Temporeiche Bühnenshow bei der Premiere

Waldo Weathers bietet beim Auftakt des Open-Air-Kultursommers mit seiner neunköpfigen Formation Musik, die Laune macht
Von Italien direkt aufs Hofgut Hagenbach: „Sir Waldo Weathers with Da Knights of Funk“. Foto: E. Layher

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. Ein besonderes musikalisches Highlight wurde den Besuchern zum Auftakt des Open-Air-Kultursommers auf dem Hofgut Hagenbach geboten. Waldo Weathers, der 15 Jahre lang mit James Brown spielte, hat zusammen mit Spitzenmusikern eine neue Funk-Soul-Formation gegründet. Ihr erster Auftritt in Deutschland in dieser Besetzung fand in Backnang statt.

Erst seit drei Monaten besteht die neunköpfige Formation „Sir Waldo Weathers with Da Knights of Funk“. In Italien sind sie bereits getourt, von da aus ging’s direkt nach Backnang zum Open-Air-Kultursommer. Sänger und Saxofonist Waldo Weathers, der nach langer gemeinsamer Spielzeit als Saxofonist bei James Brown noch drei Tage vor dessen plötzlichen Tod 2007 mit ihm auf der Bühne stand, spielte bei einem großen Abschiedskonzert für den Godfather of Soul an der Seite von Michael Jackson. Nach Auftritten seitdem in unterschiedlichen Besetzungen will es der über 60-Jährige, der inzwischen in Remshalden wohnt, noch einmal wissen und hat eine Formation von amerikanischen und deutschen Musikern zusammengestellt, die alle in Deutschland leben.

Schon beim ersten Song „Stand by Me“ kommt im Hofgut Hagenbach Stimmung auf. Die Gäste im voll besetzten Innenhof klatschen mit. Es dauert nicht lange, bis sich die erste Tänzerin auf die Schotter-Tanzfläche vor der Bühne traut. Weitere Tänzer rekrutiert der Frontmann auf charmante Weise persönlich. Es ist einfach Musik die gute Laune verbreitet und unweigerlich in die Beine geht – und das auf musikalisch höchstem Niveau.

Waldo Weathers, der auf der Bühne zu „Da Pope of Funk“ wird, begeistert mit seiner warmen, souligen Stimme das Publikum mit Songs wie „Mustang Sally“, bei dem das Publikum einstimmt: „Ride Sally Ride“. Bei seinen Saxofon-Soli ringt er dem Instrument Unglaubliches ab. Zwischenapplaus und begeisterte Beifallsrufe sind aus dem Publikum zu hören. Immer in Kontakt mit den Besuchern bleibt der junggebliebene Vollblutmusiker. Bei „It’s Ladies Night“ begibt er sich an die Zuschauertische und flirtet mit den Damen. Die Band heizt den inzwischen zahlreichen Tänzern mit funkigen Stücken mächtig ein und lässt sie durch urplötzliches Abbrechen in ihren Bewegungen einfrieren. Beste Stimmung herrscht auf dem Hofgut Hagenbach.

Mit Moni Ramoni und Michelle Labonte sind noch zwei hervorragende Saxofonistinnen mit von der Partie. Sängerin Sunay Balkan reißt das Publikum mit ihrer grandiosen Röhre bei Aretha Franklins „Just a little bit Respect“ mit. Gitarrist Jimmy Wilkes gibt bei seinen Soli alles. Jeder der Profimusiker ist ein Meister auf seinem Gebiet. Temporeich ist Musik und Bühnenshow. Kein bisschen müde ist das Temperamentsbündel Weathers in der über dreistündigen Show. Auch den anderen Bandmitgliedern merkt man nicht an, dass sie noch am Abend zuvor in Italien aufgetreten sind und eine achtstündige Fahrt zu ihrem Gig nach Backnang hinter sich haben. Spielfreude pur erleben die Besucher auf dem Hagenbach. Ein Reggae-Medley mit Bob Marleys „Get up stand up“ und „I shot the Sheriff“ wird in funkige Stücke eingeflochten. Bei „There’s no Sunshine when she’s gone“ zeigt Waldo Weathers seine gefühlvolle Seite und läuft bei James Browns „Sex Maschine“ so richtig zu Höchstform auf, bevor alle Musiker noch einmal ihr Können mit einem Solo beweisen, in dem Drummer Alvin Mills mit Tempo und Ausdauer an die Grenzen geht und Pianist Wolfman Volker Kunschner seiner original Hammond Orgel mit ihrem unverwechselbaren Klang Flügel verleiht. Ein Funk-Soul-Konzert der Extraklasse, und mit dem Klassiker von James Brown spricht Waldo Weathers an diesem Abend den Besuchern aus der Seele: „I feel good“.

Als nächste Veranstaltung des Vereins Kulturgut im Rahmen des Open-Air- Kultursommers findet am 22. Juli um 20 Uhr die Latino-Kulturnacht mit Salsafuerte statt.