Vom Sorgenkind zur gefragten Adresse

Erweiterung der Lerchenäcker hat begonnen, die Nachfrage ist groß – Stadt denkt bereits über neues Gewerbegebiet nach

Vor wenigen Tagen sind in den Lerchenäckern zwischen Backnang und Großaspach die Bagger angerückt. Das interkommunale Gewerbegebiet wird noch einmal um zehn Hektar erweitert. Interessierte Firmen stehen bei Wirtschaftsförderer Ralf Binder bereits Schlange. Das war nicht immer so.

Die Erschließung hat begonnen, aus der Vogelperspektive ist der Verlauf der neuen Straßen schon zu erkennen. Die Manfred-von-Ardenne-Allee wird Richtung Strümpfelbach verlängert. Die Stichstraße im Vordergrund soll später an die B14 angeschlossen werden. Foto: E. Layher

Von Kornelius Fritz

BACKNANG/ASPACH. Dietmar Hagedorn erinnert sich noch gut an die Anfänge in den Lerchenäckern. „Wir waren hier mitten auf der grünen Wiese. Da sind noch Hasen und Störche rumgelaufen“, erzählt der Vertriebsleiter der Firma SMA Metalltechnik. Der Automobilzulieferer war 2003 die allererste Firma, die sich in dem neuen Gewerbegebiet niederließ. Und es kamen in den folgenden Jahren auch nicht viele hinzu. Dabei hatten die Stadt Backnang und die Gemeinde Aspach für ihr gemeinsames Gewerbegebiet gleich 26 Hektar Land erschlossen. „Es waren wirtschaftlich schwierige Zeiten, die Expansion der Unternehmen ging gegen null“, sagt der Backnanger Wirtschaftsförderer Ralf Binder. Im Volksmund war bereits von „beleuchteten Wiesen“ die Rede. „Wir haben viel Spott geerntet“, erinnert sich der Aspacher Bürgermeister Hans-Jörg Weinbrenner.

Heute lacht keiner mehr. Die Flächen des ersten Bauabschnitts sind mittlerweile alle verkauft, für die expandierende Firma Riva wurde das Gebiet schon um sieben Hektar erweitert. Jetzt kommen Richtung Strümpfelbach noch einmal 10,5 Hektar Gewerbefläche hinzu. Die Vermarktung dürfte diesmal wesentlich flotter klappen als vor zehn Jahren. „Die Nachfrage ist doppelt so hoch wie das Angebot. Ich denke, dass wir die Flächen rasch verkaufen werden“, sagt Ralf Binder. Etwa 20 Firmen hätten bereits Interesse angemeldet. Fest steht, dass Riva noch einmal drei Hektar hinzukaufen wird, mit den anderen Interessenten werde man erst Mitte des Jahres in konkrete Verkaufsverhandlungen einsteigen, sagt Binder: „Wir wollen, dass sich die Käufer vorher vor Ort ein Bild machen können.“ Wenn alles glattläuft, könnten die ersten Firmen im kommenden Frühjahr mit dem Bau beginnen.

Auch kleinere Firmen
sind jetzt willkommen

Bei SMA Metalltechnik hat man den Umzug aus der Backnanger Innenstadt in die Lerchenäcker nie bereut: „Das Gebiet ist sehr gut angebunden, direkt an der B14 und man ist auch schnell auf der Autobahn“, sagt Dietmar Hagedorn. Mit 650 Mitarbeitern ist seine Firma der größte Arbeitgeber in den Lerchenäckern. Insgesamt arbeiten dort heute rund 1700 Menschen in 54 Betrieben.

Dass sich das Gebiet vom Sorgenkind zu einer gefragten Adresse gewandelt hat, ist einerseits dem Wirtschaftsboom zu verdanken, aber auch einem geänderten Konzept. Anfangs hatte man vor allem auf die Ansiedlung von Großunternehmen gesetzt. „Da sind einige Luftschlösser im Raum gestanden“, erinnert sich Hans-Jörg Weinbrenner. Später wurden große Grundstücke geteilt und an kleinere und mittelständische Unternehmen verkauft. Das sei auch wichtig, um Backnanger und Aspacher Unternehmen, die sich vergrößern wollen, am Ort zu halten, sagt Binder. Auch beim zweiten Bauabschnitt strebt er wieder eine Mischung aus größeren und kleineren Firmen an: „Wir müssen beides bedienen können.“ Wenn alles so läuft, wie man sich das in den Rathäusern von Aspach und Backnang vorstellt, könnten die Lerchenäcker schon 2020 voll belegt sein. Bis dahin soll das Gewerbegebiet auch einen zweiten B-14-Anschluss haben. Der sollte eigentlich schon jetzt gebaut werden, die Pläne mussten wegen des geplanten vierspurigen Ausbaus der Bundesstraße aber noch einmal verschoben werden. Binder hofft jetzt, dass der zweite Anschluss spätestens bis 2019 kommt.

Und wie geht es weiter, wenn die Lerchenäcker voll sind? Noch mal erweitern könne man das Gebiet nicht, erklärt der Wirtschaftsförderer. Richtung Strümpfelbach käme man sonst der Wohnbebauung zu nah und Richtung Aspach verläuft ein regionaler Grünzug, der nicht bebaut werden darf.

Der aktuelle Flächennutzungsplan ermöglicht Gewerbeansiedlungen in Backnang noch in der Weissacher Straße gegenüber dem Baywa-Markt, auch im Gewerbegebiet Waldrems gibt es Erweiterungspotenzial. Mit insgesamt fünf Hektar sind diese Flächen aber relativ klein. „Das können allenfalls Übergangslösungen sein“, sagt Ralf Binder. Der Wirtschaftsförderer sucht deshalb nach einem Standort für ein weiteres Gewerbegebiet. Wichtigstes Kriterium: eine gute Verkehrsanbindung, insbesondere die Nähe zur B14. „Da gibt es nicht viele mögliche Standorte“, sagt Binder.

Trotzdem ist er optimistisch, einen geeigneten Platz zu finden. Auch eine Kooperation mit einer Nachbargemeinde sei wieder möglich. In Aspach gibt es ähnliche Überlegungen: „Wir denken über weitere interkommunale Projekte nach“, sagt Hans-Jörg Weinbrenner. Die Erfahrungen aus den Lerchenäckern machen dem Bürgermeister Mut.