Ein Tüftler der neuen Generation

Grafikdesigner Fabian Schmid aus Welzheim hat einen 3-D-Drucker entwickelt, der Vasen in Serie herstellt

Fabian Schmid (29) aus Welzheim ist ein schwäbischer Tüftler der neuen Generation. Der Student der Hochschule für Gestaltung (HFG) in Karlsruhe hat zusammen mit der renommierten Majolika Manufaktur einen 3-D-Drucker entwickelt, mit dem Vasen in Serie und dennoch als Unikate hergestellt werden können.

Fabian Schmid aus Welzheim am 3-D-Drucker in Karlsruhe, mit dem Vasen hergestellt werden. Foto: privat

Von Rainer Stütz

WELZHEIM. Der junge Mann hat den Firmenchef derart von seinem Können überzeugt, dass nach dem Abschluss der Diplomarbeit über dieses Projekt im nächsten Frühjahr bereits ein entsprechend dotierter Arbeitsvertrag winkt. „Mit seiner Innovation leistet er einen ganz wesentlichen Beitrag zur digitalen Transformation, die uns ganz neue Möglichkeiten bieten wird“, sagt Geschäftsführer Dieter Kistner zu seinem Talent. Fabian Schmid hilft dabei mit, den Weg in die digitale Ära zu finden, ohne die kunsthandwerklichen Wurzeln zu vernachlässigen.

Fabian Schmid kam im Jahr 1988 in Schorndorf auf die Welt und ist in Welzheim ohne Geschwister, aber mit vielen Freunden aufgewachsen. Nach dem Abitur am Limes-Gymnasium leistete er seinen Zivildienst beim Arbeiter-Samariter-Bund in Welzheim in der Seniorenresidenz ab. „Das war für mich eine schöne Zeit mit vielen zwischenmenschlichen Erfahrungen.“ Sportlich war der junge Mann bei der Handball- und Volleyballabteilung der Turn- und Sportfreunde (TSF) Welzheim unterwegs.

Aus zeitlichen Gründen ruht die Mitgliedschaft. Zu Beginn des Studiums öfters, jetzt nur noch alle paar Wochen, kehrt der Student aus seiner WG in Karlsruhe zu den Eltern und Freunden nach Welzheim zurück. Im Jahr 2009 hatte er in Karlsruhe mit seinem Studium angefangen. Die Hochschule für Gestaltung in Schwäbisch Gmünd war für ihn keine Alternative, weil dort kein Diplomabschluss möglich ist. Der Kontakt zu der Firma kam über ein anderes Projekt von Fabian Schmid. Er hatte an einem Aktmodellkurs teilgenommen, der in den Räumen der Firma stattfand. Im Gegensatz zu den anderen Kursteilnehmern kamen seine Entwürfe aus dem PC. „Der Chef hat sich das angeschaut und war gleich begeistert.“ Im Keramikbereich gibt es ein ganz großes Potenzial für die Digitalisierung. Es kann viel flexibler produziert werden, sowohl in kleinen als auch in großen Stückzahlen. „Die Zeiten, in denen ein Produktdesigner seinen Entwurf auf eine Serviette gemalt und seine Kontonummer daruntergesetzt hat, sind vorbei.“ Die Firmen wollen ganze Konzepte, wie so eine Idee in der Wirklichkeit umgesetzt werden kann. Die Karlsruher Firma stellt sich dem technologischen Wandel. Zum ersten Mal in der 116-jährigen Geschichte des Unternehmens kommen die Artikel nicht aus der manuellen Produktion, sondern aus dem 3-D-Drucker. Im Kern besteht ein 3-D-Drucker aus einer Druckkammer und einem Extruder. Dieser Extruder ist meist die arbeitende Seele in einem 3-D-Drucker. Meist wird das zu verarbeitende Material erwärmt und leicht flüssig gemacht, um dann vom Extruder Schicht für Schicht aufgetürmt zu werden. 3-D bedeutet dreidimensional. Damit kann ein 3-D-Drucker in drei Richtungen drucken. Für die Vasen wird das Ausgangsmaterial, der Ton, mit natürlichen Zusätzen verflüssigt und über eine Kartusche dem Drucker zugeführt. Über eine Förderschnecke geht es zur Düse und Druckplatte und die Vase wird schichtförmig gedruckt. Für jedes Stück kann eine andere Oberfläche gewählt werden – mit unterschiedlichen Strukturen und Farben. Die Töpferscheibe und die Gießformen haben ausgedient. „Wir sind weltweit führend, unser Drucker läuft 24 Stunden am Tag“, berichtet Fabian Schmid voller Stolz. Nur bei Störungen, die es bisher noch nicht gegeben hat, muss der Mensch eingreifen. Die Daten stehen online zur Verfügung, sodass von fast jedem Ort dieser Welt der Drucker gesteuert und bedient werden kann. Die Zukunft hat bereits begonnen.