Kirchberg fordert andere Reihenfolge

Bevor Backnang und Sulzbach die Hochwasserschutzmauern bauen, soll erst der Wasserverband die Rückhaltebecken bauen

Einstimmig forderten die Gemeinderäte von den Kommunen Backnang und Sulzbach, beim Hochwasserschutz zuerst die Rückhaltebecken zu bauen, und erst in einem zweiten Schritt die innerörtlichen Maßnahmen zu realisieren.

Hochwasser in Kirchberg: Wenn am Oberlauf Mauern und Dämme die Murr in ihr Bett pressen, steigt der Pegel am Unterlauf.Archivfoto

KIRCHBERG AN DER MURR. Der Hochwasserschutz in den Murrgemeinden am Oberlauf nimmt allmählich Konturen an. Planerisch zumindest. Erste Pumpwerke sind im Entstehen. Jetzt wollen Backnang und Sulzbach auch bald in den Ortslagen mit dem Bau von Mauern, Deichen und Dämmen beginnen. Das Planfeststellungsverfahren läuft. In diesem Zusammenhang soll auch die Gemeinde Kirchberg eine Stellungnahme abgeben.

Diese Stellungnahme fiel nun so aus, dass die Bauherren nicht sehr glücklich sein werden. Denn die Kirchberger Räte waren ganz und gar nicht einverstanden mit der Reihenfolge. Backnang und Sulzbach wollen nämlich als Mitglieder des Wasserverbandes Murrtal zügig die innerörtlichen Schutzmaßnahmen verwirklichen, und nicht erst abwarten, bis die fünf großen Rückhaltebecken Mahd und Gaab (Murrhardt), Fischbach und Haselbach (Sulzbach) und Oppenweiler gebaut sind. Begründung: Bis die rechtlichen Grundlagen und die Grundstücksverhandlungen für die Rückhaltebecken erledigt sind, vergeht zu viel Zeit.

Werden die Mauern aber vor den Rückhaltebecken fertig, dann hat dies für Kirchberg negative Auswirkungen. Bei einem Hochwasser, wie es rechnerisch alle 100 Jahre einmal vorkommt (HQ 100), würde sich der Wasserspiegel um etwa sieben Zentimeter erhöhen. Laut einer Skizze gehen die Berechnungen nur von minimalen zusätzlichen Überflutungsgebieten aus. Die Planer schreiben: Es liegen keine Gebäude innerhalb der Überflutungsfläche, welche ohne die Wasserspiegellagenerhöhung nicht auch innerhalb dieser liegen. Ihr Fazit: Gemäß den Berechnungen ergeben sich damit durch die vom Wasserverband Murrtal geplanten und bereits umgesetzten Hochwasserschutzmaßnahmen (...) für Kirchberg keine neuen Betroffenheiten beim HQ 100.

Sind erst einmal die Rückhaltebecken fertig, dann sinkt der Wasserspiegel bei einem HQ 100 im Vergleich zu heute in Backnang um 40 Zentimeter und in Burgstetten um 20 Zentimeter. Für Kirchberg wurden keine Zahlen präsentiert.

In der Diskussion wurde schnell klar, dass alle Gemeinderäte mehr oder weniger deutlich die Auffassung von Bürgermeister Frank Hornek teilen. Dieser sagte eingangs: Es handelt sich in Backnang und Sulzbach um allesamt sinnvolle Maßnahmen. Das Problem ist nur: Es geschieht in der falschen Reihenfolge.

Bei mehreren Räten war spürbar, dass sie sich schwertaten, die Kommunen zu kritisieren. Christhild Schenk etwa hätte am liebsten auf die Stellungnahme verzichtet, die hat eh keinen Wert. Sie plädierte für eigene Schutzmaßnahmen. Das jedoch war ein Ansatz, der Hornek gar nicht gefiel. Er ließ sich das Heft des Handelns ungern aus der Hand nehmen. Es könne nicht sein, dass die Gemeinde reagieren müsse wegen der Aktivitäten am Oberlauf. Hornek: Wenn die Becken gebaut werden, ist die Welt für uns wieder in Ordnung. Das Problem ist nur die Übergangszeit.

Mehrere Räte sprachen sich für eine deutliche Positionierung aus. Gudrun Wilhelm sagte: Wenn wir schon eine Stellungnahme abgeben sollen, dann schreiben wir, dass wir eine andere Reihenfolge wollen. Das würde dann auch uns etwas bringen. Erich Drexler sah es genauso. Und Martin Ebinger erst recht: Ich bin gegen die Pläne. Erst sollen sie die Becken bauen, dann die Mauern und Dämme. Ebinger verwies zudem darauf, dass in der Studie von einem HQ 100 ausgegangen werde. Wer aber könne garantieren, dass nicht ein noch größeres Hochwasser kommt. Die Auswirkungen, die ein solches nach dem Mauerbau auf Kirchberg hätte, könnten noch viel schlimmer sein, so seine Befürchtung.