„YouTube ist eine ganz eigene Welt“

Mehr als 140 000 Fans hat Marc-Claus Wiesenauer im Internet – Jetzt will der 18-Jährige seinen Erfolg für den guten Zweck nutzen

Marc-Claus Wiesenauer ist 18 Jahre alt und büffelt fürs Abi. Sein Herz schlägt für Design und das Online-Spiel Minecraft – das allein hat ihm auf der Videoplattform YouTube bereits 140 000 Fans eingebracht. Auf undankbare Nebenjobs kann er dank lukrativer Werbedeals längst verzichten. Seine Bekanntheit will er aber auch nutzen, um Gutes zu tun.

Kamera, Mikrofon, PC: Aus seinem Jugendzimmer in Allmersbach im Tal sendet Marc-Claus Wiesenauer mitunter auch live. Foto: A. Becher

Von Bianca Walf

 

ALLMERSBACH IM TAL. Die Welt des Online- Spiels Minecraft besteht aus ein Kubikmeter großen Blöcken. Aus ihnen entstehen Städte, Fahrzeuge, Höhlen und Fabelwesen. Was ein bisschen nach digitalem Lego klingt, ist in Wirklichkeit viel mehr als das, weiß Marc-Claus Wiesenauer: „Das Spiel ist wahnsinnig vielseitig. Man kann zum Beispiel auch im Team oder gegen andere spielen und so neue Leute kennenlernen.“

Für den 18-Jährigen aus Allmersbach im Tal ist Minecraft längst mehr als ein Hobby. Seit 2015 zeichnet er seine Spielzüge auf Video auf und lädt sie auf seinem eigenen Kanal auf der Videoplattform YouTube hoch. Zusätzlich produziert er sogenannte Tutorials, Video-Anleitungen für Designinteressierte. Unter dem Pseudonym Baumblau hat er so innerhalb kürzester Zeit rund 140 000 Fans für sich gewonnen. „Anfangs lief es schleppend“, erinnert sich Marc-Claus. Noch vor einem Jahr hätte er lediglich 30 000 Abonnenten auf seinem Kanal gehabt. Dann jedoch ging auf einmal alles ganz schnell. Mittlerweile hat Baumblau Zuschauer aus aller Welt. „Meine Videos werden zum Beispiel auch in den USA gut geklickt, obwohl ich darin Deutsch spreche. Das hat mich selbst überrascht.“

Fans stehen Schlange,

um ihrem Idol zu begegnen

 

Mindestens ein Video pro Woche lädt Marc-Claus auf seinem Kanal hoch. „Manchmal geht das ganz schnell. Manchmal verkünstle ich mich aber auch stundenlang. Ich kann ziemlich perfektionistisch sein“, erzählt er. Was bei seinen Fans gut ankommt und was nicht, sei selbst mit jahrelanger Erfahrung nicht immer leicht zu durchschauen. „YouTube ist eine ganz eigene Welt. Sie folgt ihren eigenen Regeln. Es sind nicht immer die aufwendigsten Videos, die am meisten geklickt werden.“ Alles in allem scheint Marc-Claus mit seiner Einschätzung jedoch richtig zu liegen.

Die Fanliebe geht nicht nur so weit, dass seine Anhänger online Schlange stehen, um ihrem Idol im Videochat zu begegnen, sogar rund um sein Elternhaus im Allmersbacher Ortsteil Heutensbach habe er bereits Fans kennengelernt. „Das war eine total witzige Situation“, erinnert sich Marc-Claus’ Mutter Sandra Wiesenauer, „da waren tatsächlich zwei Jungs um die 14 bei uns vorm Haus, die sich nicht getraut haben, zu klingeln. Ich dachte mir schon fast, dass sie zu meinem Sohn wollen.“ So war es dann auch. Als Marc-Claus die beiden Fans ansprach, stimmte die Wellenlänge sofort. „Mit einem der beiden bin ich heute gut befreundet“, erzählt er.
Und nicht nur Marc-Claus’ Follower lieben seinen Kanal. Vor Kurzem wurde Baumblau von YouTube mit dem silbernen „Play-Button“ ausgezeichnet. Den gibt es in DIN-A4-Größe für Nutzer mit mehr als 100 000 Fans – eine Art Goldene Schallplatte für YouTuber. Die zweite große Auszeichnung für den Schüler: Eine VIP-Einladung zur beliebten Kölner Computerspielemesse „GamesCom“. Dort traf Marc-Claus im Frühjahr zahlreiche Kollegen, die vor gar nicht allzu langer Zeit noch echte Vorbilder für ihn waren. „Das war schon ein verrücktes Gefühl, da auf einmal dazuzugehören“, erzählt er. Die Top-YouTuber sind nämlich nicht nur echte Trendsetter im Netz, sie können von ihrem Hobby auch ganz gut leben. Bei Marc-Claus sorgen die Videoplattform und sein eigener Online-Shop mit Fanartikeln mittlerweile zumindest dafür, dass er auf typische Schülerjobs nicht mehr angewiesen ist. „Das hat schon was“, findet der 18-Jährige. Viel wichtiger sei es ihm aber, seinen Erfolg mit anderen zu teilen.

So setzte er seine Bekanntheit im Netz jüngst dafür ein, eine Spendenaktion zugunsten des Backnanger Vereins Sternentraum 2000 auf die Beine zu stellen, der sich dafür einsetzt, Kindern und Jugendlichen mit Beeinträchtigungen Herzenswünsche zu erfüllen. „Ich habe einen Sechs-Stunden-Livestream auf YouTube veranstaltet und meine Fans aufgefordert, mir eine kleine Anerkennung dazulassen, wenn ihnen gefällt, was ich mache“, erzählt Marc-Claus. Knapp 300 Euro kamen so innerhalb der Community zusammen. 700 Euro hat Marc-Claus aus der eigenen Tasche oben draufgelegt. „Ich finde es toll, was Sternentraum macht“, betont er. Seine Mutter habe ihn auf die Arbeit des Vereins aufmerksam gemacht. Sie erzählt: „Ich kann mich gut in die Lage der betroffenen Kinder und ihrer Eltern versetzen. Als Marc-Claus klein war, konnte er wegen gesundheitlicher Probleme auch nicht alles machen, was er wollte. Er war zum Beispiel gut im Tischtennis, konnte aber nicht gut rennen, um sich warm zu machen. Deshalb hat es mit dem Spielen im Verein nicht geklappt. Das hat mich damals sehr traurig gemacht.“ Heute jedoch sei sie umso stolzer auf ihren erfolgreichen Sohn.

„Als mir das erste Mal klar wurde, was er da erreicht hat, war ich total baff. Jetzt unterstütze ich ihn, wo ich kann“, erzählt Sandra Wiesenauer. Denn Marc- Claus hat noch viel vor. „Mein erstes Ziel waren die 100 000 Fans. Jetzt ist alles offen. Auf jeden Fall will ich meinen Online- Shop ausbauen und wenn ich den Play-Button eines Tages noch in Gold bekäme, wäre das natürlich auch nicht schlecht“, sagt er. Die Bodenhaftung wolle er trotzdem nicht verlieren. „Ich bleibe ich selbst und lasse mich nicht verbiegen. YouTube hin oder her.“