Lässiger Groove, leidenschaftliches Spiel

SWR-Bigband entführte in eine Welt mit Musik, Theater, Tanz und Projektionen im Stil der 30er- und 40er-Jahre

Lässiger Groove, leidenschaftliches Spiel


Von Thomas Roth

BACKNANG. Feeling good? Oh yes! Längst, bevor Fola Dada kurz vor der Pause den Welthit anstimmt, herrscht beste Stimmung im vollen Walter-Baumgärtner-Saal. Die SWR-Bigband unter Leitung des Saxofonisten Klaus Graf zelebriert ihre Spielfreude, ein furioses Solo löst das andere ab, es groovt mächtig und Conférencier Frank Stöckle (Fola Dada: „The one and only“) erzählt Jazz-Geschichten aus den 1930er- und 1940er-Jahren, wie etwa die von Drummer Buddy Rich, der im Krankenhaus befragt nach eventuellen Allergien mit „Ja, gegen Country- und Westernmusik“ antwortet. Oder er spielt Artie Shaw, als der sich den Ballroom-Manager vorknöpfen will, was damals kläglich scheitert. Der Manager, dem’s um ein täglich volles Haus geht, verdeutlicht dem Musikbesessenen, er könne auf der Bühne auch jeden Abend sein großes Geschäft verrichten, wenn dafür die Leute zahlten – passend gipfelnd in dem Satz „Die Musik ist scheißegal“. Was bleibt da übrig? Nichts, außer „Take it or leave it“.

Die Projektionen in Schwarz-Weiß verstärken an diesem Swing-Revueabend das Gefühl für die Musik, das Gefühl für die zum Teil schwierige Zeit, in der sie entstanden ist und gespielt wurde. Stöckle brilliert in diesem Zusammenhang bei der Performance eines Opium-Rausches von Mezz Mezzrow, unterstützt von den Bläsern, die einfach Wind machen, ein Rauschen erzeugen. Schöner Effekt. Auch der damals blank gelebte Rassismus in den USA ist Thema. Als einen der vielen Betroffenen zitiert Stöckle den Trompeter Roy Eldridge: „So lange ich in Amerika bin, werde ich nie mehr in einer weißen Band spielen.“ Oder: „Wenn du auf der Bühne bist, bist du der Größte. Aber wenn du unten bist, bist du nichts.“ Da haut der Song „Strange Fruit“ ziemlich rein, den die ebenfalls glänzend aufgelegte Fola Dada danach singt.

Wirkungsvoll sind auch die Tanzeinlagen von Daura Hernández-García und Tom Baert mit der dazugehörigen Tanzgruppe. Eigentlich schade, dass alle saßen und der Walter-Baumgärtner-Saal nicht auch zu einem Ballroom umfunktioniert wurde. Das wäre sicher ein Riesenspaß mit (vielleicht chaotischem) Innovationscharakter gewesen. Das Motto der Show, Louis Armstrongs „Swing that music“, ist schon gespielt, als mit Woody Herman, wie Goodman und Shaw Klarinettist, das Ende der Swing-Ära eingeläutet wird. Danach bricht der Zweite Weltkrieg aus und mit Charlie Parker der Bebop über die USA und die Welt herein. Der Abend in Backnang jedoch geht fetzig weiter mit Count Basies „One O’Clock Jump“ und mit Fola Dada und „Love or leave me“. Und dann doch dem Ende zu. Mit „Sing, Sing, Sing“ und „Minnie The Moocher“ – Frank Stöckle singt und scatted hier gemeinsam mit Fola Dada – endet ein umjubelter Abend im Backnanger Bürgerhaus, auch musikalisch „In a sentimental Mood“. Feeling? Good!