Gespräche drehen sich nicht mehr im Kreis

Michaela Stach betritt mit ihrem Buch über Moderation Neuland

„Es macht mir Freude, mehr als nur Wissen zu vermitteln“: Michaela Stach möchte, dass durch ihre Methode der systemischen Moderation die Welt ein stückweit besser wird. Jetzt hat sie darüber ein Buch geschrieben. Foto: E. Layher

Von Ingrid Knack

ALLMERSBACH IM TAL. „Wird die Welt durch diese Texte besser?“, fragte sich Michaela Stach in der Phase, in der sie im Marketingbereich arbeitete und sich coole Sprüche als Werbetexterin ausdachte. So reifte in ihr der Gedanke: Sinnvoller wäre es, die Leute zu befähigen, den Versprechungen wirklich näher zu kommen, die man ihnen gibt.

Ausgerechnet fern ihres Schreibtisches, bei einer Bergwanderung im Salzburger Land, kam der Allmersbacherin die zündende Idee. „Wenn diese Kompetenz, die wir mitbringen, bei den Unternehmen vorhanden wäre, dann würden Veränderungen besser vorwärts gehen, dann würde das Klima in den Unternehmen besser werden. Für diese Kompetenz gibt es keine Ausbildung“, schoss es der Expertin in den Bereichen (systemisches) Coaching, Change Management, Moderation und Gruppenmoderation durch den Kopf, die als Externe schon zahlreiche Unternehmen bei Veränderungen begleitet hatte. So kam sie in ihrem „Höhenwahn“, wie sie sagt, auf das Thema systemische Moderation. „Das war die Geburtsstunde der Akademie.“

Auf dem Berg kommt ihr die Idee, daheim macht sie Nägel mit Köpfen

Im Hotel zurück googelte Michaela Stach sogleich das Thema und stellte fest: „Systemische Moderation gibt es noch nicht.“ Das war im September 2011. Im November war bereits ihre Website online, und im März 2012 ging sie mit ihrer Akademie für Systemische Moderation an den Start. Dabei hat sie im Blick, dass die in der Arbeitswelt stets komplexer werdenden und sich immer schneller verändernden Themen adäquat abgearbeitet werden können. „Ich möchte den Leuten ein stückweit eine Idee geben, wie sie das effizient und wertschätzend machen können.“ Die Botschaft lautet auch: Keine langen Erprobungsphasen, sondern handeln und Fehler einkalkulieren. „Voraussetzung ist der gute Umgang und Offenheit miteinander. Ich kann nur kreativ sein, wenn ich keine Angst habe, wenn Fehler gemacht werden dürfen.“

In ihrem neuen praxisnahen Fachbuch „Agil moderieren – Konkrete Ergebnisse statt endloser Diskussion“ kann man nun nachlesen, was in ihrer Akademie gelehrt wird. Es ist das Gegenteil von den Ratgeberbüchern, die zum abertausendsten Mal Allgemeinplätze wieder- und wiederkäuen. Stachs Zielgruppe sind etwa Führungskräfte in Firmen, Vereinsvorstände, Projektleiter. Aber auch (potenzielle) Teilnehmer an moderierten Meetings wie Mitarbeiter oder Vereinsmitglieder werden befähigt zu erkennen, an welchen Stellen es in ihrer Organisation, an ihnen selbst, an ihrer Gruppe hakt, und wie man damit umgehen kann. So können sie den einen oder anderen Impuls aus dem Buch in das Meeting einbringen. Nur, wenn alles „völlig hierarchisch geprägt ist, geht das nicht“. Selbst fürs Zweiergespräch bekommt man den einen oder anderen Tipp. Obendrein beschreibt Michaela Stach unterhaltsam viele persönliche Praxisbeispiele, was die Lektüre kurzweilig macht. Das übersichtlich strukturierte Buch ist überdies als Nachschlagewerk zu verwenden.

