Wichtige Brückenfunktion

Blues & Rock ’n’ Roll bei Rock im Knast – Der etwas andere Gig der Rollics
Spielten für die Häftlinge in der Justizvollzugsanstalt Stammheim (von links): Günter Gröner (Blues Harp), Carsten Auerbach (Schlagzeug), Wolfgang Eppler (Keyboard und Piano), Hans Bodo Hartmann (Vocals und Leadgitarre) und Rainer Gluska (Bass und Vocals). Foto: privat

BURGSTETTEN/STUTTGART (pm/ik). Die Rollics mit Bandmitgliedern aus verschiedenen Kommunen im Ländle, zum Beispiel aus Burgstetten, gaben in der Justizvollzugsanstalt Stuttgart-Stammheim ein Konzert. Derlei Höhepunkte für die Gefangenen gibt es immer wieder. Auch Gitze spielte mit seiner Band schon hinter Stacheldraht.

Zum Hintergrund ihrer Aktion sagt Klaus Boshart, Initiator von Rock im Knast: „Die Wiedereingliederung von Strafgefangenen ist nicht nur eine Aufgabe des Staates, sondern auch der Gesellschaft. Die Bereitschaft von Bürgern zum ehrenamtlichen Engagement ist dabei ein sichtbares Zeichen eines funktionierenden Gemeinwesens. Sie erfüllt somit eine wichtige Brückenfunktion zwischen straffällig gewordenen Menschen und der Gesellschaft. Der Justizvollzug braucht die Mithilfe ehrenamtlicher Mitarbeiter aus allen Bereichen der Gesellschaft für die Erfüllung des Resozialisierungsauftrages. Ehrenamtliches Engagement verändert das Gesicht unserer Gesellschaft positiv. Es erfüllt eine wichtige Brückenfunktion zwischen dem ,verschlossenen und freien‘ Teil unserer Gesellschaft. Wir brauchen dieses Engagement heute mehr denn je. Auch das von Bands.“ Die Rollics spielten jetzt Blues und Rock ’n’ Roll. Wie passt das in den Knast? Der Rhythm and Blues ist eine der wichtigen Wurzeln des Rock ’n’ Roll, denn von ihm hat dieser das Metrum, den Gesangsstil und textliche Grundlagen übernommen. Interpreten wie der frühe Ray Charles, Big Joe Turner, Louis Jordan, Bo Diddley, freilich auch Chuck Berry, Fats Domino, Little Richard, LaVern Baker und viele andere waren mit ihrer Musik Vorbild. In Städten wie Chicago oder New Orleans wurden dementsprechend die beiden Begriffe Rock ’n’ Roll und Rhythm and Blues auch lange als Synonyme verwendet. Und selbst den Rock-’n’-Roll-Spielarten, die eindeutig nicht mehr zum Rhythm and Blues gehören, von Rockabilly bis zum Highschool-Rock-’n’-Roll, diente der Rhythm and Blues als wesentliche Inspirationsquelle. Die Band: „Man kann also mit Recht behaupten, dass der Rock ’n’ Roll eine Weiterentwicklung, häufig auch eine ,Verweißung‘ des Rhythm and Blues war, mit der sich nur Teile der schwarzen Jugend identifizieren konnten.“ Gerade dieser Ursprung spiegelt sich in mancher Seele der Inhaftierten wider – und da passt der gute alte Blues und Bluesrock, so die Überzeugung der Musiker.

Boshart resümiert nach dem Auftritt: „Rund 100 Inhaftierte haben ein einmaliges Zeugnis einer Band erleben dürfen, die nach ihrer Neubelebung weiter für Furore sorgen wird. (...) Tiefe Verneigung für großartige Musiker.“

In den 60ern hatten die Rollics Auftritte in ganz Baden-Württemberg. Sie spielten als Vorgruppe etwa bei Tourneen der Faces und den Kinks.