Begegnung mit einem Cowboy und der Göttin der Liebe

Camino Mundo präsentieren im club junges europa in Steinbach eine musikalische Reise durch die unterschiedlichsten Länder

Auf eine musikalische Reise um die Welt entführte die Formation Camino Mundo im gut besetzten Steinbacher club junges europa (cje) mit Texten und Melodien aus verschiedenen Ländern Europas über Namibia bis hin zu den Inkas. Das Lebensgefühl in unterschiedlichen Teilen der Erde brachten die Musiker in ihrem Konzert zum Ausdruck.

Auf der ganzen Welt sammeln sie Lieder: Camino Mundo beim Auftritt im alten Schulhaus in Steinbach. Foto: E. Layher

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. Sie sprechen mehrere Sprachen, spielen verschiedene Instrumente, und sie reisen gerne. Die fünf Musiker von Camino Mundo haben neue Lieder und alte Weisen aus aller Herren Länder zusammengetragen und für sich interpretiert. Seit zehn Jahren ist die Combo aus dem Raum Stuttgart mit ihrer Weltmusik unterwegs. In Frankreich beginnen die Musiker ihre musikalische Reise mit dem Chanson „Le Long de la Route“. Sängerin Eva Rembold interpretiert den Titel nicht nur von lebhaft bis gefühlvoll, zwischendurch greift sie zur Flöte, später zur Gitarre oder Perkussionsinstrumenten. Weiter geht es nach Irland. „Jonny has gone for a Soldier“ ist ein melancholischer Song, der im Duett von Isabel Kaufhold mit glockenheller Stimme und dem Gitarristen Andreas Kümmerle gesungen wird. Er handelt von einem frisch verliebten Paar auf der grünen Insel und der Sorge um den jungen Mann, der in den Krieg ziehen muss. Sprachen, Instrumente, Sänger und Stimmungen wechseln bei dem Programm. Vom traurigen Iren wird Andreas Kümmerle zum coolen Cowboy und greift zur Mandoline, wenn es auf die Reise in die USA zu Country-Musik und Bluegrass geht. Auf der ganzen Welt sammeln sie Lieder, sagt Eva Rembold, die bei der Moderation auch schon mal eine kleine Anekdote einfließen lässt. Etwa vom Krabbenfischen im kalten Alaska, bei dem nur ein einziges, kleines Meerestier gefangen worden sei. Mehrstimmig tragen sie den „Krabben-Song“ vor.

Kreuz und quer geht die Reise. Geiger Stanislaus Müller-Härling ist ein Musiker, der beim Spielen russischer Weisen gar nicht aufhören kann, erfährt das Publikum. Ausgedehnte Geigensoli folgen, nur begleitet von Christine Lutz am Akkordeon, die Wehmut widerspiegeln. Doch solche Stimmung lassen die Musiker nicht dauerhaft aufkommen. Der Rest der Formation greift ein mit beschwingten, lebhaften Polkaklängen und liefert sich mit der wehmütigen russischen Seele ein Duell, bei dem die Lebensfreude schließlich siegt.

Dass volkstümliche Lieder in Sprachen vorgetragen werden, die die Sänger eigentlich gar nicht beherrschen, lässt Isabel Kaufhold durchblicken. „Spricht hier jemand Finnisch?“, fragt sie. „Gut“, ist augenzwinkernd ihre Reaktion, als sich niemand meldet. Was a cappella vorgetragen wird, hört sich jedenfalls äußerst interessant an, steigert sich zu atemberaubendem Tempo und wird mit Bravorufen belohnt. Auf Spanisch kündigt Kaufhold die Pause an. Egal, ob man jedes Wort der längeren Ansprache versteht, „pausa“ kapiert jeder.

Im orientalisch anmutenden Outfit erscheinen die Sängerinnen danach wieder auf der Bühne, und der Blockflöte werden Klänge aus dem Morgenland entlockt, gepaart mit schlangenhaften Tanzbewegungen der Flötistin. Abstecher gibt es nach Nigeria zur Göttin der Liebe, die im frischen Wasser wohnt. Allein der Rhythmus der afrikanischen Sprache und die Trommelklänge gehen ins Blut. Bei einem Lied in Quechua, einer alten Sprache der Inkas, stimmt das Publikum mit ein, wenn es um das peruanische Mädchen Imillitay geht. Schließlich reißt es die Besucher doch noch zum Tanzen von den Stühlen, wenn es wieder zurück nach Paris geht, bei einem französischen Lied, das davon handelt, das Leben zu genießen. Genossen haben die Zuschauer die musikalische Reise um die Welt und ließen Camino Mundo nicht ohne zwei Zugaben gehen.