„Lieber leisere Töne als eine große Klappe“

Das Interview: Joannis Koukoutrigas, Sportdirektor des Fußball-Drittligisten aus Großaspach, predigt Bodenständigkeit anstelle von Träumereien

„Bombastisch“ nennt Sportdirektor Joannis Koukoutrigas das bisherige Abschneiden des Fußball-Drittligisten SG Sonnenhof Großaspach. Neue Ziele formuliert der 42-Jährige trotzdem nicht, weiterhin sollen es die Plätze 8 bis 13 sein. Im Interview äußert sich Koukoutrigas darüber hinaus unter anderem zu anstehenden Personalien, zur eigenen Arbeit und zu der im Raum stehenden Kooperation mit dem VfB Stuttgart.

Seit elf Jahren Sportchef in Großaspach: Die SG Sonnenhof ist für Joannis Koukoutrigas zur „Herzensangelegenheit“ geworden. Foto: A. Becher

Von Steffen Grün

31 Punkte aus 20 Spielen und der siebte Platz – entspricht das aus Ihrer Sicht den Leistungen oder wäre sogar noch mehr drin gewesen?

Wir hatten im Sommer wieder einen großen Umbruch, auch im Trainerstab. Unterm Strich ist es bisher eine bombastische Runde, die unsere Jungs mit den Trainern absolviert haben. Wir können damit nur glücklich und zufrieden sein.

Im Sommer formulierten Sie den Anspruch, eine sorgenfreie Saison erleben zu wollen. Diesen Auftrag hat das Team mit einem 14-Punkte-Polster auf den ersten Abstiegsplatz fast erfüllt. Höchste Zeit für neue Ziele, oder?

Ich hatte auch gesagt, dass dieses Team das Potenzial hat, zwischen Platz 8 und 13 zu landen. Wir sind im Moment sogar Siebter und nun gilt es, das im weiteren Verlauf der Runde zu bestätigen. Dann schauen wir, wo der Weg hinführt, aber das Ziel bleibt Rang 8 bis 13. Ich bin davon überzeugt, dass wir das schaffen.

Schön, dass Sie nicht wieder das alte Lied von der 45-Punkte-Marke anstimmen. Das wären nur noch 14 Zähler aus den letzten 18 Spielen, das kann ja nicht der Anspruch sein.

Mir wäre es am liebsten, wir holen aus der Rückserie noch mal 31 Punkte, dann stünden wir mit 62 Punkten da. Aber wer uns kennt, der weiß, dass wir zum einen bodenständig und zum anderen realistisch bleiben. Es war eine sehr gute Vorrunde, nun wartet eine schwere Rückrunde. Wir müssen gut aus der Vorbereitung herauskommen und vom Verletzungspech verschont bleiben. Haben wir 45 Punkte erreicht, dann wissen wir, dass wir mindestens ein weiteres Jahr in der Dritten Liga spielen – das ist einmal mehr ein großer Erfolg für uns, danach steht das nächste Ziel Platz 8 bis 13 im Fokus.

Magdeburg und Paderborn scheinen mit 46 und 44 Zählern als Aufsteiger gesetzt zu sein, aber Wiesbaden ist als Dritter mit 36 Punkten in Reichweite. Wäre es nicht reizvoll, der Elf von Ex-Trainer Rüdiger Rehm im Rennen um den Relegationsplatz in die Parade zu fahren?

Revanche für die 0:5-Klatsche in Wiesbaden wollen wir in der Rückrunde auf jeden Fall nehmen, die drei Punkte sollen dann im Fautenhau bleiben. Nur das können wir beeinflussen, sonst müssen wir von Spiel zu Spiel schauen. Wiesbaden hat eine Toptruppe, für mich einen der besten Kader der Liga und einen Trainer, der bei uns ausgebildet wurde – deshalb wird Wiesbaden bis zum Schluss um die ersten drei Plätze mitspielen.

Nach wie vor wünscht sich die SG Sonnenhof einen höheren Zuschauerzuspruch. Wäre es vielleicht hilfreich, mal lautere Töne zu spucken, um die Fans ins Stadion zu locken?

Lieber sind mir leisere Töne und erfolgreich sein, als eine große Klappe zu haben und keine Punkte einzufahren.

Vom 1. bis 31. Januar hat das Transferfenster wieder geöffnet. Sehen Sie auf irgendeiner Position den Bedarf, tätig zu werden?

Wir probieren, etwas zu tun – auch schon mit Blick auf die nächste Saison. Wir schauen uns für ein, zwei Positionen um, auf denen wir den Kader schon jetzt verbessern wollen – konkret beispielsweise im Sturm. Können wir Spieler verpflichten, die zu unserer Philosophie passen und uns nicht nur ein halbes Jahr helfen, sondern auch drüber hinaus, schlagen wir zu. Wenn nicht, dann nicht – wir tätigen keinen Schnellschuss, alle Verantwortlichen müssen überzeugt sein.

Umgekehrt stellt sich die Frage, ob sich ein Spieler wie Joseph-Claude Gyau schon so stark in den Fokus von finanzkräftigeren oder höherklassigen Vereinen gespielt hat, dass sein sofortiger Abgang drohen könnte.