Was aber ist systemische Moderation? Es geht dabei viel um Haltung, erklärt Stach, „nicht nur kommen, wirbeln und wieder rausgehen“. Zwar gibt sie den Teilnehmern wie bei den überall angebotenen Moderatorenseminaren auch Tools an die Hand, um die entsprechenden Themen zu beackern, allerdings ist das lange nicht alles. Die Frage lautet immer: Was passiert mit der Gruppe? Das ganze Umfeld wird mit berücksichtigt. Michaela Stach hat das Ganze im Blick. Die systemische Moderation ist die Zusammenführung wesentlicher Aspekte aus einer Vielzahl ihrer Ausbildungen, „die eine Führungskraft nie machen kann“. Über allem steht die Überschrift: Ziel ist es, effizient zu Lösungen zu kommen.

Rahmenbedingungen

und Beeinflussungsgrad

Gerne führt Michaela Stach in diesem Zusammenhang das Bild eines Mobiles an. „Wenn ich an einer Stelle ziehe, wackelt das ganze Mobile.“ Alles, was man tut, hat Auswirkungen. Veränderungen werden bei ihr nicht isoliert betrachtet. Bei einer Neuerung in einem Betrieb müsse deshalb im Vorfeld überlegt werden, wer alles davon betroffen ist. Entsprechend müsse der Moderator darauf drängen, das Meeting um weitere Teilnehmer – das kann die Nachbarabteilung sein – zu erweitern. Da sind wir schon mitten im Moderationscheck.

Auch damit es beispielsweise zu keinen Alibimoderationen kommt, bei denen das Ergebnis schon im Vorfeld feststeht, fragt sich ein systemischer Moderator, was die Teilnehmer tatsächlich beeinflussen können. Die Fragestellungen gehen grundsätzlich mit einem Perspektivenwechsel einher – die Brille der anderen gilt es immer wieder aufzusetzen. Stach: „Eine Grundhaltung.“ Die Fragen müssen so formuliert sein, dass Lösungen im möglichen Rahmen gefunden werden können. So mündet die Diskussion nicht in einem illusorischen Wunschkonzert. „Das Ganze wird verknüpft mit der klassischen, kreativen Moderation.“

Warum Moderationen dieser Art immer wichtiger werden, drückt Michaela Stach so aus: Die Hosenträger schnalzen lassen, begleitet mit dem Satz: „Da geht’s lang“, das funktioniere heute mit den Mitarbeitern nicht mehr. In ihrem Buch geht sie deshalb auf den Megatrend „New Work“ ein, den das Zukunftsinstitut Frankfurt definiert hat. „Die Zukunftsforscher sprechen hier von einer ,Neuerfindung der Arbeitswelt‘. Geprägt von der digitalen Vernetzung wird die Arbeitswelt von morgen offener, unberechenbarer und weniger trennbar von der Freizeit sein. Flache Hierarchien und Mitspracherecht sind weitere Schlagworte, die die neue Arbeitswelt beschreiben.“ Und Stach erzählt, dass eine Referentin bei einem Kongress Ende März in Stuttgart zum Thema „Zukunft führen“ zu ihr gesagt habe, „die Führungskraft von morgen muss facilitator sein, muss moderieren können. Weißt Du, dass Du mit Deinem Buch früh dran bist?“. Mit einem Lächeln fügt die Buchautorin an: „Das habe ich mir auf dem Berg nicht überlegt. Da habe ich noch nicht an die junge Generation gedacht, die das einfordert.“ Kein Wunder, dass das Buch bereits Bestseller in der Kategorie Mitarbeitergespräche bei Amazon ist. In der Sparte „Moderation“ erreichte es Platz zwei.

Michaela Stach „Agil moderieren – Konkrete Ergebnisse statt endloser Diskussion“ ist im Buchhandel erhältlich. 24,80 Euro. ISBN 978-3-86980-332-6.