Ein Heimspiel für den Fußball-Weltbürger

Der gebürtige Backnanger Ralf Rangnick gibt sich beim Experten-Talk des Fördervereins der TSG-Kicker äußerst unterhaltsam

Normalerweise reist er im Dienste des Fußballs um die halbe Welt. Selbst für ein Heimspiel muss Ralf Rangnick nach Salzburg oder Leipzig. Nicht so am Donnerstagabend. Da erzählte der Backnanger in seiner Geburtsstadt aus der Welt des großen Fußballs und was der Deutschen liebster Sport und die Wirtschaft gemeinsam haben.

Mal ironisch, mal humorvoll und auch mal ernst: Der Backnanger Ralf Rangnick in der Volksbank.Foto: A. Becher


Von Uwe Flegel

Für Moderator Charley Graf ist „er der bekannteste Backnanger“. Für den Hausherren und Volksbank-Vorstandsvorsitzenden Werner Schmidgall ein Mensch, „der einen bemerkenswerten Lebenslauf vorweisen kann“. Für viele Gäste des Experten-Talks der TSG ist der 56-Jährige einfach nur der „Ralf“. Denn neben zahlreichen Sponsoren und Freunden des Verbandsligisten waren auch einige alte Wegbegleiter in die Kundenhalle der Genossenschaft geströmt. Die alle erlebten den ehemaligen Bundesligatrainer des VfB Stuttgart, von Hannover 96, der TSG Hoffenheim und von Schalke 04 sowie heutigen Sportdirektor der RB-Klubs aus Salzburg und Leipzig in Bestform. Mal ironisch. Zum Beispiel, als er auf Gründe für die Krise beim VfB angesprochen, einfach mal anmerkte, dass dieser Verein nur einer von mehreren Klubs in der Bundesliga sei, bei dem keiner weiß, für was er eigentlich steht. „Oder fällt Ihnen was dazu ein?“, fragte der Mann, der am Cannstatter Wasen als Jugendkicker, als Spieler der damaligen Amateurelf, als Ober- und als Bundesligatrainer, als Jugendcoach und als Jugendkoordinator aktiv war, die Runde. Das Schweigen der Gäste war Antwort und Zustimmung genug.

Rangnick nannte aber auch konkret den Fall Joshua Kimmich als Beispiel dafür, was bei seinem Ex-Verein falsch läuft. „Dem hat man nicht zugetraut, dass er als A-Jugendlicher bereits in der Dritten Liga spielen kann.“ Die Verantwortlichen in Leipzig sahen das anders und holten den damals 18-Jährigen im Sommer 2013 zu RB. Am Saisonende stiegen die Sachsen mit Kimmich als Stammspieler im Mittelfeld auf und „hatten 30 Punkte Vorsprung“ auf StuttgartII. Kommenden Sommer wechselt der U-19-Europameister nun gar zum deutschen Vorzeigeklub Bayern München. Wobei ein Großteil der 8,5 Millionen Euro Ablöse an den VfB geht.

Überhaupt das Geld. Graf wollte wissen, ob es nicht so ist, dass künftig nur noch finanzkräftige Vereine wie Bayern oder Wolfsburg Erfolg haben? „Oder Augsburg“, konterte Rangnick trocken und verwies darauf, dass der derzeitige Bundesligavierte nicht „im Ansatz so einen Etat wie Berlin, der VfB und Hamburg hat“. Auf ein Zitat des einstigen Leverkusener Managers Rainer Calmund verweisend, nannte der gebürtige Backnanger als Entscheidungsfaktoren für den Erfolg die „drei Ks. Und das sind neben dem Kapital noch Konzept und Kompetenz“. Das sei aber nicht nur im Profifußball so, sondern zum Beispiel auch in der Verbandsliga, erklärte Rangnick und nannte die Entwicklung der TSG in jüngster Vergangenheit als ein Beispiel dafür. Seit Markus Lang dort Trainer ist, geht es aufwärts, wie erst der Aufstieg und nun der dritte Platz in der Verbandsliga zeigt. „Es freut mich, wenn ich sehe, wie sich Ex- Spieler von mir, so wie Markus Lang, gut entwickeln.“ Ein weiteres Beispiel dafür, was drin ist, wenn die drei Ks zusammenkommen, sei die SG Sonnenhof Großaspach.

Klar ist aber auch, dass es erfolgreiche Arbeit nur dann gibt, wenn entsprechende Führungsqualität vorhanden ist. Und in dieser Hinsicht steht für Rangnick, der von sich sagt „ein Leben ohne Fußball kann ich mir nicht vorstellen“, fest: „Wenn du richtig gut sein willst in einer Sache, dann musst du dafür brennen.“ Im Sport wie in der Wirtschaft.

Die Frage, was eine Führungskraft können muss, um das Team erfolgreich zu motivieren, stand anschließend im Mittelpunkt der kurzen Gesprächsrunde, an der neben Rangnick noch der Backnanger Oberbürgermeister Dr. Frank Nopper, der Generalbevollmächtigte der Volksbank und ehemalige TSG-Kicker Jürgen Schwab sowie der Gymnasiallehrer, Hirnforscher und Bundestrainer des Ski-Freestyle-Nationalteams Frieder Beck teilnahmen. Für den OB stand fest: „Ein guter Chef ist nicht nur der Trainer, der am Rand steht, sondern eher der Typ eines aktiven Teamkapitäns.“ Schwab wies darauf hin, dass neben der Kompetenz auch die Lust da sein muss. Denn: „Ohne Spaß geht’s nicht“. Und Beck, Autor des Buches „Sport macht schlau“, erklärte nicht nur, dass richtige Bewegung förderlich fürs sogenannte Arbeitsgedächtnis ist, sondern auch, dass Studien klar zeigen: „Der erfolgreiche Sportler ist später auch im Beruf erfolgreicher.“ Sicher auch, weil im Sport nur derjenige vorankommt, der über ein großes Maß an Ehrgeiz, Selbstdisziplin und Teamgeist verfügt.