Rund ums Rathaus soll es schöner werden

Aspach stellt Antrag für ein neues Sanierungsgebiet in der Großaspacher Ortsmitte und hofft damit auf Fördermittel vom Land

Von Renate Häussermann

ASPACH. Rund 2,7 Millionen Euro müsste die Gemeinde Aspach in die Hand nehmen, um die am Montagabend dem Gemeinderat vorgestellten Vorhaben im neuen Sanierungsgebiet „Am Klöpferbach“ in Großaspach umzusetzen. Die 2,7 Millionen Euro würden sich auf zehn Jahre verteilen, denn so lange liefe das Sanierungsprogramm. Alles hängt davon ab, ob das Regierungspräsidium dem Aspacher Konzept zustimmt. Der Gemeinderat war dafür, dass ein entsprechender Antrag gestellt wird.

Es handelt sich mit 2,1 Hektar um ein relativ kleines Sanierungsgebiet. Der Klöpferbach grenzt im Westen an das Areal, im Süden ist es der Fußweg zwischen Backnanger Straße und Rübengasse, im Osten das Rathaus sowie die Bebauung hinab bis zur Strümpfelbacher Straße und im Norden die Hauptstraße. Sowohl die Gemeinde als auch private Eigentümer können davon profitieren, wenn der Antrag aus Aspach ins Förderprogramm aufgenommen würde.

„Wir fahren relativ zuversichtlich zum Regierungspräsidium“, gab sich Bürgermeister Hans-Jörg Weinbrenner optimistisch. Nicht weniger vom Erfolg überzeugt war Wilhelm Kirschner von der Kommunalentwicklung Stuttgart, die den Antrag ausgearbeitet hat: „Mit diesem kleinen, kompakten Gebiet haben wir gute Chancen zur Aufnahme. Vielleicht schon nächstes Jahr, aber allerspätestens 2019.“

Kirschner zeichnete ein positives Bild von der 8000 Einwohner zählenden Gemeinde: große Anzahl von Gewerbetreibenden, gute Nahversorgung, gutes Angebot bei der Kinderbetreuung mit Grundschulen und Gemeinschaftsschule, 50 Vereine, mit „Aspach hat Energie“ eine Vorzeigegemeinde im Land und schließlich noch die Nähe zum Schwäbisch-Fränkischen Wald als Standortvorteil. Sein Kollege Kurrle hingegen hatte sich zur Aufgabe gemacht, das Negative ausfindig zu machen, und zwar speziell im geplanten Sanierungsgebiet. Der Grund: „Die Schwächen müssen klar dokumentiert werden, um an Zuschüsse zu kommen.“ Kurrle hatte es nicht schwer. Rund ums Rathaus gibt es sehr viele große Nebengebäude und „auffallend viele Leerstände“. Längst sind die Bauernhöfe rund ums Rathaus verschwunden, geblieben sind Ställe, Scheunen und Schuppen. Kurrles Worte deuteten die künftige Richtung an: „Wohnen am Wasser hat an Attraktivität gewonnen, wenn man den Hochwasserschutz im Griff hat, aber davon gehen wir aus.“

Doch um am Klöpferbach wohnen zu können, muss erst einmal Platz geschaffen werden. Will heißen: Ställe, Scheunen und Schuppen sollten weichen. Mehrmals wurde in der Sitzung betont, dass niemand gezwungen werde. Vielmehr wolle man Anreize schaffen. Und was so einen Abbruch angeht, kann selbiger voll entschädigt werden.

Erhält Aspach grünes Licht aus Stuttgart, wird dies das Ende für das ehemalige Gasthaus Löwen sein. Schon lange im Eigentum der Gemeinde, zwischendurch mal kulturelle Stätte, aber jetzt ziemlich verlottert, soll das alte Gebäude bald verschwinden. „Der Abbruch ist vorgesehen“, bestätigte Bürgermeister Weinbrenner. Abgebrochen werden sollen auch die Wirtschaftsgebäude des ehemaligen Bauernhofs Ruess an der Backnanger Straße; auch dieses Anwesen hat die Gemeinde erworben.

Die Gemeinderäte waren von dem Konzept des Sanierungsgebiets angetan. „Eine unheimlich gute Bereicherung“, versprach sich Peter Hanisch (CDU/BWL). Gerd Raichle war gleichfalls einverstanden, hätte es aber lieber gesehen, wenn das Gebiet bis zur Konrad-Weiser-Straße reichen würde (Stichwort: Feuerwehrgerätehaus). Der Bürgermeister versicherte, dass auch im Laufe des Verfahrens noch eine Ausweitung erfolgen könne. Karlheinz Stäudle (SPD) hakte nach: „Kann jemand gezwungen werden?“ Weinbrenners Antwort: „Das Ganze ist ein Angebot, keiner wird enteignet, keiner wird gezwungen, das Einzige ist ein Vorkaufsrecht der Gemeinde.“

Die erwähnten 2,7 Millionen Euro setzen sich unter anderem zusammen aus Planungskosten, Grunderwerb, Neuvermessung, Gebäudeabbrüchen sowie der Anlegung von neuen Straßen und Plätzen. 40 Prozent der Kosten hat die Gemeinde zu tragen, 60 Prozent kommen vom Land.