Mehr Kita-Plätze für kleine Neubürger

Backnanger Gemeinderat beschließt Ausbauprogramm

In Backnang wird zurzeit an vielen Stellen gebaut, weitere Neubaugebiete sind schon in Planung. Die Stadtverwaltung rechnet dadurch in den kommenden Jahren mit mehr als 1800 neuen Einwohnern. Weil darunter viele junge Familien sein werden, werden dann auch mehr Plätze in Kindergärten, Tagesstätten und Schulen benötigt. Der Gemeinderat hat deshalb ein erstes Ausbauprogramm beschlossen.

Von Kornelius Fritz

 

BACKNANG. Die Zeit drängt. Normalerweise steht die Bedarfsplanung für die städtischen Kindergärten und Kitas erst im Herbst auf dem Programm, doch so lange wollte Regine Wüllenweber, Leiterin des Amtes für Familie, Jugend und Bildung, in diesem Jahr nicht warten. Denn der Blick auf die aktuellen Zahlen zeigt: Es besteht akuter Handlungsbedarf. Schien das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage bei den Betreuungsplätzen im März noch im Lot zu sein, müsse man mittlerweile „ganz schön rumjonglieren, um den Bedarf zu decken“, erklärte Wüllenweber im Gemeinderat. Selbst wenn es keine Zuzüge gäbe, würden die vorhandenen Betreuungsplätze spätestens 2017 nicht mehr reichen. Durch die erwarteten Neuzugänge, etwa in der Katharinenplaisir oder in der Scheffelstraße, dürfte sich diese Situation noch weiter verschärfen.

Das Problem der Verwaltung: Bevor die neuen Häuser nicht bezogen sind, kann sie auch nicht wissen, wie viele Kinder in welchen Altersgruppen dort tatsächlich wohnen werden. Die Planer müssen sich deshalb auf Erfahrungswerte verlassen, die man etwa im Maubacher Neubaugebiet gesammelt hat. Auf Basis dieser Zahlen rechnet die Verwaltung mit rund 800 Kindern, die in den kommenden Jahren mit ihren Eltern nach Backnang ziehen werden. Bereits 2017 erwartet man einen Zuwachs von 114 Kindern unter drei Jahren und weiteren 53 im Kindergartenalter. Stefan Setzer weiß allerdings, dass solche Zahlen mit Vorsicht zu genießen sind: „Prognosen basieren immer auf Annahmen, und die können sich ändern“, erklärte der Leiter des Stadtplanungsamtes. Verzögert sich etwa ein Bauprojekt, könnten die Schätzungen rasch überholt sein.

Handlungsbedarf besteht aber in jedem Fall. Treten die prognostizierten Zahlen ein, werden schon im kommenden Jahr zwei bis drei zusätzliche Krippengruppen sowie ebenso viele Kindergartengruppen für Drei- bis Sechsjährige benötigt. Bedarf besteht vor allem in der südlichen Kernstadt, wo zurzeit die meisten neuen Wohnungen entstehen.

Auf seiner Sitzung am Donnerstagabend hat der Backnanger Gemeinderat deshalb einstimmig ein Ausbauprogramm beschlossen. Demnach sollen die beiden Tagesstätten Heimgarten und Heininger Weg um jeweils zwei Gruppen erweitert werden. In beiden Kitas waren ohnehin Sanierungsarbeiten geplant. Nun erhalten sie gleichzeitig jeweils einen Anbau im Garten. Für welche Altersgruppen die neuen Räume künftig genutzt werden, will die Stadt erst entscheiden, wenn sie den konkreten Bedarf kennt. Angesichts der vielen Unwägbarkeiten brauche man flexible Lösungen, betonte Regine Wüllenweber.

Das gilt auch für die Schulen, die sich ebenfalls auf steigende Schülerzahlen einstellen müssen. Der ursprünglich einstöckig geplante Anbau an der Plaisirschule soll deshalb zweistöckig werden. Außerdem will die Verwaltung prüfen, ob die Schillerschule oder die Pestalozzischule leerstehende Räume im Bildungshaus nutzen können. Auch über eine Neuordnung der Schulbezirke wird nachgedacht: „So könnten wir die vorhandenen Kapazitäten vielleicht noch besser nutzen“, hofft Astrid Szelest vom Amt für Familie, Jugend und Bildung.

Ausgebaut wird auch die Hortbetreuung am Nachmittag: An der Gemeinschaftsschule in der Taus wird zum kommenden Schuljahr eine zusätzliche Gruppe mit 25 Plätzen eingerichtet. Dort müssen allerdings keine Bauarbeiter anrücken: Die neue Gruppe kann ein Klassenzimmer im Betreuungsbereich nutzen.

Was das Ausbauprogramm am Ende kosten wird, kann die Verwaltung im Moment noch nicht beziffern, weil es für die nun beschlossenen Bauprojekte noch keine genaue Planung gibt.„Uns muss klar sein, dass wir viel Geld in die Hand nehmen müssen. Aber wir nehmen es gerne in die Hand“, sagte der SPD-Fraktionsvorsitzende Heinz Franke. Zustimmung kam auch von den anderen Fraktionen. „Wenn Backnang um fast 2000 Einwohner wächst, ist das wunderbar, aber es hat natürlich Auswirkungen“, erklärte Ute Ulfert (CDU). Stefan Setzer vom Stadtplanungsamt wies allerdings darauf hin, dass die Neubürger nicht nur Geld kosten, sondern auch Steuereinnahmen und zusätzliche Kaufkraft nach Backnang bringen: „Es ist wichtig, dass wir die Mittelschicht in der Stadt halten, damit wir unsere Infrastruktur auch langfristig erhalten können“, erklärte der Stadtplaner.

Der Ausbau der Kinderbetreuung dürfte mit dem nun beschlossenen Programm noch nicht abgeschlossen sein. Im Amt für Familie, Jugend und Bildung rechnet man damit, dass der Bedarf weiter steigen wird: Nach derzeitiger Schätzung werden bis 2019 sechs bis sieben zusätzliche Krippengruppen sowie sechs Kindergartengruppen benötigt. Man sei deshalb auch im Gespräch mit freien Trägern, die sich vorstellen könnten, eine Tagesstätte in Backnang zu eröffnen, erklärte Regine Wüllenweber.