- Backnang & Kreis 30.07.2010
Treue Leser dürfen einmal abheben
Backnanger Kreiszeitung schenkt langjährigen Abonnenten eine Ballonfahrt – Gewinner wurden bei Dankeschön-Aktion ausgelost
Viele Unternehmen rühren kräftig die Werbetrommel, um Neukunden zu gewinnen. Sind diese dann erst einmal überzeugt, lässt die demonstrierte Aufmerksamkeit schnell nach. Nicht so bei der Backnanger Kreiszeitung. Hier wurden unter den Abonnenten, die der BKZ schon 30 Jahre und mehr die Treue gehalten haben, sieben Leser ausgelost. Sie erhielten zum Dank für die langjährige Treue eine Ballonfahrt geschenkt.



Von Matthias Nothstein
BACKNANG. Es ist Sonntagabend 19 Uhr. Kein Wölkchen ist weit und breit am Himmel zu sehen. Immer noch herrschen hochsommerliche Temperaturen. Am Rande des Heininger Flugplatzes treffen nach und nach die glücklichen Gewinner der Ballonfahrt ein. Ein bisschen aufgeregt, aber durchweg fröhlich fiebern sie dem kleinen Abenteuer entgegen. Das Wetter scheint der Gruppe dieses Mal keinen Strich durch die Rechnung zu machen. Das war nicht immer so. Die Fahrt musste schon zweimal verschoben werden. Beim letzten Mal war die Ballonhülle sogar schon fast gefüllt, als heftige Windböen das Vorhaben in allerletzter Sekunde stoppten.
Jetzt also alles in Butter. Perfekte Sicht, schönes Wetter, gute Stimmung. Nur der Wind bereitet Pilot Hans-Peter Seibold vom Ballon-Zentrum Remstal schon wieder ein wenig Kopfzerbrechen. Nicht dass er wieder zu heftig blasen würde. Im Gegenteil. Der Luftsack hängt schlaff hinunter, ein Bild des Jammers. Nur hin und wieder zuckt das Textil, aber immerhin.
In den nächsten Minuten heißt es kräftig hinlangen. Erst wird der sakrisch schwere Korb vom Autoanhänger gezogen, dann die riesig große Ballonhülle ausgebreitet und mit einem Gebläse aufgeblasen. Erst liegt das Ganze flach am Boden, dann setzt erstmals der Brenner ein. Die heiße Luft bläht die Pelle auf, die derart aufgestachelt mit aller Macht nach oben strebt. Schon ruckeln die Seile am Korb. Höchste Zeit für alle Passagiere, einzusteigen. Nur wenig später geht die geräuschlose Fahrt los. Die Ruhe wird immer wieder unterbrochen vom Fauchen des Brenners. Ansonsten herrscht himmlische Ruhe. Nur die Kommentare der Passagiere sind hin und wieder zu hören. Jetzt, in 100 Meter Höhe, gibt es doch ein wenig Wind. Schwach zwar nur, aber es reicht, um die fröhliche Gesellschaft über Allmersbach im Tal zu blasen. Ein Glücksfall für Hermann Schatz. Der 71-Jährige ist in dem Dorf aufgewachsen und besitzt noch immer ein wenig Grünland vor Ort. Er kennt fast jedes Haus und freut sich, sein Eigentum von oben zu sehen. Die Fahrt übers Heimatland genießt er sichtlich. Zumal die Sicht hervorragend ist. Alle im Korb haben ausführlich Zeit, Details zu entdecken, zu kommentieren und zu bestaunen. Denn die Fahrt ist immer noch gemütlich. Kein Vergleich zum Flugzeug, lobt Schatz, „dort geht alles so schnell, da sieht man nur Dächer“. Insgeheim haben alle Mitfahrer gehofft, der Ballon würde über ihren Ort schweben. Auch Gundhild Heller. Die 53-Jährige wohnt in Maubach und schwebt jetzt peu à peu von zu Hause weg. Doch dann dreht der Wind. Zumindest das bisschen, was da weht. Plötzlich geht die Reise schnurstracks nach Süden. Der Brenner faucht jetzt lang und oft, damit der Abstand zwischen den Baumwipfeln auf dem Bergrücken Richtung Stöckenhof und dem Korbboden keinen Anlass zur Sorge gibt. Die technischen Experten an Bord wissen, warum der Heizer heute so gefordert ist. Der Temperaturunterschied zwischen der Luft im Ballon und der Umgebung ist viel kleiner als im Winter. So gewinnt das Gefährt nur schwer an Höhe. Später jenseits der Bergkante und Heutensbach vor Augen zeigt der Höhenmesser 700 Meter. Abzüglich der 300 Höhenmeter am Boden heißt das, die Gesellschaft befindet sich jetzt 400 Meter über Grund.
Während der Ballon über Bürg und Baach schwebt, steht Pilot Seibold vor der Gretchenfrage: Landen oder die Fahrt bis ins Remstal probieren? Die Sonne senkt sich deutlich am Horizont, die Fahrt ist nicht wirklich schnell. Und weil unweit von Höfen ein abgeernteter Getreideacker in der Fahrtrichtung auftaucht, entscheidet sich der erfahrene Korbchef zur Landung. Sicher ist sicher. Aber je tiefer der Ballon sinkt, umso mehr driftet er ab. Am Ende parkt der Korb am äußersten Rand eines Maisackers. Der Unterschied zum Getreidefeld: Der Mais ist noch nicht geerntet. Und so kommt Ramzan Ulubas zum Einsatz. Der 18-jährige Nachwuchspilot, der zusammen mit Seibolds Frau Marion im Begleitfahrzeug den Ballon verfolgt hat, schiebt mit Muskelkraft das luftige Gefährt aufs Getreidefeld und damit in die richtige Landeposition.
Die Fahrt ist zu Ende, aber die Arbeit fängt erst wieder an. Gemeinsam wird der Korb wieder auf dem Hänger verstaut, die Ballonhülle zusammengerafft und in einen Riesenbeutel gestopft. Alle helfen mit und wissen insgeheim, dass auch damit noch nicht alles zu Ende ist. Jetzt steht noch die Ballonfahrertaufe an. Und so knien die sieben Ballonnovizen auf einem roten Teppich. Und sichtlich genussvoll vollzieht Seibold die Taufe. Nimmt ein wenig Erde, zündet ein paar Haupthaare an und löscht das Ganze mit einem Spritzer Sekt. Eine lustige Sache. Besonders für jene, die nicht gerade an der Reihe sind.
Auf der gemeinsamen Fahrt zurück zum Flugplatz wird zum Abschluss Bilanz gezogen. Herrlich war’s, auch wenn der Wind schwachbrüstig war. Aber auch so war das Erlebnis wunderbar. Und alle sind sich einig: „Schön, wenn man eine bodenständige Zeitung hat, mit der man manchmal abheben kann.“

