Vom Schillerplatz in die Wassergasse

Seniorenwerkstatt künftig an neuem Standort – Mitarbeiter sind zufrieden – Backnang verkauft denkmalgeschütztes Gebäude

Die Seniorenwerkstatt zieht um. Das Gebäude Schillerplatz 3, in dem die Werkstatt der rührigen Ruheständler bislang untergebracht war, wird verkauft. Die neue Adresse der Seniorenwerkstatt lautet ab kommendem Frühjahr: Backnang, Wassergasse 2. Die Senioren sind zufrieden, denn der neue Sitz liegt zentral in der Innenstadt. Dagegen vertraut der Mieterverein, der immer noch am Schillerplatz 3 residiert, „dass die Stadt ihr Versprechen hält“ und ihm hilft, entsprechende Ersatzräume zu finden.

Soll an einen Investor verkauft werden, der das denkmalgeschützte Gebäude sanieren kann: Haus Schillerplatz 3. Fotos: A. Becher

Von Matthias Nothstein

BACKNANG. Es ist schon seit Längerem entschieden, dass die Stadt Backnang das Gebäude am Schillerplatz 3 verkaufen möchte. Mehrere einstige Mieter haben dem denkmalgeschützten Haus schon den Rücken gekehrt. Nun hat die Stadt nach langer und intensiver Suche auch für die Seniorenwerkstatt einen neuen Standort gefunden. Einfach war dies laut städtischem Wirtschaftsförderer Dr. Ralf Binder nicht, „man muss schließlich erst Zugriff auf die Gebäude haben und eine Werkstatt muss auch baulich erst möglich sein“.

Nun ist die Entscheidung für den Umzug gefallen, bestätigt auch Regine Wüllenweber vom Amt für Familie, Jugend und Bildung, „die Sache ist in trockenen Tüchern, die Seniorenwerkstatt wird in die Wassergasse 2 umziehen“. Momentan werde geprüft, was in dem bisherigen Friseurgeschäft alles hergerichtet werden muss, damit die Senioren zufrieden sind. Wüllenweber bestätigt viele Gespräche mit den Seniorenvertretern: „Die sind einverstanden mit der Entscheidung. Sie hätten zwar gerne mehr Platz gehabt, aber dies ging nun mal nicht.“ Zwar hätte es bessere Räume gegeben, aber die lagen alle nicht in der Innenstadt. Und eben dies war den Ruheständlern um Manfred Wörner sehr wichtig. Wörner ist nicht nur aktiv in der Seniorenwerkstatt, er ist auch zusammen mit Rosemarie Baur-Schwozer als Seniorenvertreter in den städtischen Jugend- und Sozialausschuss gewählt worden. Auch er betont: „Wir haben überall nach Ersatz für die Werkstatt gesucht. Einige Räume waren zu teuer, andere hätten wir erst in einem Jahr beziehen können.“

Lage in der Stadtmitte und große

Schaufensterscheiben sind ideal

Ideal ist für Wörner die Lage in der Stadtmitte, zumal man aufgrund der großen Schaufensterscheiben sehr gut von außen in die Räume hineinschauen kann. Interessierte können so nicht nur die Senioren beim Schaffen beobachten, sondern die Senioren können auch ihre hergestellten Produkte, die sie beispielsweise auf dem Weihnachtsmarkt verkaufen wollen, im Schaufenster präsentieren. Und noch einen Vorteil gibt es: „Der Keller ist trocken, da können wir all das Holz, das wir für unsere Arbeiten benötigen, lagern.“ Trotz der zentralen Lage ist auch die Parksituation für Wörner kein Problem. „Wir können im Parkhaus oder auf der Bleichwiese parken und gut zur Werkstatt laufen.“ Und wenn Material angeliefert werden muss, könne man bis vor die Haustür fahren.

Mit dem Umzug werden auch einige Defizite bei der Werkstatt behoben. So verfügen die aktiven Ruheständler künftig über eine Absauganlage. Die ist bereits bestellt, wurde aber in der bisherigen Werkstatt noch nicht eingebaut. Da sie mobil ist, könnte sie auch bei einem weiteren Umzug wieder mitgenommen werden. Auch der Brandschutz wird in den neuen Räumen garantiert, „da liegt unser besonderes Augenmerk drauf“, bestätigt Wüllenweber. Auf welche Höhe sich die Investitionen belaufen, kann Wüllenweber derzeit noch nicht sagen. Sie rechnet damit, dass der Umzug im Frühjahr über die Bühne gehen kann, spätestens bis Juni soll das Projekt abgeschlossen sein.

Weniger glücklich ist derzeit Werner Bachert vom Mieterbund. Er betont: „Wir haben etliche Versuche unternommen, etwas Passendes als Ersatz zum Mieten zu finden, es ist fast unmöglich, weil meistens zu teuer.“ Für die 70 bis 80Quadratmeter Fläche, die der Mieterbund benötigt, will Bachert nur 300 bis maximal 400 Euro Kaltmiete ausgeben. Bachert setzt nun ganz auf die Zusage der Stadt, man werde mithelfen, entsprechende Räume zu finden. Derzeit sei alles in der Schwebe, „von Unterstützung spüren wir aber nichts“, beklagt Wörner. Ferner kritisiert er, „es gibt keine saubere Information“. Auf der einen Seite ist ihm bewusst, dass der Mieterbund demnächst der einzige Mieter in dem Gebäude ist, „alle anderen waren bei der Suche erfolgreich, nur wir nicht“. Auf der anderen Seite spürt er noch keinen Druck.