Schwerpunkt liegt auf Pflege und Aufbau

Revierförster Axel Kalmbach stellt Gemeinderäten den Betriebsplan 2018 vor – Überschüsse werden deutlich zurückgehen

Wurde die Gemeinde in der vergangenen Forstdekade (2005 bis 2014) durch üppige Jahresergebnisse von durchschnittlich 125000 Euro aus dem eigenen Forst verwöhnt, so wird man sich für die laufende Dekade auf Überschüsse von lediglich 30000 bis 40000 Euro einstellen müssen.

Zwei Waldarbeiter sind für eine funktionierende Rettungskette zu wenig. Deshalb musste bei der Gemeinde ein weiterer Forstmann eingestellt werden. Wenn dem Ersten etwas passiert, kann der Zweite bei dem Verletzten bleiben und der Dritte Rettung holen. Foto: U. Gruber

Von Ute Gruber

SULZBACH AN DER MURR.In der Vergangenheit nutzte man die guten Preise von über 100 Euro je Festmeter Fichte-Stammholz, hatte einige haureife Flächen durchzuforsten und außerdem reichlich Käferholz aufzuarbeiten als Folge des Trockenjahrs 2003. Durchschnittlich 6700 Festmeter im Jahr wurden von den rund 700 Hektar geerntet. Nun sollen sich die Bestände erholen, der Schwerpunkt liegt laut Revierförster Axel Kalmbach auf Pflege und Aufbau. Durch den geplanten Hiebsatz von jährlich nur 5300 Festmetern (entsprechend 7,7 Festmeter je Hektar) sollen sich die Vorräte wieder auffüllen, 1,7 Hektar sollen auch 2018 neu bepflanzt werden, 10 Hektar Jungbestand sind laut Plan zu pflegen.

Von den traumhaften Preisen von über 200 Mark für den Festmeter musste man sich schon lange verabschieden: „Wenn man in den 60er-Jahren eine Stadthalle bauen wollte, hatte man das mit ein paar Sonderhieben finanziert“, erinnert der Gemeindeförster. Die fetten Jahre sind vorbei: Heute kostet das Bauen mindestens das Gleiche in Euro wie vorher in Mark, für das Stammholz bekommt der Waldbesitzer aber nicht einmal mehr die Hälfte (derzeit 93 Euro je Festmeter). Hier ergeht es dem Forst so wie der Landwirtschaft insgesamt.

Künftig sollen nur noch 5300 Festmeter pro Jahr geerntet werden

Für 2018 rechnet Kalmbach mit einem Ergebnis von 31700 Euro, Haupteinnahmequelle ist der Holzverkauf mit geplanten 360000 Euro. Tatsächlich waren diese Einnahmen 2016 mit 371000 Euro sogar etwas höher, was teilweise daran liegt, dass das Forstjahr im Oktober beginnt: Die vorgeschriebene Bilanz zum kalendarischen Jahresende passt da nicht immer.

Größter Posten bei den Ausgaben ist das Personal, das mit 214000 Euro veranschlagt wird, was deutlich über dem realisierten Wert von 188000 Euro im jetzt abgeschlossenen Jahr 2016 liegt: Wegen der geltenden Unfallvorschriften musste 2017 ein dritter Forstwirt eingestellt werden, um die Rettungskette zu gewährleisten. Dieser wird im Sommer nach Bedarf an den gemeindeeigenen Grünzug ausgeliehen, was dann intern verrechnet werden kann (30500 Euro geplante Einnahmen). Umgekehrt wird dadurch im Winter kaum mehr Personal vom Grünzug gebraucht (2000 statt 17000 Euro Ausgaben).

Gemeinderat Reinhold Haag – selbst Waldbesitzer – kann sich mit dem schwachen Ergebnis nur schwer abfinden: Ob man denn die 700 Festmeter Derbholz, also liegen gebliebenes Astwerk und Gipfel, nicht noch nutzen könne? Oder den stillgelegten Teil des Waldes wieder in Nutzung nehmen? Letzteres sei auf Antrag möglich, erklärt Kalmbach, gibt allerdings zu bedenken, dass es sich dabei ja vor allem um schlecht erschlossene Parzellen handle, mit Klingen, Felsabstürzen und mit zudem viel Laubholz und Tannen, welche man zu Waldrefugien erklärt hatte – unwirtschaftlicher Wald also, mehr Aufwand als Ertrag. Das Derbholz würde zum Teil schon zu Hackschnitzeln verwertet. „Da wo die Lohnunternehmer hinkommen“, erläutert der Förster und bedauert: „An Hackschnitzeln ist leider kaum etwas verdient.“

Tobias Horwath vom Kreisforstamt berichtet als forsttechnischer Betriebsleiter über das abgelaufene Forstjahr: Durch die Trockenheit im Frühsommer kam es – wenn auch nicht in Sulzbach – so doch allgemein zu höheren Mengen Schadholz durch Borkenkäfer. Außerdem habe der Sturm Kolle in Bayern im August den Holzmarkt überschwemmt. Deshalb hatte man den Einschlag bis November ausgesetzt.

Das Eschensterben trete jetzt in seine „finale Phase“, dennoch seien derzeit Eschenstämme gut absetzbar, „sofern sie noch nicht vom Pilz geschädigt sind“. Die weißholzige Esche kann – dunkel gebeizt – gut als Ersatz für die sehr begehrte Eiche verwendet werden und ist durch seine elastische Zähigkeit schier unersetzlich bei Turngeräten (Barrenholme) und Werkzeugstielen. Kaum sonst ein Baum von forstwirtschaftlichem Wert gedeiht zudem auf feuchten Standorten. In Sulzbach sollen ersatzweise vermehrt Bergahorn und neuerdings Schwarznuss gepflanzt werden. Im vergangenen wurden in Sulzbach bereits 350 Jungbäume gepflanzt, 2018 sollen noch einmal 100 der relativ teuren Jungpflanzen gesetzt werden.

Dem Betriebsplan für das Jahr 2018 in der vorliegenden Fassung wurde vom Gemeinderat in dessen jüngster Sitzung einstimmig zugestimmt.