Die Generation Gier, die Folgen und Lösungen

Backnanger Premiere des Films „Power To Change – Die Energierebellion“ mit Expertenrunde im Universum-Kino

„Die Energierebellion“ heißt das Werk „Power To Change“ im Untertitel. Es stellt folgerichtig Energierebellen vor, Menschen, die sich mit dem Status quo nicht zufrieden geben, sondern selbst aktiv etwas für die Energiewende tun.

Von Carmen Warstat

BACKNANG. Einer von ihnen heißt Peter Smith. Er war Sicherheitsingenieur im Atomkraftwerk Hinkley Point. Nach der Katastrophe von Fukushima ist er aus der Atomindustrie ausgestiegen. Heute sagt Smith: „Atomenergie ist unsicher, unwirtschaftlich, unnötig, und wir wollen sie nicht.“ Ein anderer kommt aus dem Ländle und weiß, dass wir „Biomasse ohne Ende“ haben und man heute schon über die Verwertung von Laub nachdenkt. Er hat eine leistungsfähige Pellets-Maschine entwickelt, weil er an folgende Generationen denkt und ihnen nichts schuldig bleiben möchte.

Die „Generation Gier“ habe die Atomkraftwerke etabliert und ausgebaut, und jetzt sei es an uns, wenigstens auch Auswege zu zeigen. Den Kampf um die Energiewende, so der unmissverständliche Tenor des Films, muss man im Alltag führen, wenn man ihn gewinnen will. Dabei schaut die Dokumentation über jeden Tellerrand. Sie spannt den Bogen vom baden-württembergischen Bauern zum Hunger in der Welt mit ihren Kriegen und verknüpft die Situation von Flüchtlingen mit Fragen der Abhängigkeiten von Energielieferanten. Von „Energiediktatur“ ist da die Rede, Schlaglichter werden geworfen auf Bangladesch, Kiew, Gorleben. Der Film räumt auf mit Weltuntergangsszenarien und Machbarkeitsdiskussionen, denn: Funktionierende Alternativen zu Atomkraft und fossilen Energieträgern gibt es. Verknüpfungen von Windkraft, Fotovoltaik, Bioenergie und anderen Quellen in Kombi-Kraftwerken können bewirken, was eine einzelne Technologie nicht vermag.

Auch die Frage, was passiert, „wenn der Wind nicht bläst“, konnte beantwortet werden. Inzwischen gibt es beispielsweise ein leistungsfähiges Batteriekraftwerk in Schwerin – vielleicht wird in absehbarer Zukunft jeder Haushalt eigene Speicherkapazitäten haben – die Forschung arbeitet daran, sogenannte Schwarmspeicherkraftwerke bezahlbar zu machen und ist optimistisch.

Aber die Energiewende ist nicht nur eine Frage technischer Neuerungen. Es gilt, unsere gesamte Lebenskultur zu hinterfragen und Visionen zu entwickeln. Wir müssen weg vom privaten Besitz hin zur Share Economy, einer Ökonomie des Teilens, schlägt der Film vor, denn die Transformation werde nicht „top down“ (von oben nach unten), sondern „bottom up“ (von unten nach oben) funktionieren.

Jeder Einzelne also sei gefordert, einen Beitrag zu leisten. Die Dokumentation des Regisseurs Carl A. Fechner knüpft an seinen Film „Die 4. Revolution“ an. Eineinhalb Millionen Euro hat sie gekostet. Gerhard Kreutz, Vorsitzender der Energieinitiative Kirchberg/Jagst und Mitinitiator des Films erinnerte sich in der anschließenden Expertenrunde: „Wir haben uns die Finger blutig telefoniert und unzählige Klinken geputzt, bis wir das Geld beisammen hatten.“

Viele Menschen an vielen kleinen Orten können Großes bewirken

Sein Credo etwa: Viele kleine Menschen an vielen kleinen Orten können Großes bewirken. Leidenschaftlich plädierte er dafür und wurde von Vertretern aus Politik, Industrie, Kirche und Naturschutz unterstützt. Kritische Fragen aus dem Publikum beantwortete das Podium mit Landrat Dr. Richard Sigel, dem SPD-Land- und Kreistagsabgeordneten Gernot Gruber, Ruth Bauer von der Synode der Evangelischen Landeskirche, Reinhard Otten von Audi, der einen Protagonisten des Films vertrat, Robert Auersperg (Landesnaturschutzverband) und Dr. Heiko Rüppel von der Enercon GmbH, dem größten deutschen Windkraftanlagenhersteller, sachlich und konstruktiv. Gerhard Kreutz sprach von einer Mutmachgeschichte, und auch wenn die im Publikum anwesenden Gegner der Windkraft nicht überzeugt werden konnten, punkteten Film und Diskussion mit Fakten und Optimismus. Als Vertreter der Veranstalter moderierten Hanne Barth (Solarverein Rems-Murr) und Reinhard Knüdeler (Energiegemeinschaft Weissacher Tal eG) den Abend, der, wie die gesamte Woche von den Upcycling-Aktivitäten der Klik-Initiative (Klimafreundlich konkret) um Silke Müller-Zimmermann begleitet wurde. Letztere überreichte den Diskutanten eine aus alten Jeans hergestellte „Power Bag“, mit Brot und Honig aus regionaler Herkunft gefüllt. Sie erinnerte so daran, dass auch unser Einkaufsverhalten wesentlichen Einfluss auf das ökologische Gleichgewicht hat. Vorführungen des Films finden noch bis zum 13. April statt. Bis morgen ist das Upcycling-Team im Universum-Kino vor Ort und bietet am Sonntag auf einem Markt (13 bis 18 Uhr) seine Produkte aus Altem (Plastik, Schrott, Kleidung und Stoffe) an. Ebenfalls am Sonntag (17.45 Uhr) findet die Prämierung der besten Teilnehmer eines Fotowettbewerbes statt.