Zehn Häuser mit 111 Wohnungen

Ausschussmitglieder segnen Pläne für Neugestaltung des ehemaligen Feucht-Areals am Rande der Backnanger Innenstadt ab

Auf dem ehemaligen Feucht-Areal am Rande der Backnanger Innenstadt möchte die Stuttgarter Godel-Unternehmensgruppe zehn Wohnhäuser mit insgesamt 111 Wohneinheiten erstellen. In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Technik und Umwelt hat Architekt Frank Ludwig die Pläne vorgestellt und detailliert erläutert, welche Überlegungen hinter den Plänen stehen. Die Stadträte stimmten der erneuten Auslegung des Bebauungsplans bei zwei Enthaltungen zu.

Das ehemalige Feucht-Areal liegt seit Jahren im Dornröschenschlaf, jetzt soll es revitalisiert werden. Schwieriger verhält es sich mit dem Aurelis-Areal, das sich von der Maubacher Straße bis zu den Bahngleisen (oben rechts) erstreckt. Immerhin: Es wurde inzwischen von der Stadt erworben. Foto: E. Layher

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Die Industriebrache zwischen Maubacher Straße und Blumenstraße liegt seit Jahren im Dornröschenschlaf, nun steht die Revitalisierung unmittelbar bevor. Aus der öden Fläche soll ein attraktives Wohngebiet werden, das mit seiner Nähe zum Bahnhof und zur Innenstadt punkten kann. Architekt Frank Ludwig vom gleichnamigen Stuttgarter Büro schwärmte in den höchsten Tönen von den urbanen Entwicklungspotenzialen und der attraktiven Aussicht auf die Backnanger Altstadt. Seiner Planung zufolge sollen auf dem 1,7 Hektar großen Gebiet neun viergeschossige Wohngebäude und – etwas versetzt – ein weiterer fünfstöckiger Solitärbau entstehen. Letzterer würde als Verbindung zu dem bereits gebauten Quartier an der Oberen Ziegelei fungieren. Allen gemein sollen begrünte Flachdächer sein.

Auf den Freibereichen zwischen den Gebäuden sind (private) Spielplätze sowie ein großzügiger Quartiersplatz vorgesehen. Das gesamte Quartier wird autofrei sein, kündigte Ludwig an. Laut dem Backnanger Stellplatzschlüssel sind 147 Stellplätze für die Bewohner und weitere 15 Plätze für Besucher erforderlich. Diese Plätze gibt es in einer Tiefgarage. Die Zufahrt dazu beziehungsweise die Erschließung des neuen Wohngebiets erfolgt ausschließlich über die Friedrich-Stroh-Straße. Diese muss dazu ausgebaut werden. Ebenfalls umgestaltet werden muss die Maubacher Straße samt deren Einmündung in die Blumenstraße. Die Bushaltestelle Blumenstraße wird in die Maubacher Straße verlegt, am alten Standort unweit der Chelmsfordbrücke wird ein neuer Wertstoffplatz für das südliche Stadtgebiet eingerichtet.

Angesichts der Kaufpreise

bleibt „ein Unbehagen“

Die Planungen an sich gefielen den Ausschussmitgliedern. Trotzdem gab es vereinzelt Nachfragen. So erkundigte sich Professor Dr. Wolfgang Schwalbe (UBV) etwa nach den Kosten, schließlich sei das Thema bezahlbarer Wohnraum allgegenwärtig. Architekt Thomas Bscheidl von der Godel-Gruppe erklärte, die Wohnungen gebe es ab 3500 Euro pro Quadratmeter. Ein Wert, der Heinz Franke (SPD) zum Grübeln brachte. Der Sozialdemokrat rechnete hoch, was eine Wohnung für eine Familie mit zwei oder drei Kindern wohl kosten würde. Bei dem genannten Quadratmeter-Preis und einer Wohnungsgröße von rund 100 Quadratmetern kam er inklusive der Kosten für einen Stellplatz, Notar und Grunderwerbsteuer auf fast 450000 Euro. Angesichts dieser Summen gehören sozial schwache Familien wohl eher weniger zu den Bewohnern des neuen Gebiets. Franke: „Ein Unbehagen bleibt.“

Da zuvor auch schon Gerhard Ketterer (CDU) das Thema bezahlbaren Wohnraum angesprochen hatte, erklärte Baudezernent Stefan Setzer: „Wir sind in diesem Gebiet zu spät dran.“ Gleichzeitig kündigten er und Erster Bürgermeister Siegfried Janocha an, beim benachbarten Aurelis-Areal sozial geförderte Wohnungen zu ermöglichen. Quartierübergreifend könne dann laut Setzer sogar eine gute Durchmischung gelingen.

Heinz Franke verwies noch auf einen anderen kritischen Aspekt, die extreme Verdichtung, die derzeit an einigen Stellen im Stadtgebiet zu beobachten sei. In Anspielung unter anderem auf das Gebiet Dichterberg sagte er: „Das, was da etwas weiter oben passiert ist, war nicht immer nur optimal.“ Willy Härtner (Grüne) sah dies ebenso und hakte nach, ob nicht das eine Haus in der Mitte der Bebauung wegfallen könne, das sei schließlich in einer Vorberatung einmal angedeutet worden. Ein Gedanke, den Dr. Ute Ulfert (CDU) strikt ablehnte: „Wir fordern mehr Wohnraum, dann können wir doch nicht ein Haus aus der Planung rausnehmen. Ich finde es einen ausgewogenen Entwurf.“

Architekt Ludwig: „Zu große Plätze sind nicht lebendig“

Ludwig verteidigte seinen Entwurf. Ohne das zentrale Haus würde eine viel zu große Freifläche entstehen. Negativbeispiele hätten gelehrt: „Zu große Plätze sind nicht lebendig.“ Und Janocha betonte erneut: „Der Bedarf an Wohnraum ist groß, das kriegen wir jeden Tag mit.“

Ursprünglich war geplant, das Feucht-Areal und die nördlich gelegene Fläche des ehemaligen Güterbahnhofs – das sogenannte Aurelis-Areal – gemeinsam auf Vordermann zu bringen. Weil sich jedoch die städtebauliche Entwicklung des Aurelis-Areals als sehr komplex herausgestellt hat, empfahlen die Planer, die beiden Gebiete planungsrechtlich zu entkoppeln und das Bebauungsplanverfahren zunächst nur für das Feucht-Areal weiterzuführen. Dies ist in den vergangenen 14 Monaten geschehen. Und wegen dieser Konkretisierung war nun die erneute Auslegung des Bebauungsplans erforderlich geworden.