„Kaninchen auf die Plätze – fertig – los!“

Teufelstein-Cup: Kleintierzuchtverein Sulzbach und Murrtalhopper veranstalteten erstes Kaninhop-Turnier am Samstag

Sein erstes Kaninhop-Turnier, den Teufelstein-Cup, hat der Kleintierzuchtverein Sulzbach gemeinsam mit den Murrtalhoppern am Samstag veranstaltet. 90 lustig mümmelnde, stupsnasige, kuschlige Kaninchen zeigten tollkühne Hürdensprünge – und manchmal allerdings auch einen gehörigen Dickkopf.

„Kaninchen auf die Plätze – fertig – los!“


Von Heidrun Gehrke

SULZBACH AN DER MURR. Springt er oder springt er nicht? Diese Frage stellt sich Leonie, die mit ihrem Kaninchen Haribo von der Schiedsrichterin aufgerufen wird. Putzig mümmelnd sitzt es in ihrem Arm, das Schnäuzchen beschnuppert aufmerksam den Ärmel ihres Pullovers. Nach einem Rennkaninchen sieht es jetzt gerade nicht aus. Eher nach einem treuherzigen Schmuser, der es mag, wenn Leonie ihm das Fell krault und über die Ohren streicht.

Doch an der Leine der Zwölfjährigen zeigt der kleine Mister Langohr, was er drauf hat und dass hinter seiner mümmelnden Fassade ein echtes Hoppel-As steckt. In knapp zehn Sekunden hat er alle zehn Hindernisse übersprungen, nur einmal hat er eine der Querlatten zu Boden gerissen. „Ich bin sehr zufrieden, nur einen Fehler haben wir, der kriegt heute eine Extrastreicheleinheit“, sagt Leonie, die Haribo dieses Jahr bekommen hat.

In ihrem Heimatverein in Neustadt an der Weinstraße trainiert sie regelmäßig mit ihm für den Kaninhop-Sport. Bei der Sportart tragen die Kaninchen einen Brust- oder Bauchgurt und springen an der lockeren Leine über Hindernisse. Kaninchen mögen das, weiß Leonie. „Sie springen eigentlich von selbst, weil es ihnen Spaß macht, viel machen muss man als Trainer nicht.“

Animieren könne man die Tiere ohnehin nur bedingt. Denn: „Manchmal sind sie richtige Dickköpfe“, erzählt Svenja Rück aus Sonnenbühl, die den Kandidaten Paradise Dream ins Rennen schickt. Ihre Strategie: „Viel Belohnung, viel Bestätigung.“ Doch eine Garantie sei es nicht. „An manchen Tagen geht es leichter, an anderen tut man sich schwer.“

Im Rahmen der jährlichen Lokalschau der Kleintierzüchter hoppeln über 90 Kaninchen in drei Größenklassen um die Wette. 25 Teilnehmer, unter ihnen auch Weitangereiste aus der Pfalz und aus der Schweiz, lassen ihre niedlichen Hoppler durch einen Hindernisparcours wetzen und animieren sie, über Hürden zu springen. Bewertet werden die Zeit und die Anzahl der Fehler von zwei Schiedsrichtern des Zentralverbands deutscher Rassekaninchenzüchter (ZDRK).

Leonie macht sich mit ihrem zweiten Langohr Teddy am Parcours startklar. Doch der ist heute nicht zu Hoppelspäßen aufgelegt. Er legt die Ohren an, kauert in der Hocke, beschnuppert die Holzstäbchen und die Hürde, macht aber keinerlei Anstalten, eine Pfote vor die nächste zu setzen. Leonie, vom Erfolg mit Haribo verwöhnt, unternimmt mehrere Versuche, aber Teddy will oder kann sich nicht daran erinnern, dass er eigentlich gerne springt. Leonie macht ein knatterndes Geräusch mit der Zunge am Gaumen – keine Reaktion. Sie schnalzt mit den Fingern, um ihm Beine zu machen – das Kaninchen ist nicht aus der Reserve zu locken. Leonie bleibt nichts anderes übrig als den lauffaulen Teddy von der Bahn hochzuheben, auf den Arm zu nehmen und die Rennstrecke für die nächsten Starter freizumachen.

Gestreichelt wird er selbstverständlich trotzdem. „Der will immer schmusen und kriegt immer seine Streicheleinheiten“, sagt Leonie. Denn obwohl es sich um ein vom ZDRK anerkanntes Turnier handelt und ein gewisser sportlicher Ehrgeiz mitschwingt, sehen die Tierbesitzer in erster Linie den Spaßfaktor und die Beschäftigung mit ihrem Tier. „Man tut einfach etwas Schönes mit dem Tier zusammen.“