Verwirrung um neues Feuerwehrhaus

Bürgerinitiative will Standortentscheidung des Gemeinderats noch kippen – Verunsicherung in den betroffenen Stadtteilen

Die Diskussion über das geplante Feuerwehrhaus im Backnanger Süden geht weiter. In den betroffenen Stadtteilen sind inzwischen einige verärgert über die Kampagne der Bürgerinitiative„Wir für vier“. Andererseits wächst auch die Verunsicherung, ob der gewählte Standort tatsächlich der beste ist.

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Kommt der Standort des neuen Feuerwehrstützpunkts im Backnanger Süden noch einmal auf den Prüfstand oder bleibt es bei dem Beschluss des Gemeinderats vom Dezember, das Gerätehaus zwischen Heiningen und Waldrems zu bauen? Die Antworten aus dem Backnanger Rathaus auf diese Frage sorgten zuletzt für Verwirrung. Zunächst hatte Stefan Setzer, der Leiter des Stadtplanungsamtes, öffentlich erklärt, ein weiterer Gutachter solle die Standortfrage noch einmal überprüfen, und zwar „ergebnisoffen“. Tags darauf meldete sich dann Oberbürgermeister Frank Nopper per Pressemitteilung zu Wort: Von einem neuen Gutachten könne keine Rede sein. Das bestehende Gutachten werde lediglich „in Sachen der Hilfsfristen für die verschiedenen Gefahrensituationen ergänzt und veranschaulicht.“ Im Übrigen halte die Verwaltung nach wie vor den Standort zwischen Heiningen und Waldrems für den besten.

Alles klar? Nicht ganz. In der jüngsten Gemeinderatssitzung legte Nopper deshalb noch einmal nach. Den Sachverständigen ziehe man nur deshalb hinzu, weil die Bürgerinitiative „Wir für vier“ in einem Gespräch mit der Verwaltung so detaillierte Fragen zu den Hilfsfristen gestellt habe, dass sie nur ein Feuerwehr-Experte beantworten könne. „Wir wollten keine Fragen offen lassen“, erklärte der OB. Das ändere jedoch nichts daran, dass der Gemeinderatsbeschluss vom vergangenen Dezember weiterhin gelte.

Ortsvorsteher verärgert über
selbst ernannte Experten

Bei der Bürgerinitiative schätzt man die Situation ganz anders ein. In neuen Flugblättern, die in Heiningen, Maubach und Waldrems verteilt wurden, bedankt sie sich bei den Bürgern: „Ihre Zivilcourage und Ihre durchweg große Zustimmung lassen den neuen Feuerwehrstützpunkt Backnang-Süd am einzig sinnvollen ,Standort 4‘ in greifbare Nähe rücken“, heißt es dort. Die Gruppe argumentiert damit, dass der von ihr favorisierte Standort im Gewerbegebiet Waldrems West näher an der B14, an den Gewerbegebieten und den eng bebauten Wohnsiedlungen in Maubach liege. Die Feuerwehr könne die Hilfsfristen so besser einhalten, als wenn wie geplant neben der Auferstehungskirche gebaut wird.

Mit ihren Aktionen hat sich die Bürgerinitiative in den Stadtteilen nicht nur Freunde gemacht. „Diese sogenannten Experten wissen immer alles besser“, sagt etwa der Heininger Ortsvorsteher Leonhard Groß. Dass die Mitglieder der Initiative glauben, die Eignung eines Standorts besser beurteilen zu können als etwa die Kommandanten der betroffenen Feuerwehren, findet er anmaßend. Unter den Feuerwehrleuten gebe es schon Stimmen, die sagten: „Wenn die Herren alles besser wissen, sollten sie auch die Feuerwehrarbeit machen.“ Ähnliches berichtet auch die Waldremser Ortsvorsteherin Regina Konrad: „Die Feuerwehr fühlt sich vor den Kopf gestoßen“, sagt sie. Die beiden Ortsvorsteher vermuten, dass es den Mitgliedern der Initiative in Wahrheit um eigene Interessen geht. Viele von ihnen wohnen nämlich in direkter Nachbarschaft des geplanten Feuerwehrhauses.

Der SPD-Stadtrat und ehemalige Heininger Ortsvorsteher Heinz Franke stellt mittlerweile allerdings auch eine wachsende Verunsicherung unter den Bewohnern der südlichen Stadtteile fest: „Mancher fragt sich: Ist womöglich doch etwas dran an den Argumenten der Bürgerinitiative?“ Dazu hätten auch die widersprüchlichen Aussagen aus dem Rathaus und der Auftrag an den externen Sachverständigen beigetragen. Aus seiner Sicht wäre es deshalb an der Zeit, dass sich OB und Verwaltung klar und deutlich positionieren: „Ich sehe eigentlich keinerlei Grund, noch einmal etwas neu aufzurollen“, erklärt Franke.