„B-14-Anschluss muss leistungsfähig sein“

Ortschaftsräte von Heiningen und Waldrems fordern in gemeinsamer Sitzung Verbesserungen beim B-14-Knoten Backnang-Süd

Die Ortschaftsräte Heiningen und Waldrems haben bei einer gemeinsamen Sitzung im Foyer der Reisbachhalle ihre Forderung nach einer leistungsstarken B-14-Anschlussstelle Backnang-Süd erneuert. Stadtplanungsamtsleiter Stefan Setzer erläuterte nochmals die Pläne und räumte ein, seit der Bürgerinformationsveranstaltung Ende Juli habe sich fast nichts Neues ergeben. Lediglich der Termin, an dem das erste Gespräch mit Vertretern des Regierungspräsidiums und dem Planungsbüro Bung stattfinden soll, stehe fest – der 17. Oktober.

Die Bevölkerung der südlichen Stadtteile leidet unter dem tagtäglichen Durchgangsverkehr. Für die Zeit nach dem B-14-Ausbau will sie eine deutliche Reduzierung der Verkehrsmengen. Foto: A. Becher

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Angesichts dieser Ergebnisflaute stellt sich die Frage, warum das Treffen stattfand. Die Antwort gab Heiningens Ortsvorsteher Leonhard Groß in gewisser Weise schon bei der Begrüßung. Beide Ortschaftsräte hätten die gemeinsame Sitzung mit ausschließlich diesem Tagesordnungspunkt beschlossen, um zu signalisieren, wie wichtig das Thema für die beiden südlichen Stadtteile ist. Auch wertete Groß es als erfreuliches Signal, dass erneut zahlreiche Bürger Interesse an dem Thema zeigten, „das ist gut so“.

Da die Bewohner von Heiningen und Waldrems stark unter dem tagtäglichen Durchgangsverkehr leiden, müsse dieser nach dem Ausbau der B14 entscheidend reduziert werden. Laut Groß sei es jetzt an der Zeit, noch einmal über den geplanten Anschluss Backnang-Süd zu sprechen und von der Stadtverwaltung zu hören, „wie dort weiter verfahren werden soll“. Im Planfeststellungsbeschluss zum Ausbau der B14 ist die Anschlussstelle Backnang-Süd als Knotenpunkt ausgewiesen, der den Verkehr aus dem Weissacher Tal aufnehmen soll, um damit künftig die Ortsdurchfahrt von Heiningen und Waldrems zu entlasten. Groß betonte, dass dies ausdrücklich als Ziel so festgeschrieben stehe. Gleichzeitig attestierte er, mit der jetzigen Planung der Anschlussstelle sei dies „sicherlich nicht zu erreichen“. Der Knotenpunkt müsse ausreichend leistungsfähig geplant werden. Groß: „Wir Ortschaftsräte erwarten dazu von der Verwaltung der Stadt eine klare Aussage.“

Obwohl er nur „marginal mehr berichten“ könne seit Juli, erklärte auch Setzer, er sei der Einladung gerne gefolgt, um klarzumachen, in welche Richtung die Entwicklung gehe. Es gebe keinen Dissens zwischen der Stadtverwaltung und den Bewohnern der Stadtteile, „wir wollen alle die Reduzierung der Verkehrsmengen“. Die Durchfahrt der Ortsmitten könnte mittels mehrerer Maßnahmen unattraktiv gemacht werden: durchgängige Zone 30, Pförtnerampeln, 2,8-Tonnen-Beschränkung, Fahrbahnverengungen. Und als Ultima Ratio die Sperrung der Straße zwischen dem Heininger Kreisel und Heiningen. Wenn all dies realisiert werden würde, müsste der gesamte Verkehr aus dem Weissacher Tal über die Anschlussstelle Backnang-Süd auf die B14 auffahren. Setzer erklärte nun: „Wir müssen in den Verhandlungen mit dem Regierungspräsidium den Knoten so konzipieren, dass er diese Verkehrsmengen aufnehmen kann. Darin steckt aber kein Automatismus, dass die Sperrung der Kreisstraße zwischen Kreisel und Heiningen auch kommt. Aber wenn alle Stricke reißen und die Fahrzeuglenker weiter durch die Ortsteile fahren, dann brauchen wir etwas in der Hinterhand.“

Gleichzeitig legte sich Setzer fest, dass der Knoten Backnang-Süd nur ampelgesteuert funktioniert, ein Kreisverkehr sei an dieser Stelle bei dem prognostizierten Verkehrsaufkommen nicht leistungsstark genug. Allerdings verteufelte Setzer eine Ampel an sich nicht, „wichtig ist doch nur, dass die Autofahrer zügig auf die B14 auffahren können“.

Für die derzeitige Planung hat der Bauherr, also das Regierungspräsidium Stuttgart, Baurecht. Bei vielen Großprojekten im Land sei dies nicht der Fall, weshalb es derzeit weniger am Geld, sondern vielmehr an fertigen Plänen mangele. Insofern sei die Verlockung groß, zu sagen, „wir bauen“. Setzer jedoch möchte prüfen, ob die Planung optimal ist. Er bezweifelt dies, zumal der Planfeststellungsbeschluss aus dem Jahr 2006 stammt und auf Verkehrsprognosen basiert, die 1995 erhoben wurden. Bei dem ersten Gespräch mit den RP-Vertretern und dem Planungsunternehmen Bung gehe es nun darum, aktuelle Verkehrszahlen zu sammeln und in den folgenden Monaten die richtigen Schlüsse zu ziehen. Setzer rechnet bis März mit Ergebnissen, „dann kommt es zum Schwur, mit welcher Planung es weitergeht“. Der Stadtplaner gab zu bedenken, dass jemand, der einen fertigen Plan in der Schublade hat, möglicherweise keine große Lust verspüre, diesen nochmals zu ändern. Zudem würde die neue Planung Zeit und Geld kosten. „Das Umplanen eines Knotens ist keine Geschichte, die man eben mal so macht. Aber wenn das Ergebnis optimiert werden kann, dann werden wir dafür kämpfen. Wir haben das gleiche Ziel.“

Mehrere Ortschaftsräte nahmen Stellung zur Planung und gaben Anregungen, wie die Situation verbessert werden könnte. So regte Heinz Holzwarth im künftigen Kreuzungsbereich Stuttgarter Straße/Heinrich-Hertz-Straße eine Brücke an, um so Ampeln verhindern zu können. Und Bernd Haisch griff gar die Überlegung auf, den Knoten Waldrems nicht zu realisieren. Ihm schwebte ein Bürgerentscheid in dieser Frage vor. Setzer bremste diese Überlegung: Der Bund als Bauherr habe das große Ganze im Auge, nicht nur die Wünsche der Bürger von Waldrems und Heiningen. Ebenso der Rems-Murr-Kreis. Setzer: „Wenn es zu einer Frontstellung Weissacher Tal gegen Waldrems und Heiningen kommt, weiß ich nicht, wer am längeren Hebel sitzt.“

Ein Bürger verteufelte das Abhängen des Heininger Kreisels überhaupt nicht. Als vor Jahren die Ortsdurchfahrt gesperrt war, habe man den Effekt schon einmal kennengelernt: „Ich fand das gar nicht so schlimm“, sagte der Bürger und erhielt Applaus von der Versammlung. Den erhielt auch Stadtrat und einstiger Ortsvorsteher Heinz Franke. Er appellierte an die Geschlossenheit der beiden Stadtteile. „Das Tödlichste wäre, wenn wir mit verschiedenen Positionen ins Rennen gehen würden.“