Geständnis für Januar angekündigt

Prozess um Internetbetrug: Angeklagte schweigen vorerst zu Vorwürfen der Staatsanwaltschaft

Von Bernd S. Winckler

BACKNANG. Ein Backnanger Brüderpaar soll durch Internetbetrügereien und Geldwäsche Opfer um knapp 400000 Euro geschädigt haben – mit aufgekauften, gestohlenen und geknackten Internetkundendaten. Auch am zweiten Tag des Prozesses gegen das Duo vor dem Stuttgarter Landgericht hüllten sich die Angeklagten in Schweigen.

Die Erwartung der Richter der 19. Großen Strafkammer am Stuttgarter Landgericht, wonach die beiden 27-jährigen Zwillingsbrüder zu den gewichtigen Vorwürfen Stellung beziehen, hat sich zerschlagen. Vor einer guten Woche wurde das Verfahren gegen die beiden eröffnet und mehrstündig die Anklageschrift verlesen. Die Stuttgarter Betrugs-Schwerpunktstaatsanwaltschaft wirft ihnen in rund 150 Fällen Geldwäsche, Urkundenfälschungen und Erwerb und Besitz von Rauschgift vor (wir berichteten).

Über sogenannte virtuelle Geschäftsmodelle im Internet sollen sie vom Jahr 2013 bis Frühjahr dieses Jahres von unbekannten Verkäufern gestohlene Kreditkarten aufgekauft und die dazugehörigen Daten für Einkäufe missbraucht haben. Mit ebenfalls geknackten Onlinebankdaten sollen Überweisungen und Limitüberziehungen im Einzelfall bis zu 50000 Euro abgeändert worden sein. Das System, Phishing genannt, wird mittels gefälschter E-Mails praktiziert, die einen Trojaneranhang besitzen. Diese werden an Kunden der Banken gesendet, dann werden die Konten geplündert. Auch damit soll das Brüderpaar einen Schaden in fünfstelliger Höhe verursacht haben. Ebenso sollen sie ihre illegalen Erlöse durch erfundene Personalien zuerst in die Internetwährung Bitcoin und dann wieder in Euro umgewandelt haben, um die Spuren zu verwischen.

Zu den 150 Anklagepunkten wollen die beiden nichts sagen, auch nicht zu ihren Lebensläufen. Das bekräftigten sie gestern vor der Stuttgarter Strafkammer unmissverständlich. Allerdings habe man die Absicht, mit einem späteren umfassenden Geständnis zwischen Staatsanwaltschaft, Gericht und Verteidigung zum einen eine Verfahrensabkürzung und zum anderen, als Belohnung für das Geständnis, ein moderates Urteil zu erreichen, hieß es gestern beim Gericht. Diese „Verständigung“ (Deal) soll am nächsten Verhandlungstag, dem 11. Januar, beginnen. Dabei ziehen sich alle Beteiligten in die Beratungszimmer des Gerichts zurück und besprechen die Sachlage in nicht öffentlicher Verhandlung. Die Verteidigung strebt dabei Strafen an, die noch im bewährungsfähigen Bereich liegen.