Unterstützung in entscheidenden Stunden

Diana Kübler und Eva Gamm aus Murrhardt sind Doulas – Sie begleiten Frauen und Paare bei der Geburt ihres Kindes

„Doula heißt übersetzt Dienerin der Frau“, sagt Diana Kübler. Gemeinsam mit Eva Gamm hat sie ihre Ausbildung in Karlsruhe absolviert: Doulas betreuen Frauen beziehungsweise die werdende Familie bei der Geburt ihres Kindes. Dabei geht es vor allem um die psychische, kontinuierliche Unterstützung im Sinne einer selbstbestimmten Geburt.

Für Daniel und Melanie Schneider war die Betreuung von Diana Kübler (von links) vor, während und nach der Geburt von Annelie eine gute Sache. Mittlerweile ist ihre kleine Tochter etwas über ein halbes Jahr alt. Foto: A. Becher

Von Christine Schick

MURRHARDT. Die Arbeit von Doulas ist in Deutschland im Vergleich zu den USA, Österreich und der Schweiz noch wenig bekannt, auch wenn der Verein „Doulas in Deutschland e.V.“ mittlerweile seinen zehnten Geburtstag feiert.

Auch Melanie und Daniel Schneider aus Unterweissach kannten diese Art der Geburtsbegleitung nicht, als sich Diana Kübler beim Vorbereitungskurs in einer Backnanger Hebammenpraxis vorstellte, in der sie zu dieser Zeit bei Susanne Zerrweck hospitierte. „Ich hab dann erst mal gegoogelt“, sagt der heutige Papa mit einem Lächeln, „konnte mir aber durchaus vorstellen, dass es nicht schlecht ist, Hilfe beim ersten Kind zu haben.“ Melanie Schneider ging es ebenso. Sie fand es beruhigend, jemand Erfahrenen und gleichzeitig Außenstehenden bei sich zu haben, der ihr und gleichsam ihrem Mann in den entscheidenden Stunden zur Seite stehen kann. Bei den drei Treffen vor der Geburt wurde ausführlich darüber gesprochen, was sich die beiden für den Ablauf wünschten. „Mir war es wichtig, dass die Geburt so natürlich wie möglich abläuft, also möglichst ohne Betäubung“, sagt Melanie Schneider. Dieser Wunsch ging nicht in Erfüllung. Dass die Geburt in einer Frauenklinik in Stuttgart insgesamt ziemlich anders als gedacht verlief, schmälert die Arbeit aus Sicht der Schneiders keineswegs. Die werdende Mutter hat 34 Stunden durchgestanden und sich am Ende zu einem Kaiserschnitt durchgerungen, weil es kaum Hoffnung mehr auf eine natürliche Entbindung gab und die kleine Annelie vermutlich nicht richtig lag. Bis zu diesem Entschluss durchlebten das Ehepaar und Diana Kübler eine intensive Zeit.

Massagen und Gespräche wechselten sich ab, genauso wie kleine Pausen für Vater und Doula. „Es war für mich eine Entlastung, zu wissen, dass es den anderen gut geht“, sagt Melanie Schneider. Die Arbeit mit den Hebammen in der Klinik geht Hand in Hand, aber sie sind noch für andere Geburten im Haus zuständig und können die Schwangere in der Regel nicht kontinuierlich betreuen. Auch dies war einer der Gründe, sich für die Begleitung von Diana Kübler zu entscheiden – sie ist die ganze Zeit über präsent. Die 36-Jährige macht klar: „Die Hebammen sind vor allem für die medizinischen Aspekte zuständig und im Kreissaal haben sie das Sagen. Wir als Doulas möchten die Arbeit ergänzen, nicht ersetzen.“ Sie weiß um die schwierige Situation von Hebammen. Gleichzeitig möchte sie nicht, dass ein Mangel an Stellen auf dem Rücken von Schwangeren ausgetragen wird. „Mein Herzenswunsch ist, dass wir gut zusammenarbeiten. Wir brauchen Hebammen“, sagt sie. Vor einigen Jahren, als auch in Murrhardt Hebammen bei einer Demonstration auf ihre schwierige Lage aufmerksam machten, haben sich Diana Kübler und Eva Gamm solidarisch dazugesellt.

