Straßenkreuzer, kleine Käfer und viele Raritäten

Oldtimerpräsentation im Schlossgarten von Oppenweiler ist ein Besuchermagnet – Jedes Fahrzeug hat seine ganz eigene, interessante Geschichte

Lauter tolle Stücke (von links): Frank Hinnes mit seinem VW, Wolf Dieter Roetzer mit seinem Fiat, Armin Reinmuth mit seinem Chevrolet und Helmut Häussermann mit seinem Lanz.Foto: J. Fiedler

Von Melinda Schachinger

OPPENWEILER. „18 PS, aber die bockelhart“, kündigt der Moderator einen kleinen hellblauen Fiat an, der an den Zuschauern vorbei in den Schlossgarten zum sechsten Treffen der Oldtimerfreunde Oppenweiler einfährt. Bei sommerlichen Temperaturen sammeln sich hier am Sonntag um das Wasserschloss herum Oldtimerbegeisterte und neugierige Spaziergänger und bestaunen eine bunte Mischung aus so ziemlich allen Gefährten, die in die Kategorie Oldtimer fallen. Neben breiten Straßenkreuzern, kleinen Käfern und Raritäten, wie einem seltenen Monza mit Kunststoffkarosserie, erwartet die Besucher ein Kinderprogramm und Führungen durch das im Schloss befindliche Rathaus.

Doch ein gelungenes Oldtimertreffen steht und fällt natürlich mit den Fahrern samt ihren Schmuckstücken. Einer der Fahrer ist Frank Hinnes aus Markgröningen. Stolz zeigt er sein Fotoalbum, in welchem er die Arbeit an seinem VW-Käfer 1300 Schritt für Schritt dokumentiert hat. Dass die löchrige Rostlaube der ersten Bilder der nunmehr schmucke Kult-Kleinwagen sein soll, der hier auf der Wiese steht, ist kaum zu glauben. Jedes Teil hat der schon seit jeher von Oldtimern begeisterte Mann, der sein Auto nach dem Aussteigen deutlich überragt, auseinandergebaut. Bei einem Lackierer im Keller fand sich eine alte Original-Farbtafel, nach welcher die Wahl für den 1968er Käfer auf „Bahama Blue“ fiel.

Nachdem dann noch ein paar Nachbarn den Bastler mit Scheunen- und Dachbodenfunden in Form von Dachgepäckträger und Radkappen versorgt hatten, etliche Stunden Fleiß und damals etwa 9000 Mark investiert worden waren, stand der Käfer schließlich wieder da wie eine Eins und tut es auch heute nach etwa fünfzehn Jahren noch. Gefahren wird er zwar nur während der warmen Jahreszeit, aber dann mit Hingabe.

Neun Jahre älter, nämlich Baujahr 1977, aber trotzdem völlig anders steht Wolf Dieter Roetzers Fiat 124 Abarth in Rallye-Ausführung und mit 140 PS da. Der aus Korntal angereiste Roetzer entdeckte das Hobby „Oldtimer“ vor gut zwanzig Jahren für sich. Inzwischen kann er acht Fahrzeuge sein Eigen nennen. Den mit Rallye-typischen Stickern versehenen Fiat hat er vor zwei Jahren über eine Online-Plattform in Kroatien entdeckt, wo ein Schotte den Wagen im heutigen äußerlichen Zustand verkaufte. Das Innenleben jedoch modelte Roetzer noch einmal kräftig um. Motor, Getriebe, Kühlung, all dies baute er zum Teil mithilfe eines Freundes, zum Teil beim Profi um und fährt seitdem bei der einen oder anderen Oldtimer-Rallye mit. Hier, erzählt er, macht so ein Auto erst richtig Spaß. Untypisch für ein Rallye-Auto ist jedoch das Stoffdach. Normal findet man hier ein festes Dach mit Bügel. Vorerst will der Fan der italienischen Autos das Dach aber nicht umbauen. Neben dem Charme, den das Dach hat, ist auch ausschlaggebend, dass er so seine Tochter hinten unterbringen kann, was nach einem Umbau nicht mehr ginge.

Der Chevrolet wurde in Uruguay

zum Pflügen der Felder benutzt

Eines der ältesten Autos auf dem Rasen gehört Armin Reinmuth. Baujahr 1928 ist der Chevrolet National A-B, der seit mittlerweile 37 Jahren im Besitz des Stuttgarters ist. Ein Freund trieb den Wagen damals in Uruguay auf, wo er zum Pflügen der Felder benutzt wurde und überführte ihn per Flugzeug nach Pforzheim. Damit begann für den früher in der Automobilbranche tätigen Reinmuth eine lange Suche nach Ersatzteilen, die er vorwiegend auf Schrottplätzen in Dänemark bestritt, wo das in einer Auflage von nicht einmal 30000 Stück gebaute Fahrzeug recht verbreitet gewesen war. Nach sechs Jahren war das Auto mit dem Lenker auf der rechten Seite wieder fahrtauglich.

Angefangen hatte die Oldtimerleidenschaft Reinmuths zwar mit einem Fiat Topolino, aber der wurde mit zwei Kindern schnell zu klein. Doch nicht nur wegen der Geräumigkeit dürfte der Chevrolet das liebste Stück des Sammlers sein. Ein aufklappbares Stoffdach, Holzspeichenräder und ein Fahrtrichtungsanzeiger in Form eines verstellbaren Pfeils verleihen dem Gefährt viel Charme. Zudem schmücken etliche passende Flohmarktfunde das Innere des Wagens, darunter ein Erste-Hilfe-Kasten aus der Vorkriegszeit.

Mit einem etwas anderen Gefährt ist Helmut Häussermann vom Wüstenbachhof angereist. Sein 1957er Lanz Bulli ist das Schmuckstück des ehemaligen Landwirts. Gekauft hat ihn seine Frau, die die Vorliebe ihres Mannes für alte Schlepper teilt. Eigentlich hätten sie gern einen großen Lanz Bulldog gehabt. Da dieser jedoch immer zu teuer war, schlugen sie bei dem kleineren Modell zu. Nachdem sie den Einkaufspreis des Fahrzeugs noch einmal genauso in Ersatzteile stecken mussten, darf das gute Stück nun nicht nur bei Schleppertreffen auf die Straße, sondern wird auch immer mal wieder für eine Ausfahrt um den Wüstenbachhof herum aus der Scheune geholt. Damit auch Ehefrau Karin und Hund Lesso einen bequemen Platz haben, brachten die Häussermanns hinter dem Fahrersitz eine Bank inklusive Anschnallgurt an.

Helmut Häussermann ist zum ersten Mal beim Oldtimertreffen in Oppenweiler dabei. Sonst fand am selben Tag immer eine Konkurrenzveranstaltung statt, die das Paar besuchte.