Plausch mit Freunden und viele Partys

Zur Einstimmung auf Heiligabend und zum Ausklang nach der Bescherung gibt es in Backnang einige Anlaufstellen

Der Kirchgang, der Verzehr der Weihnachtsgans und der Plätzchen, die Bescherung rund um den Christbaum: Rituale wie diese gehören für viele Menschen zu Heiligabend und werden mit der Familie in besinnlicher Atmosphäre zelebriert. Zur Einstimmung und zum Ausklang gibt’s aber auch Traditionelles und Neues mit Partycharakter – vor allem die Jüngeren lassen es krachen, wie ein Streifzug durch Backnang beweist.

An Heiligabend ist der Platz beim Obstmarkt ein Treffpunkt für Jung und Alt. Familien und Freunde kommen mittags zum lockeren Plausch in kleiner oder großer Runde zusammen.Fotos: J. Fiedler

Von Steffen Grün

BACKNANG. Mittags um eins ist der Platz am Obstmarkt gut gefüllt, schon von weitem ist das laute Stimmengewirr zu hören. Hier draußen oder auch drinnen im Fancy, das die Veranstaltung vom früher dort beheimateten Village übernommen hat, trifft sich Jung und Alt, um sich mit dem einen oder anderen Getränk und beim Plausch mit Freunden auf Heiligabend einzustimmen. Wie lange es diese Tradition bereits gibt, kann Eberhard Sorg nicht sicher sagen, „mindestens 20 Jahre aber schon“.

Es sei eigentlich stets dasselbe Prinzip, erläutert der 65-Jährige, der Jahr für Jahr dort anzutreffen ist: „Man trifft viele Leute, die man das ganze Jahr selten oder gar nicht sieht, weil sie nicht in Backnang wohnen, und unterhält sich über Gott und die Welt“. Kurzum: „Es ist der Treff an Heiligabend.“ Das sieht auch sein Sohn so. „Ich kam früher alleine hier her“, erinnert sich Christoph Sorg, „nun komme ich mit Frau und Sohn“. Sich am Mittag des 24. Dezembers am üblichen Platz zu treffen, hat für den 35-Jährigen „einfach Tradition und gehört zu Weihnachten dazu“.

Auch eine etwa 15-köpfige Truppe ist Jahr für Jahr dabei und sucht sich ein ruhigeres Plätzchen am Rande des Trubels. „Zu Weihnachten kommen alle nach Hause nach Backnang und dann treffen wir uns an Heiligabend hier, bevor alle mit ihren Familien feiern“, sagt Elena Tsarouha. Die Besonderheit in dieser Runde ist das Schrottwichteln, „das war eine spontane Idee von unserem Kumpel Senf vor sieben Jahren“, erinnert sich Michaela Tsarouha und packt die zugrunde liegende Überlegung mit einem Schmunzeln in diplomatische Worte: „Man bekommt so viele Dinge geschenkt, die andere viel besser brauchen können.“ Sie freute sich zum Beispiel über eine Seifenblasenpistole, denn „Anja hatte keine kleinen Kinder mehr, aber ich. Das hat gepasst“. Im Fancy dreht der DJ noch einmal mächtig auf, der Platz beim Obstmarkt leert sich am Nachmittag dagegen nach und nach. Auch in den vielen Kneipen in Backnang, die einen Frühschoppen angeboten haben, kehrt langsam Ruhe ein.

Weiter geht es am späten Abend, wenn die Partywilligen wieder um die Häuser ziehen wollen. Ein Anlaufpunkt: das Merlin, an dem es vormittags bereits ein Weißwurstfrühstück gab. „Das habe ich 1997 zum ersten Mal gemacht, war damals ein voller Erfolg und ist zur Tradition geworden“, erzählt Christos Kiroglou, den seine Gäste nur als „Taki“ kennen. Viele kämen seit 20 Jahren, „mittlerweile mit Kind und Kegel“. Um 14 Uhr ist Schluss, sieben Stunden später öffnet das Merlin seine Pforten wieder. Zum X-MAS-Dance, wie Taki die Party nennt. „Heute ist Jung und Alt an Heiligabend unterwegs“, schildert der Gastronom seine Erfahrungen, „in ganz Backnang ist Highlife. Heiligabend ist für die Erlebnisgastronomie eine der Haupteinnahmequellen geworden“. Freunde, die sonst auf ganz Deutschland verstreut seien, würden sich treffen, „das Straßenfest und Weihnachten sind dafür die beliebtesten Termine“. Zunächst stehe die Unterhaltung im Mittelpunkt, ab ein Uhr werde getanzt. Taki kennt seine Gäste, denn genauso kommt es. Der Laden brummt, die Party ist in vollem Gange.

„Wir kommen schon seit einigen Jahren an Heiligabend ins Merlin, waren heute auch schon beim Weißwurstfrühstück da“, verrät der 21-jährige Jan Groß, „dazwischen waren wir im Fancy und dann daheim bei den Familien“. Welche Dimension die Party für die Jungs hat, lässt die Einschätzung von Manuel Balmer (24) erahnen: „Ich kenne hier locker 60 bis 80 Leute.“ Auch für Lena Dais (22) geht es darum, Freunde zu treffen. Sie sitzt zu Beginn vorne an der Theke, an ihrer Seite eine gute Freundin. „Meine Eltern sind um elf ins Bett, dann sind wir los“, sagt Lea Rupp (22): „Wir wohnen alle nicht mehr in Backnang und Weihnachten ist eine gute Gelegenheit, sich wiederzusehen.“

Das ist das Hauptmotiv für die meisten, die unterwegs sind. Im Merlin, aber auch in der Meetbar im Felsenkeller der Backnanger Stuben, wo die „Hells-Bells-Party“ bis zum frühen Morgen etwa 250 Gäste anlockt. „Dafür, dass es unsere erste Veranstaltung an Heiligabend war, war es richtig gut“, freut sich Michael Isert. Die Wahrscheinlichkeit, dass es 2018 die Neuauflage gibt, ist hoch. Auch in den anderen Kneipen in Backnang, die nach den besinnlichen Stunden im Familienkreis geöffnet haben, treffen sich Freunde zum gemütlichen Beisammensein. Wer es alternativer und chaotischer mag, steuert die Juze-Party an. Es ist für jeden was dabei.