Keine Erholung im Kurhotel

Gruschtelkammer-Theatergruppe zeigt in der Sängerhalle Oberbrüden das schwäbische Lustspiel „Grand Malheur“

Die Gruschtelkammer-Theatergruppe spielt derzeit ihr 19. Stück, das jetzt in der Sängerhalle Oberbrüden Premiere hatte: „Grand Malheur“, eine Komödie in drei Akten von Bernd Gombold, ins Schwäbische übertragen und stark bearbeitet von Werner Pabst. Ort des Geschehens ist das Kurhotel Faltenburg, in dem nichts ist, wie es sein sollte.

Der Gast putzt, das Zimmermädchen ist erschöpft, die Putzfrau hat alles im Griff: Szene mit Jürgen Hammer, Stephanie Arcuria und Petra Graf (von links). Im Kurhotel Faltenburg geht es weniger um Wellness. Zwischenmenschliches und menschliche Schwächen spielen die Hauptrolle. Foto: E. Layher

Von Ingrid Knack

AUENWALD. Der Titel deutet schon darauf hin: Frankreich spielt in „Grand Malheur“ eine Rolle. Und zwar in persona des Friseurs und Kosmetikers Jean Pierre, wunderbar gespielt von Peter Broens. Er gehört zum Personal des Kurhotels Faltenburg in Heutensbach und gibt mit seinem tüttelich-tänzelnden Auftreten auf der Bühne den schwulen Franzosen mit dem unverwechselbaren französisch-deutschen Zungenschlag. Schnell ist klar: Er ist einer der Publikumslieblinge. Genauso wie das Zimmermädchen Karina Moser. Stephanie Arcuria ist ein richtiges Naturtalent und geht in ihrer Rolle als immer müdes Zimmermädchen, das zudem den Hausmeister und den Gepäck tragenden Portier mimt, regelrecht auf. Regisseur Werner Pabst hat ihr diese Rollen auf den Leib geschneidert, im Original ist lediglich ein Hausmeister vorgesehen. Arcuria darf auch den Satz sagen, der zum Running Gag wird: „So was däds bei ons en Brüda ned gäba.“

Erzählt wird eine Geschichte, wie wir sie in ungezählten Variationen kennen. Das Personal im Kurhotel ist bis auf wenige Ausnahmen schräg, der Manager ein Verbrecher, der seine Verfehlungen in die Schuhe seiner Angestellten schieben will (Bernd Brendike stellt Dr. Klaus Kowalski stark akzentuiert dar), und die Gäste sind nicht minder außergewöhnlich. Freilich gibt es auch im Kurhotel Faltenburg Liebesverirrungen und -verwirrungen. Die Geschichten sind an sich nett, vorhersehbar, mehr aber nicht.

Nun ist es eine hohe Kunst, aus diesem Stoff ein einzigartiges, amüsantes, nicht zu sehr unter die Gürtellinie abtauchendes Bühnenstück zu zaubern. Die Rechnung geht auf. Die vier Neuzugänge fügen sich dabei gut in die Theatergruppe ein: Stephan Düllberg als der von allen begehrte Masseur Georg Braun, Mirjam Strohbeck als Controllerin Sabine Häusler, Jürgen Hammer als schüchterner Gast Richard Schneider und Sergio Goncalves als Sohn der erholungsuchenden Klara Müller.

Die großen Rollen sind freilich den erfahrenen Spielern vorbehalten. So mimt Petra Graf die Putzfrau Elli Taler. Sie ist so etwas wie der Gegenpol zur „aufgetakelten Fregatte“ Birgit Ballon, die sich ebenfalls zu den illustren Kurhotelgästen gesellt. In ihrer offenen, erdigen Art weiß sie jede noch so abstruse Situation mit einem kernigen Satz zu kommentieren („Nicht jeder Armleuchter isch a großes Licht. Der isch so dabbich, der stolpert sogar über a schnurloses Telefon“). Dabei putzt sie unbeirrt weiter und nutzt die amourösen Aufheizungen in der Kurhotelatmosphäre zum eigenen Zweck: Sie will sich einen betuchten Mann angeln. Wandelbar zeigt sie sich, als sie abends als Femme fatale einen vermögenden Hotelgast bezirzt – wonach sie aber schnell wieder auf dem Boden der Tatsachen, genauer auf dem zu putzenden Boden des Kurhotels ankommt.

Die Mimen subventionieren mit ihrem Spiel das Kabarettprogramm mit Spitzenkünstlern

Gerda Traiser als Birgit Ballon unterstreicht die Manieriertheit, die der reichen Dame anhaftet, mit einer hohen, gestelzten Stimme. Glaubhaft verkörpert sie eine Frau, die im Grunde eine Genießerin ist, auf der anderen Seite aber mit ihrer Figur hadert. Für viele Lacher sorgt der Auftritt von Maria Schweinberger als Klara Müller, die sich dank ihrer feierlustigen Nichte Eva Hausmann (Kim Thoma trifft den oft latent genervten, besserwisserischen Ton gut) von der obersparsamen Tante in eine Frau von Welt verwandelt. Volker Thoma spielt Martin Häusler, den Vater der Controllerin, in einer „Hallo hier bin ich“-Attitüde und Nicole Mehl die Rezeptionistin und Fitnesstrainerin Jenny Stark als gute Fee, die alles überschaut und maßgeblich dazu beiträgt, dass am Ende Unheil abgewendet wird.

Es ist die 15. Inszenierung von Werner Pabst für die Theatergruppe, die ihrerseits 2017 einen runden Geburtstag feiert. Ihr nun bald 20 Jahre währendes Engagement ist auch deshalb bemerkenswert, weil alle Beteiligten mit dem Erlös der Aufführungen das Gruschtelkammer-Kabarettprogramm mit den Großen der Szene subventionieren.

Das Stück wird noch am 22., 23., 29. und 30. April aufgeführt, einige Vorstellungen sind schon ausverkauft. Weitere Infos dazu: www.gruschtelkammer.de.