, und die Kinder konnten die „Milchtütentechnik“ kennenlernen. Die Innenseite dieser Verpackungen ist nämlich durch eine Beschichtung so beschaffen, dass die Oberfläche nachgibt, wenn man mit einem Stift darauf malt. So entstehen Vertiefungen, die beim Drucken mit Farbe weiße Linien hinterlassen.

Wände, Zäune und Türschlösser werden zur Grundlage für Bilder

Faszinierend ist für die Kinder, was man mit Alltagsgegenständen alles machen kann. Auch bei einem Ausflug ins Freie bei schönem Wetter sahen sie ihre Umgebung einmal mit ganz anderen Augen. Es ging auf die Suche nach verschiedenen Strukturen, die man mit Kreide auf Papier abbilden kann. Wände, Zäune, Kanaldeckel und Türschlösser werden so zur Grundlage für interessante Bilder. Mit einem solchen Blick fürs Detail haben die Kinder ihre Stadt wohl noch nie gesehen.

Manchmal haben künstlerische Techniken einen komplizierten Namen und sind doch kinderleicht anzuwenden. Das Thema Decalcomanie schreibt die Kursleiterin an die Tafel. Die Kinder bringen Wasserfarben auf Glasplatten auf und streichen dann ein Papier darauf glatt. Es entsteht ein Bild nach dem Zufallsprinzip, und sie sind ganz aufgeregt, was dabei herauskommt. Schnell waschen sie die Glasscheiben wieder ab, um es noch einmal zu versuchen. Natürlich darf die Signatur auf dem Bild nicht fehlen, damit sie später ihren Eltern stolz zeigen können, was sie Kunstvolles geschaffen haben. Acht Einheiten umfasst der Workshop für die Dritt- und Viertklässler. Die Kooperation mit der Jugendkunstschule kommt so gut an, dass eine Weiterführung des Projekts geplant ist.