Schneiders Herz schlägt für Afrika

Der frühere Landtagspräsident engagiert sich bis heute für Burundi in Afrika – Stiftungsfonds vergibt Unterstützungsgelder

Der frühere Landtagspräsident Erich Schneider engagiert sich noch heute für die Menschen in der Republik Burundi. Die Hilfe hat ihre Ursprünge in den Achtzigerjahren, als eine Delegation aus dem afrikanischen Land Deutschland besuchte und Schneider die Gäste empfing.

Eng mit Burundi verbunden: Erich Schneider daheim mit Mitbringseln aus Afrika. Foto: E. Layher

Von Hans-Christoph Werner

BURGSTETTEN. Andere in seinem Alter würden vielleicht auf Kreuzfahrt gehen. Aber Erich Schneider, 83, wohnhaft in Burgstall, Landtagspräsident i.R., besuchte lieber die Slow-Food-Messe in Stuttgart. Um neueste Informationen über Afrika einzuholen. Mehrmals betont er, dass der von ihm gegründete Hilfsfonds auch dann, „wenn er einmal nicht mehr ist“, weiter für die Ausbildung junger Menschen in Burundi sorgen wird.

Um Schneiders Worte zu verstehen, muss man einige Jahre zurückgehen. Im Jahr 1983 besuchte eine Delegation der Republik Burundi mit dem Präsidenten der Nationalversammlung an der Spitze die Bundesrepublik Deutschland. Von Bonn wurde die Delegation weitergereicht nach Baden-Württemberg. Ins Musterländle. Landtagspräsident Erich Schneider oblag es, die Delegation zu betreuen. Man führte den Gästen viel Vorzeigbares vor, kommunale Einrichtungen, Industriebetriebe. Die burundische Delegation bedankte sich mit einer Gegeneinladung. Was man gerne annahm.

Auf der Suche nach Möglichkeiten

der Unterstützung

Zwei Jahre später brach man auf. Zur Reisegruppe gehörten, wie Erich Schneider hervorhebt, Abgeordnete von allen vier damals im Landtag vertretenen Parteien: CDU, SPD, Grüne und FDP. Das Interesse war, das Land kennenzulernen und zu eruieren, in welchem Bereich man dieses am besten unterstützen könne.

Erich Schneider war klar, dass man bei so einem Gegenbesuch nicht mit leeren Händen kommen könne. Nachforschungen hatten ergeben, dass in dem südafrikanischen Land gerade eine Ruhr-Epidemie wütete. Kofferweise nahm man deshalb entsprechende Medikamente mit. Der Flug ging zunächst bis Nairobi, die Hauptstadt Kenias. Da Burundi nicht regulär angeflogen wurde, musste die Deutsche Botschaft bei der Organisation von zwei Kleinflugzeugen zur Weiterreise helfen. Und so kam die zwölfköpfige Delegation schließlich ans Ziel. An die 5000 Menschen seien zur Begrüßung bereitgestanden, erzählt Schneider. Das war im Oktober 1985. Einen Monat später legte Schneider dem Landtag einen Bericht vor. Daraus geht hervor, dass man Projekte in der Landwirtschaft und im Handwerk besucht hatte. Ferner lernte man eine Missionsstation der Schönstätter Schwestern kennen, die in dem Land ein Krankenhaus und eine Sekundarschule unterhalten. Bis heute sind die katholischen Schwestern ein verlässlicher Partner bei der Hilfe für Burundi.

Die Reise machte auf Erich Schneider einen tiefen Eindruck. Er habe, so sagt er, liebenswürdige und aufgeschlossene Menschen kennengelernt und ins Herz geschlossen. Und es sei eine Selbstverständlichkeit, dass man angesichts der in Burundi herrschenden Not helfen wolle. Allerdings wäre es zu einfach, nur Geld zu überweisen. Man müsse einen Partner im Land haben, der über den Einsatz der Sachleistungen oder Geldmittel wache. Da zudem die Entwicklungshilfe in Deutschland Sache des Bundes sei, könne ein Landesparlament nur unter besonderen Bedingungen tätig werden.

So geschah es denn auch. Ein von allen Fraktionen im Landtag getragener Antrag ermächtigte die Landesregierung, weitere Sondierungen anzustellen. Ergebnis: In der besonders armen Provinz Kayanza wurde ein Handwerksprojekt ins Leben gerufen. Die Republik Burundi erstellte ein entsprechendes Gebäude. Die Maschinen zur Herstellung von Fenstern, Türen, Möbel und zur Bearbeitung von Metall kamen aus Baden-Württemberg. Eingeschlossen war die Entsendung eines Schreinermeisters und eines kaufmännischen Leiters zur Betreuung des Projekts über zwei Jahre hinweg. Ende 1989 wurde mit der Republik Burundi ein Staatsvertrag zur Durchführung des Projekts geschlossen. Kostenumfang: 1,7 Millionen Mark.

Für Erich Schneider war Afrika damit nicht abgehakt. Er ist drangeblieben. Noch mehrere Male, zuletzt 2006, hat er das Land besucht. Zwischendurch drohte ein Bürgerkrieg (1993 bis 2005) alle Bemühungen wieder zunichtezumachen.

Besonders freut sich Erich Schneider, dass die damalige Reise das Land in den Aufmerksamkeitsfokus von vielen Hilfsorganisationen gerückt hat. So wurde innerhalb der Stiftung Entwicklungszusammenarbeit Baden-Württemberg ein Kompetenzzentrum Burundi gegründet. Dort werden alle Partnerschaften und Initiativen von Kirchen, Verbänden und Stiftungen gesammelt. So ist ein großes Netzwerk zu Burundi entstanden, einzigartig in ganz Deutschland.

Für Erich Schneider nicht genug. 15 Jahre war er als Ruheständler Präsident im Christlichen Jugenddorfwerk. In diesem gibt es eine Kinder- und Jugendstiftung. Burundi, so sagt er, brauche genau das, was das Jugenddorfwerk für Deutschland tue: Es stellt Jugendlichen Schul- und Ausbildungsmöglichkeiten zur Verfügung. So rief er mit eigenen Finanzmitteln einen Erich-Schneider-Stiftungsfonds „Burundi“ ins Leben.

„Das größte Kapital für das Land

ist die bildungshungrige Jugend“

Für diesen Fonds sammelt er bei allen möglichen Gelegenheiten Zustiftungen und Spenden. Die Freude darüber ist groß, dass jedes Jahr Stiftungserträge in Höhe von 2000 bis 3000 Euro eingesetzt werden können. In dem Flyer, den Erich Schneider für seinen Stiftungsfonds hat drucken lassen, schreibt er: „Meine große Liebe gilt den Menschen in Burundi, die in den letzten Jahrzehnten durch Bürgerkrieg und Krankheiten viel Leid und Elend erleiden mussten. Das größte Kapital für die Zukunft Burundis ist seine bildungshungrige Jugend.“

Dringend musste Schneider dieser Tage nach Geradstetten. In Zusammenarbeit mit dem Jugenddorfwerk, der Kölner Organisation Burundi-Kids und der Fondation Stamm aus Burundi kann eine Technikerschule in dem afrikanischen Land unterstützt werden. Bei der Veranstaltung überreichte Erich Schneider 4000 Euro aus seinem Stiftungsfonds.