Ein spannendes Spiel um Thronfolge, Macht und Intrigen

Die Theater-AG des Tausgymnasiums führte das Stück „Der Mordfall Kaspar Hauser“ im Traumzeit-Theater auf – Aufwendige Kostüme, eindrucksvolle Leistungen

Es ist schon etwas Besonderes für Schüler, auf der Bühne eines richtigen Theaters ihr schauspielerisches Können zu präsentieren. Im ausverkauften Traumzeit-Theater begeisterte die Theater-AG des Gymnasiums in der Taus mit dem Stück „Der Mordfall Kaspar Hauser“.

Von Claudia Ackermann

BACKNANG. Die Arroganz des Adels ist ihr ins Gesicht geschrieben, wenn Gräfin Karoline von Hochberg (Celina Schmid) hocherhobenen Hauptes über die Bühne schreitet. Zickig ist das Gebaren der Markgräfin Amalie (Miriam Bornhak). Beide Charaktere großartig von den Schülerinnen verkörpert.

Es geht um Thronfolge, Macht und Intrigen – und um Kaspar Hauser, der im Jahre 1828 in Nürnberg auftaucht. Der scheinbar geistig zurückgebliebene Junge kann keine Angaben zu seiner Herkunft machen. Jahrelang wurde er in einem dunklen Verließ völlig isoliert gefangen gehalten. Eindrucksvoll stellt Kevin Schöbel die Angst und Verwirrung des 16-jährigen Jungen dar, der nur vereinzelt Worte stammeln kann.

Die Theater-AG hat sich der Geschichte um Kaspar Hauser angenommen, bei dem bis heute spekuliert wird, ob es sich um den 1812 angeblich verstorbenen Erbprinzen von Baden handelt. Das Theaterstück von Cornelia Zorn ist der Versuch einer Rekonstruktion der Ereignisse und Hintergründe zwischen 1812 und der Ermordung Kaspar Hausers im Jahr 1833, sodass es in erster Linie um politische Verwicklungen und Machtverhältnisse geht. Schon allein die prachtvollen und aufwendig gearbeiteten Kostüme, lange Kleider mit Reifröcken, Samteinsätzen und Rüschenärmeln und die Bekleidung des einfachen Volkes im Stil der damaligen Zeit sind bei der Aufführung bemerkenswert. Die Kostüme wurden von Andrea Blum, Vorsitzende des Elternbeirats, hergestellt.

Was die Schüler der Klassen 10 bis 12 an schauspielerischen Leistungen bieten, fasziniert das Publikum. Kirsten Meller brilliert in der Rolle des aristokratisch-arroganten Großherzogs Ludwig. Den Part des eiskalten Majors Hennenhofer verkörpert eindrucksvoll Alex Schöbel. Herzensgut ist die bürgerliche Caroline Ettlinger (Leandra Burkhard), die unter anderem in einer Szene mit dem fünfjährigen Kaspar Hauser auftritt, bevor dieser im Kerker verschwindet. Reizend stellt Matthias Wühlbeck, Schüler der 6. Klasse, das Kind dar. Wandlungsfähig schlüpfen die Mimen der Theater-AG in verschiedene Rollen, so Alexander Colettis, Patrick Denninger, Sina Schröder, Markus Böttche, Max Eppler, Lisa Krauter, Christoph Jeuter und Jonas Hock. Sie verkörpern folgende Figuren: den Sohn der Gräfin, einen Wirt, Flößer oder Bürgerwehrsoldaten. Auch Lehrer sind bei der Aufführung mit von der Partie. Artur Ulmer und Klaus Röder sind als Spion und Gendarm zu sehen.

Über ein halbes Jahr lang hat die Theater-AG für das zweistündige Stück unter Regie von Annette Mennenkamp und Kai Lützelberger, Lehrer am Tausgymnasium, geprobt. Drei Tage lang ging es nach Stuttgart zu einem Workshop mit einem professionellen Regisseur. Kunstlehrer Tillmann Bidlingmaier gestaltete ein Plakat. Eine Woche lang konnten die Schüler schon bei den Proben Theaterluft schnuppern. Michael Holderried stellte das Traumzeit-Theater für das Üben zur Verfügung.

Die zweite Kooperation

mit Holderrieds Bühnenbetrieb

Bereits zum zweiten Mal findet eine Kooperation des Traumzeit-Theaters mit der Theater-AG des Tausgymnasiums statt. Im Rahmen der Nachwuchsförderung möchte Holderried den Schülern die Möglichkeit bieten, im Ambiente des Theaters aufzutreten und die professionelle technische Ausstattung, die Beleuchtung oder Effekte wie Bühnennebel zu nutzen. Die Einnahmen aus dem Kartenverkauf kommen zum Großteil der Schule zugute. Die Theater-AG bot eine mitreißende Aufführung. Dem Urteil des Schulleiters Dr. Reinhard Ortwein: „Saumäßig gut!“, kann man sich nur anschließen. Kräftiger und lang anhaltender Applaus war der Mimen Lohn. Und die Aufregung und Anspannung der Schüler wich strahlenden Gesichtern.