Die eigene Vita als Comedy-Vorlage

Berhane Berhane im Backnanger „Wohnzimmer“

Hat Bürokratie und Beamtentum im Visier: Berhane Berhane.Foto: A. Becher

Von melinda Schachinger

BACKNANG. Ab und an mal den gebrochen Deutsch sprechenden Ausländer zu mimen und dabei klischeehaft freundlich grinsen kann höchst unterhaltsam sein, klärt Berhane Berhane sein Publikum in der Backnanger Musicbar „Das Wohnzimmer“ auf. Zum Beispiel, wenn man an der Zollkontrolle am Flughafen als einziger Dunkelhäutiger weit und breit „rein zufällig“ zur Kontrolle herausgezogen wird. Natürlich sollte man sich dann nur so lange unverständig geben, bis man dem hinzugerufenen Chef des Kontrolleurs in breitestem kurpfälzer Dialekt erklären kann, dass man keine Ahnung habe, was das Problem des verzweifelten Zollbeamten sei.

Mit dieser und etlichen anderen amüsant vorgetragenen Geschichten rang der aufstrebende Comedian, der Comedy-Kollege Bülent Ceylan auf Anhieb begeisterte, seinem Publikum in Backnang die eine oder andere Lachträne ab und vermittelte ganz nebenbei noch ein paar Lebensweisheiten, die den Alltag schöner gestalten könnten.

Ehe der Star des Abends locker-lässig und von Musik begleitet die Bühne erklimmt, begrüßt Naim Jerome Antoine als Initiator des monatlich stattfindenden „Comedy Stage“-Abends die gut gefüllten Reihen um ihn herum und erzählt dabei auf lustige Art aus seinem eigenen Alltag. Nach ein paar kurzen „Aufwärmübungen“ für das Publikum geht es dann los mit dem aus Fürth angereisten Berhane Berhane. Seinen etwas ungewöhnlichen, weil gedoppelten Namen verdankt er der deutschen Bürokratie, berichtet er in seiner Vorstellung. Den Namen des Großvaters machte man auf dem Amt kurzerhand zum Familiennamen des kleinen Berhane. Zu dumm, dass er genau diesen auch als Vornamen trägt, denn das führt zu der einen oder anderen verzwickten Situation – insbesondere mit den Beamten, auf die er im späteren Verlauf seines Lebens immer mal wieder trifft. Oder vielleicht ist es doch gerade eine glückliche Wendung, bietet sie doch die Grundlage für jede Menge lustiger Stories. Eine davon ist das Shirt, das Berhane trägt, gewidmet. „Das selbe“ prangt in großen Lettern darauf. „Das selbe“, getrennt geschrieben, das ist der Eintrag, den die Beamtin auf dem Einwohnermeldeamt bei einem Umzug Berhanes im Feld „Vorname“ vermerken wollte, nachdem Berhane seinen Nachnamen bereits genannt hatte. „Madame,“ antwortet er der imaginär anwesenden Dame mit großen Augen, „ich komm aus dem tiefsten Afrika, ich glaube kaum, dass ich „Das selbe“ heiße!“.

Doch nicht nur Bürokratie und Beamtentum bekommen bei Berhane ihr Fett weg. Eigentlich, so scheint es, schafft es der aus Äthiopien stammende, aber überwiegend in Deutschland aufgewachsene Entertainer, aus jeder Situation etwas heraus zu holen, bei dessen Wiedergabe sich seine Zuhörer beinahe wegschmeißen. Alleine seine Darstellung der unterschiedlichsten Tanz-Typen in der Disco, gekrönt von einer beeindruckend akrobatischen Darbietung moderner Tanzstile als Resümee einer Nacht in Stuttgart, sei hier erwähnt. Doch neben einem harten Training für die Lachmuskeln kann das immer wieder in die Show involvierte Publikum auch einige Lehren aus Berhanes „Helden sind immer unterwegs“-Show mit nach Hause nehmen. Auf unterhaltsame Weise vermittelt Berhane nämlich immer wieder, dass man doch öfter mal den Moment genießen und sich nicht immer um das Gestern oder Morgen sorgen sollte.