Ran an die Holzbuchstaben und Farbwalze

Ferienprogramm in der Bücherei: Über 30 Kinder machten bei der historischen Druckwerkstatt des Museums im Koffer mit

Emsiges Treiben wie zu Johannes Gutenbergs Zeiten herrscht in der Druckwerkstatt im Foyer der Stadtbücherei. Über 30 kleine Setzer- und Druckerlehrlinge bringen ihre Lieblingswörter auf Papier. Dabei vollziehen sie praktisch die Arbeitsschritte nach, mit denen einst die ersten Bücher und andere Druck-Erzeugnisse entstanden.

Selbst ist der Nachwuchsdrucker: Die Kinder konnten sich in der Stadtbücherei an das Verfahren des Buchdrucks herantasten. Sie hatten den Dreh schnell raus und zauberten mit Holzbuchstaben, Farbwalze und Bürste ihre Lieblingswörter oder den eigenen Namen aufs Papier. Foto: E. Klaper

Von Elisabeth Klaper

MURRHARDT. Möglich machte diese Zeitreise das mobile Museum im Koffer für Kinder aus Nürnberg, das zum Murrhardter Ferienprogramm gehört wie die Druckerschwärze aufs Papier. Auf Einladung der Stadtbücherei hatte das Museumspädagoginnen-Trio Michaela Gabor, Regina Schwope und Marina Straub passend zum Kloster- und Stadtjubiläum das historische Thema Druckwerkstatt und Erfindung des Buchdrucks im Gepäck. Im Dialog mit den Acht- bis Zwölfjährigen erzählte Marina Straub, wie man früher Bücher vervielfältigte.

Jahrhunderte lang schrieb man sie mühsam und langwierig von Hand ab, wie es auch die Mönche im Murrhardter Benediktinerkloster taten. Ein Fortschritt war der sogenannte Blockdruck ab dem 14. Jahrhundert, den es in China bereits seit dem 8. Jahrhundert nach Christus gab. Dafür schnitzte man Texte und Bilder in Holzplatten und stellte daraus Blockbücher her. Der Mainzer Goldschmied, Tüftler und Erfinder Johannes Gensfleisch genannt Gutenberg (um 1400 bis 1468) hatte Mitte des 15. Jahrhunderts nach langem Experimentieren die geniale Idee, wie man Bücher viel schneller und billiger drucken und Schreibfehler leichter korrigieren kann.

Ihm verdanken wir drei wichtige Erfindungen. Zuerst die beweglichen Lettern (Buchstaben) in allen Größen und Formen aus einer Zinn-Blei-Legierung, die bereits über einer Kerze schmilzt und die man in Negativformen aus Metall goss. Weiter die Druckerpresse, eine umgebaute Weinpresse, sowie die gut haftende, zähflüssige und schnell trocknende Druckerschwärze aus Ruß und Leinöl. Bis weit ins 20. Jahrhundert war der Schriftsetzer ein eigener Beruf. Er setzte die Lettern mit Winkelhaken zu Sätzen zusammen und ins sogenannte Setzschiff, eine flache rechteckige Schale. Dann trug er die Druckerschwärze mit einem pilzförmigen Druckerballen auf, einem Ledersäckchen aus glattem Hundeleder ohne Poren, das mit Pferdehaaren gefüllt war.

Nach der Theorie probieren die Kinder eifrig die Praxis des Druckens aus. Dafür hat das Museum im Koffer eine komplette Druckwerkstatt mitgebracht mit vielen teils gekauften, teils gespendeten Buchstaben, Farben und Werkzeugen aus Druckereien. Weil Druckerschwärzeflecken nur schwer zu entfernen sind, binden sich die kleinen Lehrlinge Schürzen um und ziehen Handschuhe an. Die Museumspädagoginnen zeigen, wie’s geht, dann legen die Mädchen und Jungen in Zweierteams los.

Statt Metalllettern setzen sie Holzbuchstaben und Ziermotive für Plakate spiegelverkehrt zu Worten und Mini-Texten zusammen und kontrollieren mit kleinen Spiegeln, ob jeder Buchstabe an der richtigen Stelle sitzt. Mit Rollen tragen sie die Farbe auf, legen ein Blatt Papier in DIN A4 oder Postergröße drauf, und drucken durch schnelles, kräftiges Klopfen mit Bürsten. Anschließend hängen sie die bedruckten Papiere wie Wäsche mit Klammern an Leinen zum Trocknen auf. Schnell haben die kleinen Setzer und Drucker den Bogen raus und jede Menge Spaß dabei, ihre Namen, Murrhardt oder Wortspiele zu drucken. Dabei verteilen sie unterschiedliche Buchstaben und Ziermotive auch als Bogen oder in kreativen freien Formen auf den Setzschiffen. Wie Gutenbergs Druckerpresse funktionierte, zeigt das Museumsteam den Kindern an einem Modell. Indem man die Spindel mit dem Pressbengel, einem Hebel dreht, bewegt sich der Tiegel, eine senkrechte Metallplatte, nach unten, die den Druck gleichmäßig auf die Unterlage mit dem Druckstock verteilt. Die Unterlage liegt auf einem beweglichen Karren, an dem der aufklappbare Deckel befestigt ist, in den das Papier eingelegt wird.

Abschließend erklärt Marina Straub den Kindern noch, wie sich der Druck weiterentwickelte. Aus der Ende des 18. Jahrhunderts erfundenen Lithografie entstand Anfang des 20. Jahrhunderts der Offsetdruck, und seit rund 30 Jahren werden alle Druck-Erzeugnisse mit verschiedenen computergesteuerten Druckverfahren hergestellt.