Damals wussten sie noch nicht, dass sie einmal mit ihnen zusammenarbeiten würden. Zwar haben sie in jungen Jahren überlegt, beruflich in diese Richtung zu gehen, sich aber dagegen entschieden. Diana Kübler, die halbtags als Erzieherin im evangelischen Kindergarten Oetingerhaus in Murrhardt arbeitet, hat sich nach weiteren Qualifikationen umgesehen, wie der Arbeit mit Familien nach einer Geburt (Familienbesucherin). Als Eva Gamm, gelernte Heilerziehungspflegerin, von einer Nachbarin einen Artikel über Doulas in die Hand gedrückt bekam, war der 37-Jährigen ziemlich schnell klar, dass sie genau das machen will. Beide bewarben sich für die Ausbildung in Karlsruhe, erhielten die Zusage und begannen sie 2016. Die Grundlagen werden in Blockseminaren vermittelt. „Ich war zu dieser Zeit selbst schwanger und habe das als wunderbar erlebt, mit rund 20 Frauen dort zu sein, die mich bei der Geburt bestärkt haben“, sagt Eva Gamm, heute vierfache Mutter. Diana Kübler, die zwei Kinder hat, schloss Praxisstunden an, hospitierte bei Geburtsvorbereitung und im Krankenhaus Schwäbisch Hall sowie Mutlangen. Auch Eva Gamm plant nun, in einer Klinik und bei einer Hebamme, die Hausgeburten betreut, noch Erfahrungen zu sammeln. Da die beiden sich schon lange kennen und mittlerweile in Murrhardt-Karnsberg in unmittelbarer Nachbarschaft leben, möchten sie künftig zusammenarbeiten. Als Doula hat frau 14 Tage vor und nach dem veranschlagten Geburtstermin 24-Stunden-Rufbereitschaft. „Wir setzen alles daran, innerhalb von rund 45 Minuten bei der werdenden Mutter sein zu können“, so Kübler. Das wiederum bedeutet, dass diese Zeit über nur eine Frau und Familie betreut werden könnte – aber im Duett haben die beiden die Möglichkeit, füreinander einzuspringen. „Wir wollen das auch so machen, dass wir uns dann beide gemeinsam vorstellen“, erklärt Eva Gamm. Nicht selten findet die Geburt im Krankenhaus statt und die beiden machen deutlich, dass es bei den Vorgesprächen auch darum geht, sich auf diese Umgebung und ihre spezifischen Bedingungen (Untersuchungen, Abläufe, Räumlichkeiten) vorzubereiten, um zumindest selbstbestimmter damit umgehen zu können. Bei der Geburt spielen auch Entspannungstechniken eine wichtige Rolle.

Entspannungstechniken und

Gespräche mit dem Partner

„Die Frau muss dann schauen, ob sie beispielsweise lieber laufen, stehen oder liegen möchte“, sagt Eva Gamm. Für Diana Kübler ist es ein Vom-Kopf-zurück-in-den-Körper-Finden – jenseits der vielen Vorbereitungsbücher, die frau vielleicht gelesen hat, um wahrzunehmen, was Mutter und Kind gut tut. Dabei beziehen sie den Partner mit ein, der unter Umständen an die Wünsche seiner Partnerin bei der Geburt erinnern kann, wozu diese verständlicherweise nicht unbedingt in der Lage ist. Nicht alle Männer wollen bei der Entbindung dabei sein. „Das ist auch in Ordnung. Wir können aber bei den Gesprächen thematisieren, was möglicherweise dahintersteht“, erklärt Eva Gamm. Auch eine gewisse Zeit nach der Geburt sind sie noch Ansprechpartnerinnen für die Familie, die sich neu aufstellen muss – Frau und Mann werden zu Mutter und Vater. Melanie und Daniel Schneider jedenfalls waren dankbar für die Unterstützung. Die junge Mutter sagt: „Ich finde es wichtig, dass die Arbeit von Doulas bekannter wird und würde es jederzeit wieder so machen.“