Der „Nopper-Stopper“ meint es ernst

Volker Dyken aus Waldrems tritt bei der Backnanger Oberbürgermeisterwahl am 4. Februar gegen den Amtsinhaber an

Volker Dyken ist kein Träumer. Dass seine Chancen, Frank Nopper als Oberbürgermeister abzulösen, sehr gering sind, weiß er selbst. Trotzdem führt der Lehrer aus Waldrems einen engagierten Wahlkampf: „Ich will diejenigen in Backnang vertreten, die eine andere Politik wollen“, sagt der 48-Jährige, der Mitglied der Piratenpartei ist.

Volker Dyken hat Spaß am Wahlkampf: Der 48-Jährige will den Backnangern, die mit Frank Nopper unzufrieden sind, bei der OB-Wahl am 4. Februar eine Alternative bieten. Foto: A. Becher

Von Kornelius Fritz

BACKNANG. Plakate kleben, Flyer verteilen, auf zugigen Straßen Passanten ansprechen – was für manche Politiker eine lästige Pflicht ist, ist für Volker Dyken das reinste Vergnügen: „Ich mache sehr gerne Wahlkampf“, sagt er. Deshalb tut er es immer wieder: Zweimal ist Dyken bereits für die Piratenpartei bei Landtagswahlen angetreten, einmal hat er für den Bundestag kandidiert. Bei den Kommunalwahlen 2014 stand sein Name auf der Liste der Backnanger Demokraten. Gewählt wurde Dyken zwar nie, aber das stört ihn nicht: „Es geht bei Wahlen nicht nur darum, dass man in ein Amt gewählt wird, sondern dass man seine politischen Überzeugungen vertritt.“

Aus diesem Grund hat er sich auch für eine Kandidatur bei der Backnanger Oberbürgermeisterwahl entschieden. Dyken will Amtsinhaber Frank Nopper das Feld nicht kampflos überlassen. „Es sollte immer eine Wahl zwischen unterschiedlichen Positionen geben“, findet der Gymnasiallehrer und erinnert an die letzte OB-Wahl in Waiblingen, bei der Andreas Hesky einziger Kandidat war und gerade mal 18 Prozent der Bürger zur Urne gingen. „So etwas ist nicht gut für eine Demokratie“, findet Dyken.

Politische Vergangenheit

in SPD und CDU

Der 48-Jährige, der an einer kaufmännischen Schule in Waiblingen Physik, Chemie und Mathematik unterrichtet, hat eine interessante politische Vergangenheit. In seiner niedersächsischen Heimat war er neun Jahre in der SPD aktiv, danach engagierte er sich kurzzeitig sogar in der CDU. „Dann hatte ich von Parteien die Nase voll“, erzählt er. Doch Dyken blieb politisch aktiv, auch nach seinem berufsbedingten Umzug nach Baden-Württemberg. Er demonstrierte gegen Stuttgart21 und die Hartz-Reformen. 2009 kam er an einem Infostand in Stuttgart mit Mitgliedern der Piratenpartei ins Gespräch und stellte überrascht fest: „Diese Partei vertritt ja genau das, was ich immer gefordert habe.“

Mehr direkte Demokratie, mehr Transparenz, Schutz der Bürgerrechte – das Parteiprogramm entsprach genau Dykens Überzeugungen: „Ich hatte meine Herzenspartei gefunden“, erinnert er sich. Seitdem engagiert er sich für die Piraten, die 2011 und 2012 in vier Landtage einzogen, inzwischen aber wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwunden sind. Bei der Bundestagswahl im vergangenen Jahr holte die Partei gerade noch 0,4 Prozent der Stimmen.

