Aus Geflüchteten sollen Mitbürger werden

Landkreis übernimmt das Integrationsmanagement in 18 Kommunen und greift damit Städten und Gemeinden unter die Arme

18 Städte und Gemeinden im Kreis bauen beim Pakt für Integration auf den Landkreis.

Von Armin Fechter

BACKNANG/WAIBLINGEN. Der vom Land geschaffene Pakt für Integration wird jetzt Realität: Seit Jahresanfang sind in den Städten und Gemeinden des Kreises 40 Integrationsmanager unterwegs. Sie begleiten Flüchtlinge mit Bleibeperspektive auf ihrem Weg in ein unabhängiges und selbstständiges Leben in Deutschland. Finanziert wird ihr Einsatz, wie Landratsamtssprecherin Sandra Weiss erläutert, aus Landesmitteln über den Pakt für Integration. Zielgruppe sind anerkannte Flüchtlinge, also Flüchtlinge aus der kommunalen Anschlussunterbringung. Sie sollen gefördert, aber auch gefordert werden, wie das Landratsamt unterstreicht. Ziel sei es, die Menschen zu befähigen, dass sie ohne finanzielle Unterstützung des Staats ihren Lebensunterhalt bestreiten. Dadurch sollen sie Teil der Gesellschaft werden können.

Um das Integrationsmanagements für die Kommunen passgenau zu strukturieren, bietet der Pakt für Integration drei Möglichkeiten für die Städte und Gemeinden: Integrationsmanager selbst zu beschäftigen, freie Träger zu beauftragen oder die Aufgabe an den Landkreis zurückzudelegieren. 18 Kommunen im Kreis, darunter viele aus dem Altkreis Backnang, haben sich entschieden, die Aufgabe an den Landkreis zurückzudelegieren. „Damit übernimmt der Landkreis mit aktuell 14 Integrationsmanagern die Umsetzung des Pakts für Integration in diesen 18 Kommunen“, erklärt Landrat Richard Sigel. Dazu gehöre auch, die Aufgaben der einzelnen Akteure in der Integrationsarbeit richtig zu koordinieren und langfristig funktionierende Strukturen im Kreis aufzubauen. Der Landkreis knüpft dabei an die Grundlagen an, die bereits in der Flüchtlingskrise in der Zusammenarbeit mit den freien Trägern gelegt wurden – Kreisdiakonieverband, Caritas, Rotes Kreuz, Arbeiterwohlfahrt und Paulinenpflege.

Sieben Kommunen wickeln das Programm alleine ab, unter ihnen die Stadt Backnang. Sie hat sich dazu den Verein Kinder- und Jugendhilfe ins Boot geholt, der auch bereits mit pädagogischen Fachkräften in der Unterkunft in der Hohenheimer Straße im Einsatz ist. Wie Hauptamtsleiter Timo Mäule erklärt, handelt es sich dabei um den ersten Schritt. Erste Zwischenbilanz: „Es greift. Wir sind sehr zufrieden.“ Was darüber hinaus noch für weitere Personenkreise zu tun ist, wird derzeit noch ermittelt. Sechs Kommunen haben sich für die Aufgabe zusammengeschlossen, so die Gemeinden Weissach im Tal und Berglen.

Der Start des Pakts für Integration sei für alle Beteiligten eine große Herausforderung gewesen, erklärt das Landratsamt. Denn vom Land seien die nötigen Informationen über die Modalitäten des Pakts erst spät gekommen. Zudem galt es, Sozialarbeiter für die neue Aufgabe zu gewinnen. In diesem Zuge sind neun Mitarbeiter vom Landkreis zu freien Trägern, Städten und Gemeinden gegangen. Man habe dabei „gute Lösungen gefunden, um unseren bisherigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine berufliche Perspektive in der Arbeit mit Flüchtlingen zu bieten“, erklärt Sigel.

Weil in der Integrationsarbeit viele Akteure mitwirken und laufend Detailfragen auftreten, besteht für die Stabsstelle Integrationsförderung im Landratsamt mit Christina Reimling weiterhin ein hoher Abstimmungs- und Organisationsaufwand. Integrations- und Flüchtlingsbeauftragte, Sozialarbeiter, ehrenamtlich Tätige, Unterkunftsmanager und jetzt auch Integrationsmanager müssten Hand in Hand arbeiten. „Mit unseren Flüchtlingssozialarbeitern in der vorläufigen Unterbringung und der Ehrenamtsbetreuung werden wir weiterhin vor Ort mitwirken und die Erfahrungen aus der Praxis direkt in die Weiterentwicklung der Integrationsarbeit einbeziehen“, sagt die Stabsstellenleiterin.

Der Landkreis hatte die Betreuung der anerkannten Flüchtlinge bereits im März 2017 übernommen. Die Personalkosten von rund einer Million Euro wurden aus Kreismitteln finanziert, Erstattung vom Land gibt es nicht. „Auf diese Weise konnten wir schnell und pragmatisch über ein Dreivierteljahr hinweg eine Betreuungslücke im gesamten Kreisgebiet schließen“, betont Sigel. Mit dem kreisweiten Start des Pakts für Integration ist dieses Übergangskonzept nun beendet.