„Was soll dieser Kruscht in der Murr?“

Backnang beteiligt sich am Lichtkunstfestival der Kulturregion – Diskussion über die Kosten

Künstler aus aller Welt lassen ab Mitte September für drei Wochen die Kulturregion Stuttgart erstrahlen. Insgesamt 25 Städte und Gemeinden beteiligen sich an einem Lichtkunstfestival unter dem Titel „Aufstiege“. Auch Backnang ist mit dabei. Die 10000 Euro, die die Stadt dafür bezahlen muss, sind manchem Stadtrat allerdings zu viel.

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Seit mittlerweile 25 Jahren organisiert die „Kulturregion Stuttgart“ rund um die Landeshauptstadt größere und kleinere Kunstprojekte. Aktuell sind 43 Kommunen in dem Verein organisiert, seit Mitte der 90er-Jahre ist auch die Stadt Backnang mit dabei. In diesem Jahr plant die Kulturregion ein Lichtkunstfestival: Von 16. September bis 9.Oktober werden mehr als 40 Künstler aus aller Welt verschiedene Orte in der Region mit ihren Installationen und Projektionen erleuchten. Das Festival steht unter dem Motto „Aufstiege“. „Die Idee nimmt die Topografie der Region mit auf“, erklärt Joachim Fleischer, der Kurator des Festivals. So werden unter anderem Treppen und Anhöhen, aber auch Türme und Unterführungen illuminiert. Den Backnanger Beitrag hat der Dresdener Künstler Sebastian Hempel gestaltet. Sein Werk besteht aus 18 leuchtenden Stäben, die an der Bleichwiese unterhalb des Wehrs in der Murr platziert werden. „Durch die Wasserbewegung werden sie wie Schilfrohre hin- und herbewegt“, erläutert Fleischer. Die Spiegelung im Wasser verstärke die Wirkung. Drei Wochen lang soll das Kunstwerk jeweils von
19 bis 1 Uhr erstrahlen. „Das ist eine sehr poetische Arbeit“, schwärmt der Leiter des Städtischen Kultur- und Sportamts, Martin Schick.

Die Reaktionen im Verwaltungs- und Finanzausschuss des Backnanger Gemeinderats waren weniger euphorisch. Der Blick einiger Stadträte fiel eher auf die Kosten: 10000 Euro für drei Wochen – das erschien ihnen zu teuer. „Wir müssen uns fragen: Ist es uns so viel wert?“, meinte etwa der SPD-Fraktionsvorsitzende Heinz Franke. Zumal er vermutet, dass mancher Backnanger fragen wird: „Was soll dieser Kruscht mitten in der Murr?“ Auch Grünen-Stadtrat Eric Bachert äußerte sich skeptisch: Zwar gebe er gerne Geld für die Kunst aus, doch fehle in diesem Fall die Nachhaltigkeit. Am Ende der drei Wochen wird die Installation nämlich wieder abgebaut. Ob man das Kunstwerk dann wenigstens behalten und später noch einmal aufstellen könne, wollte Pia Täpsi-Kleinpeter (SPD) wissen. Doch da musste Joachim Fleischer sie enttäuschen: Der Künstler werde das Werk zwar eigens für Backnang angefertigen, es bleibe am Ende der Schau jedoch in seinem Besitz. Falls die Stadt das Kunstwerk kaufen wolle, müsste sie mit dem Künstler noch einmal verhandeln. Martin Schick hält von dieser Art des Kunst-Recyclings allerdings nicht viel: „Eine solche Aktion lebt von ihrer Einmaligkeit. Eine Wiederholung nimmt der Sache den Reiz.“

Trotzdem ist der Kulturamtsleiter ebenso wie Oberbürgermeister Frank Nopper davon überzeugt, dass die 10000 Euro gut angelegt sind, zumal andere Städte deutlich mehr bezahlen. Kurator Joachim Fleischer erinnerte im Ausschuss auch an den Werbeeffekt: Schließlich werde das Lichtkunstfestival in der gesamten Region beworben und sogar in den Feuilletons überregionaler Zeitungen besprochen. „Sie geben also nicht nur Geld aus, sie kriegen auch etwas dafür“, verdeutlichte Fleischer.

Eine Abstimmung gab es im Ausschuss am Ende übrigens nicht: Die Ausgabe hatte der Gemeinderat nämlich bereits mit dem letzten Haushalt abgesegnet. Inzwischen sind die Planungen für das Festival bereits so weit gediehen, dass ein Backnanger Rückzieher ohnehin kaum noch möglich gewesen wäre.