Volker Dyken will trotzdem dabeibleiben und für seine politischen Ideale und Ziele kämpfen, auch jetzt bei der OB-Wahl. Trotz geringer Siegchancen will der selbst ernannte „Nopper-Stopper“ kein Spaßkandidat sein, sondern den Backnangern eine echte Alternative zum Amtsinhaber bieten – inhaltlich und personell. Denn er hat den Eindruck, dass Frank Nopper in Backnang zwar beliebt, aber nicht völlig unumstritten ist. „Es gibt ein Potenzial an Leuten, die mit der bisherigen Politik unzufrieden sind.“ Der OB solle bei der Wahl am 4. Februar ruhig sehen, wie groß die Opposition in der Stadt gegen ihn tatsächlich ist.

Angriffspunkte hat der Gegenkandidat reichlich gefunden: So kritisiert er zum Beispiel Noppers Kurs bei der Stadtentwicklung: „Der OB setzt auf Bauen, Wachstum und noch mehr Wachstum, ohne die ökologischen Folgen zu bedenken. Das führt in die falsche Richtung“, findet Dyken. Auch bei den Themen Luftreinhaltung und Lärmminderung sieht der Herausforderer in Backnang „großen Nachholbedarf“. Außerdem wirft er dem Amtsinhaber mangelnde Transparenz vor. Die Bürger würden an Entscheidungen zu wenig beteiligt, selbst die Mitglieder des Gemeinderats oft nur unzureichend informiert.

In seinem Wahlprospekt listet Volker Dyken auf, was er als Backnanger Oberbürgermeister anders machen würde. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf ökologischen Themen. Um Staus, Lärm und Abgase in der Stadt zu reduzieren, müsse der öffentliche Nahverkehr besser und günstiger werden. Dyken fordert ein Stadtticket nach dem Vorbild von Herrenberg und Marbach am Neckar. Dank städtischer Zuschüsse soll eine Busfahrt in Backnang dann nur noch 50 Cent kosten. Für Auswärtige, die in der Stadt einkaufen wollen, soll es einen Park-and-ride-Parkplatz in der Sulzbacher Straße geben, von dem Pendelbusse in die Innenstadt verkehren. Beim Hochwasserschutz will Dyken, der den BUND-Vorstand um Andreas Brunold zu seinen Unterstützern zählt, private Bauherren stärker an den Kosten beteiligen.

Grundsteuer erhöhen, Kindergartenbeiträge senken

Eine konkrete Vorstellung hat der Herausforderer auch beim Thema Kinderbetreuung: Die Elternbeiträge will er bei einem Wahlerfolg sofort um ein Drittel senken. Finanzieren will er das über eine Anhebung des Grundsteuerhebesatzes von 385 auf 400 Prozent. „Damit lägen wir immer noch unter den 420 Prozent in Winnenden.“ Langfristig will Dyken die Kita-Gebühren sogar ganz abschaffen.

Ändern will der 48-Jährige aber nicht nur Inhalte, sondern auch den Führungsstil. „Ich will eine transparente Verwaltung“, sagt Dyken und verspricht unter anderem tägliche Tweets aus dem Rathaus. Er möchte die Bürger aber nicht nur besser informieren, sondern sie in wichtigen Fragen auch mitentscheiden lassen. In ihrem Parteiprogramm machen sich die Piraten bundesweit für eine Vereinfachung von Bürgerentscheiden stark. Der OB-Kandidat ist aber überzeugt, dass auch mit den bestehenden Gesetzen mehr direkte Bürgerbeteiligung möglich wäre, wenn man sie nur wollte.

Volker Dyken, dessen Kandidatur auch von Die Linke und den Backnanger Demokraten unterstützt wird, freut sich auf die politische Auseinandersetzung mit Frank Nopper im Wahlkampf: „Es ist eine Herausforderung, gegen einen so beliebten und eloquenten Kandidaten anzutreten“, sagt er. Sollte der Außenseiter die OB-Wahl am 4. Februar verlieren, wird er aber nicht traurig sein. „Kein Wahlkampf ist verloren“, sagt er. Ein Erfolg wäre aus seiner Sicht auch, wenn Frank Nopper die eine oder andere Idee aus seinem Programm übernehmen würde. Bei den Piraten habe er das immer wieder erlebt: „Unsere Forderungen zur Netzpolitik stehen heute in fast allen Parteiprogrammen.“