Wir wissen selbst, dass Jo eine super Vorrunde und sich über die SG zurück ins Schaufenster gespielt hat – das können wir nicht abstreiten und darüber sind wir auch glücklich, denn er ist ja damit ein super Beispiel für unseren Weg. Wir würden den im Sommer 2018 auslaufenden Vertrag sehr, sehr gerne verlängern. Gespräche gab es schon und gibt es, jedoch sind die Chancen, dass er über diese Saison hinaus bei uns bleibt, sehr gering.

Vor allem im Sommer sind Sie immer wieder gefordert, einen Umbruch zu vollziehen, weil Leistungsträger die SG als Sprungbrett nutzen. Bislang hatten Sie meistens ein glückliches Händchen. Was ist Ihr Erfolgsrezept?

Wir haben eine ganz klare Philosophie und beschäftigen uns ständig mit dem Transfermarkt. Wie auch im Falle von Jo holen wir meistens Spieler, die wir schon mehrere Jahre kennen. Teilweise hatten diese dann Verletzungen, Jo konnte beispielsweise zwei Jahre nicht spielen. Oder es sind Spieler, die woanders nicht zurecht kamen und hier durchstarten oder eben Talente, die wir in jungen Jahren speziell fördern. Unser Rezept ist ganz einfach. Erstens liegt es am Trainer, die guten Jungs schnell zu integrieren. Zweitens haben wir einige Führungsspieler im Team, die den Verein seit Jahren kennen und sich mit neuen Spielern beschäftigen, das erleichtert die Aufnahme. Und drittens ist es das familiäre Umfeld, die Ruhe in Aspach, die Förderung abseits des Platzes. Junge Spieler können sich voll auf Fußball konzentrieren, sich zudem beruflich weiterbilden und kommen nicht auf irgendwelche dummen Gedanken.

In der Branche dürfte sich herumgesprochen haben, dass Sie gute Arbeit leisten. Wäre es nicht reizvoll für Sie, mal Sportchef eines Vereins zu sein, bei dem Sie mit dem dicken Geldbeutel auf Spielersuche gehen können?

Erstens ist es kein Wunschkonzert, zweitens bin ich seit elf Jahren hier Sportdirektor, kam mit dem Großen Alexander Backnang von einem kleinen Verein aus der Kreisliga A und verspüre große Dankbarkeit gegenüber den Verantwortlichen, die mir hier diese Chance gegeben und mir das Vertrauen geschenkt haben. Ohne die SG wäre ich heute wahrscheinlich auch nicht Geschäftsführer der Firma fair-sport GmbH, bei der ich meinen Traumberuf ausüben darf. Für mich ist die SG zur Herzensangelegenheit geworden, unser Team ist auch mein Team. Ich plane in den nächsten Jahren eigentlich keinen Abgang, sondern beschäftige mich eher damit, wie ich eine noch stärkere Truppe aufbauen kann, die irgendwann möglicherweise neue Ziele anstreben kann.

In Aspach sind und bleiben die Möglichkeiten etwas begrenzt. Ist Sascha Hildmann als Trainer länger bereit, diesen Weg mitzugehen, als es sein Vorgänger Oliver Zapel war?

Er hat einen Zweijahresvertrag, wir sind sehr zufrieden mit ihm, er leistet tolle Arbeit. Sascha will weiterkommen und kann jeden Tag noch etwas dazulernen, das sagt er selbst. Der Trainer passt absolut zur Philosophie der SG und identifiziert sich auch zu 100 Prozent mit diesem Verein.

Wie gut klappt die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und dem Trainer. Ist eine Ära, wie sie Rüdiger Rehm in Aspach prägte, überhaupt noch einmal vorstellbar?

Rüdiger kam als Spieler, wurde spielender Co-Trainer und später Chefcoach. Er kommt aus Heilbronn und damit aus der Region. Auch Sascha ist mit seinen 45 Jahren im Profibereich noch ein junger Trainer und dankbar für die Chance, die er hier bekommen hat. Menschlich passt es zwischen uns super, sportlich hat er eine klare Philosophie, die zu unserem Verein passt und die ich als Sportdirektor mittrage. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir bei anhaltendem Erfolg spätestens in einem Jahr darüber reden, den derzeit bis 2019 laufenden Vertrag zu verlängern. Klar ist aber auch, dass es immer unser Weg war, mit dem Trainer und den Spielern zu reden und ihnen im besten Fall die Chance geben, wenn ein Zweit- oder sogar Erstligist anklopft.

Der VfB Stuttgart spielt mit dem Gedanken, seine Regionalliga-Elf abzumelden und stattdessen auf Kooperationsvereine zu setzen. Als einen möglichen Partner nannte Manager Michael Reschke die SG Sonnenhof. Wie weit sind die Gespräche darüber schon gediehen?

Es gab zwei lose, aber auch gute Informationsgespräche seitens des VfB mit Verantwortlichen von uns und Heidenheim. Wir machen uns darüber aber noch keine Gedanken, solange die Entscheidung von VfB-Seite nicht getroffen ist. Es waren gute Gespräche, mehr aber auch nicht.

Können Sie schon sagen, welchen Nutzen die SG aus der Kooperation ziehen könnte?

Sollten wir eine Kooperation eingehen, werde ich darüber sprechen, jetzt macht das noch keinen Sinn. Wir müssen die VfB-Entscheidung abwarten, anschließend könnten wir im Detail besprechen, wie sich der VfB das vorstellt und natürlich auch, wie unsere Vorstellungen sind.