Nopper wehrt sich gegen Vorwürfe

Mit einem offenen Brief reagiert der OB auf Kritik aus den Reihen des Arbeitskreises Asyl

Der Backnanger Oberbürgermeister Frank Nopper wehrt sich gegen Vorwürfe aus dem Arbeitskreis Asyl. Dessen Sprecher Günther Flößer und Maria Neideck hatten dem OB vorgeworfen, er sehe Flüchtlinge nur als Problem. In einem persönlichen Gespräch mit seinen Kritikern will Nopper diesen Eindruck nun korrigieren.

„Man muss das hochkomplexe Flüchtlingsthema mit Maß und Mitteangehen“ Frank Nopper Oberbürgermeister

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Wie berichtet, hatten die Sprecher des Arbeitskreises Asyl in Backnang der Stadt in einem offenen Brief Versäumnisse beim sozialen Wohnungsbau vorgeworfen. Durch den Zuzug der vielen Flüchtlinge werde sich die Lage noch weiter verschärfen, warnten Günther Flößer und Maria Neideck. OB und Verwaltung würden sich aber zu wenig um dieses Problem kümmern. „Unsere Wahrnehmung im Arbeitskreis ist, dass dem Oberbürgermeister Flüchtlinge nicht willkommen sind“, sagte Flößer. In öffentlichen Äußerungen, etwa in seiner Neujahrsansprache, habe dieser die Flüchtlinge ausschließlich als Problem, aber nicht als Schutz suchende Menschen dargestellt.

Diesem Eindruck tritt Frank Nopper nun entgegen und hat seinerseits einen offenen Brief verfasst. Darin lädt er Flößer und Neideck zu einem persönlichen Gespräch ein, „um die Flüchtlingsarbeit zu verbessern und um Missverständnisse auszuräumen.“ Gleichzeitig macht er noch einmal seine Sicht der Dinge deutlich. „Man muss das hochkomplexe Flüchtlingsthema mit Maß und Mitte angehen – ausgewogen und hochdifferenziert“, schreibt Nopper. Dies habe er immer versucht und werde es auch weiter versuchen. Dazu gehöre für ihn, dass man neben den Interessen der Flüchtlinge auch die der gesamten Bürgerschaft im Auge behalte: „Bei aller humanitären Verantwortung für Asylbewerber und Flüchtlinge gibt es auch berechtigte Anliegen und Interessen der einheimischen und angestammten Bürgerschaft. Eine Stadtverwaltung muss deswegen die positiven und negativen Aspekte und Auswirkungen wahrnehmen und eine realistische Sicht der Dinge entwickeln“, erklärt der OB.

In seiner beim Neujahrsempfang geäußerten Einschätzung zur Flüchtlingsfrage fühlt sich Nopper durch die Entwicklungen in den vergangenen Monaten im Wesentlichen bestätigt: „Wahr ist, dass sich sehr viele Asylbewerber und Flüchtlinge in unsere Gesellschaft einbringen wollen sowie Recht, Gesetz und Kultur des Gastlandes anerkennen. Soweit sie dauerhaft schutzbedürftig sind und eine echte Bleibeperspektive haben, verdienen sie eine faire Chance. Wahr ist jedoch leider auch, dass ein Teil der Asylbewerber Gastrecht und Hilfsbereitschaft durch Fehlverhalten und zum Teil sogar durch Straftaten missbrauchen.“ Im Übrigen verlange Integration mehr, als nur Unterkünfte für Flüchtlinge bereitzustellen. Und da habe die Integrationskraft jeder Gesellschaft Grenzen.

Wichtig ist nach Noppers Einschätzung vor allem, dass die Flüchtlinge nicht nur untergebracht, sondern auch sinnvoll beschäftigt werden: „Diejenigen, die hier nur vorübergehend bleiben können, sollten Qualifikationen erwerben, um beim Wiederaufbau ihrer Heimatländer helfen zu können. Diejenigen, die dauerhaft bleiben können, sollten mit großen Kraftanstrengungen auf das Leben in unserer Gesellschaft und auf ein Leben in Eigenverantwortung vorbereitet werden“, erklärt der Backnanger OB und verweist auf gemeinnützige Arbeitsmöglichkeiten, etwa beim städtischen Baubetriebshof, auf den Friedhöfen, in den Schulen oder bei verschiedenen Sozialeinrichtungen. Dies könne „einen wichtigen Beitrag für die Stadtgesellschaft und auch eine wichtige Vorbereitung auf die Arbeitswelt in Deutschland oder in den Heimatländern darstellen.“ Nopper hofft, dass sich im persönlichen Gespräch mit den Vertretern des Arbeitskreises Asyl, „einige gute Ansätze für eine Weiterentwicklung der Flüchtlingsarbeit ergeben“.