„So können wir zu einem Abschluss kommen“

Aie Wus Sohn, Jian Wang, ist überzeugt von der Schuld der beiden Angeklagten – Das Urteil findet seine Zustimmung

Traten im Prozess als Nebenkläger auf: Die Söhne des Opfers, Jian Wang und Hong Tang (vorne, von links) – hier im Gespräch mit ihrem Anwalt Jens Rabe. Foto: A. Becher

Von Lorena Greppo

BACKNANG/STUTTGART. Gut 30 Zuschauer hatten sich im Sitzungssaal 6 des Landgerichts Stuttgart eingefunden, um das Urteil im Fall Asien-Perle zu hören. Dass der grausame Tod Aie Wus die Menschen in Backnang bewegt hat, hat auch deren ältester Sohn Jian Wang wahrgenommen. „Wir haben viel Unterstützung von unseren Restaurantgästen bekommen“, sagte der 31-Jährige. Dafür seien er und seine Familie sehr dankbar. „Meine Mutter war ein freundlicher, herzlicher Mensch“, erinnert er sich. Jian Wang und sein Bruder Hong Tang traten im Prozess als Nebenkläger auf – für sie keine einfache Situation. „Das alles noch mal zu hören, das nimmt einen sehr mit. Vor allem so detailliert wie heute“, sagte Wang.

In seinem abschließenden Worten hatte Richter Joachim Spieth gesagt: „Den Hinterbliebenen sei zu wünschen, dass sie einen Weg finden, mit dem unermesslichen Leid umzugehen.“ Das Urteil dürfte dazu beitragen. „So können wir zumindest zu einem Abschluss kommen“, sagte Wang. Er zeigte sich zufrieden damit, dass die beiden Angeklagten zu lebenslanger Haft verurteilt wurden. „Ich bin überzeugt, dass die Männer schuldig sind“, hatte er schon im Verlauf des Prozesses geäußert – daran hat sich nichts geändert. „Es war mir schon von Anfang an klar“, erläuterte Wang.

„Die Welt ist nicht mehr so,

wie sie zuvor war“

Bevor die Polizei aber überhaupt auf die Spur der beiden Rumänen gekommen war, stand auch die Familie selbst im Fokus der Ermittlungen – eine belastende Erfahrung, wie Wang erzählte. In der Urteilsbegründung machte Richter Spieth aber noch einmal unmissverständlich klar: „Es kommen keine anderen Personen als Täter oder Beteiligte in Betracht.“ Auch frühere Bedienstete und Familienangehörige, die mit Aie Wu im Streit auseinandergegangen waren, konnten ausgeschlossen werden. Zudem gebe es auch keinen einzigen Hinweis auf einen Zusammenhang zwischen dem Mord an Aie Wu und organisierter Kriminalität. Die Ermittler hatten zeitweise Verbindungen zur chinesischen Mafia vermutet gehabt. „Ich habe damals schon zur Polizei gesagt: Ich fühle mich sicher in Deutschland und ich weiß nichts von organisierter Kriminalität“, erzählte Wang. Anwalt Jens Rabe lobte, dass Richter Spieth dies noch einmal so deutlich ausgesprochen hat. Die Auswirkungen des Mordes seien immens für die Angehörigen gewesen: „Die Welt ist nicht mehr so, wie sie vorher war.“ Die Ermittlungen hätten das Ganze nicht einfacher gemacht. Trotzdem sagte Jian Wang, er habe immer die Hoffnung gehabt, dass die Mörder seiner Mutter noch gefunden würden – auch als Monate ergebnisloser Ermittlungen vorübergegangen waren. „Es gab Spuren, das hat uns die Polizei gesagt“, begründet der 31-Jährige dies. Dass Dumitru A. und Constantin C. gefasst wurden, sei erleichternd gewesen – umso mehr, da sie nun zu lebenslanger Haft verurteilt wurden.

„Eine positive Prognose wird

schwer zu begründen sein“

Rabe stand während des Verfahrens im ständigen Kontakt zu seinen Mandanten, hielt sie auch über die Entwicklungen im Prozess auf dem Laufenden. „An manchen Tagen habe ich ihnen aber bewusst geraten, nicht zu kommen“, sagte er. Etwa, als der Rechtsmediziner sein Gutachten vorstellte. Auch er zeigt sich mit dem Urteil zufrieden, obwohl sein Vertreter Daniel Grau in dessen Plädoyer ursprünglich die Anerkennung der besonderen Schwere der Schuld gefordert hatte. So wird den beiden Verurteilten nach 15 Jahren in Haft die Möglichkeit eingeräumt, auf Bewährung freizukommen. Allerdings muss dafür festgestellt werden, dass sie keine Gefahr mehr für die Allgemeinheit darstellen. „Eine positive Prognose wird da sehr schwer zu begründen sein“, erklärte Jens Rabe. Denn sowohl Dumitru A. als auch Constantin C. hatten in Rumänien schon langjährige Haftstrafen abzusitzen. „Einer von ihnen hat nun einen Mord und ein Sexualdelikt auf der Liste – eine Freilassung wäre da nur sehr schwer zu begründen“, führte Rabe aus. Insofern sei das Urteil in Ordnung, folgerte Jian Wang.