- Backnang & Kreis 15.06.2011
Größte Nahwärmeanlage wird gebaut
Gemeinderat beschloss Grundlagen für 3-Millionen-Euro-Investition in der Weststadt – Baubeginn im Sommer
Die Vorbereitungen laufen seit Jahren, nun hat der Gemeinderat die Grundlagen beschlossen und die Planungsleistungen vergeben: In der Weststadt entsteht mit Kosten von rund 3 Millionen Euro die größte Nahwärmeanlage der Stadt. Es ist ein großer Schritt Richtung Murrhardt regenerativ.
MURRHARDT (nis). Vor Tatendrang strotzend hob Rainer Braulik in der Sitzung an, die Pläne der Stadtwerke in der Weststadt vorzustellen. Energisch zog er seinen Redebeitrag durch, offensichtlich war zwischen den Zeilen die Überzeugung des Ersten Beigeordneten und Werkleiters der Stadtwerke zu lesen: „Wir packen es an und diese Investition wird Erfolg haben.“ Das Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr. Viele Menschen in der Weststadt haben sich bei umfangreichen Erhebungen wohl klar zur geplanten Nahwärmeanlage bekannt: Insgesamt 23 private Anschlussnehmer haben laut Sitzungsvorlage bereits schriftlich Aufträge erteilt. Hinzu kommen die öffentlichen Anschlüsse sowie die bereits unterzeichneten Wärmelieferverträge mit der Bietigheimer Wohnbau GmbH. Die Wohnungsverwaltung betreut 3 Eigentümergemeinschaften, denen die 95 ehemaligen Flüwo-Wohnungen in der Berliner und der Leipziger Straße gehören.
Für diese Mehrfamilienhäuser haben die Stadtwerke 2001 die bestehende Warmwasser- und Nahwärmeversorgung übernommen. Letztere erfolgt bis heute mit Erdgas und Heizöl. Aus der Überlegung, wie die Wohnblöcke mit einer neuen Heizungsanlage, in der möglichst erneuerbare Energien eingesetzt werden, ausgestattet werden können, entstand letztlich die nun beschlossene, wesentlich größere Lösung. Die ehemaligen Flüwo-Wohnungen und alle weiteren Anschlüsse werden vom Heizwerk aus versorgt. Eingebaut wird eine Hackschnitzelanlage mit einer Leistung von 600 Kilowatt (kW), ein Blockheizkraftwerk (BHKW) mit 100 kW thermischer und 50 kW elektrischer Leistung und ein Gaskessel mit 1000 kW. Das Heizwerk ist darauf ausgerichtet, in einem zweiten Bauabschnitt erweitert zu werden. Im September sollen die Rohbauarbeiten vergeben werden und vor Einbruch des Winters soll die Holzheizung eingebaut sein. Angepeilt ist, dass bis zum Herbst 2012 alle Anschlussnehmer am Netz sind. Braulik zeigte sich zuversichtlich, dass die Stadtwerke mit dem Projekt „sehr schnell in den wirtschaftlichen Bereich“ kommen. In den Kosten sind Zuschüsse von zehn Prozent einkalkuliert. Finanziert wird die Investition über Fremdmittel. Durch die neue Anlage ersetzen erneuerbare Energieträger alte Ölheizungen. Braulik bezeichnete das Vorhaben darum als großen Schritt weiter in Richtung Murrhardt regenerativ. Die Menschen, die ihre Häuser anschließen lassen, würden nicht nur etwas für die heimische Wirtschaft und ihren Geldbeutel tun, sondern auch für die Umwelt. „Jeder Kubikmeter Hackschnitzel bleibt hier bei uns von der Wertschöpfung her“, verdeutlichte Bürgermeister Dr. Gerhard Strobel. Die Stadträte taten ihre Zustimmung kund: Zwar handele es sich in finanzieller Hinsicht „um eine ganz neue Dimension“ (Andreas Winkle, CDU-FWV), aber das Projekt sei eine „vernünftige Investition für die Zukunft“ (Wolfgang Hess, UL), bei der „Werte geschaffen werden“ (Gerd Linke, MD/AL). Nun hoffen sie, dass auch die Anschlussquote so kommt wie kalkuliert, sagte Edgar Schäf (SPD). Sowohl der Grundlagenbeschluss als auch die Vergabe der Planungsleistungen an das Ingenieurbüro IBS Schuler aus Bietigheim-Bissingen (Fachplanung Wärme) und den Murrhardter Architekten Stephan Sittart (Gebäude) erfolgten einstimmig.

