Busunglück nur knapp verhindert

Der Fahrer erleidet vermutlich einen Schlaganfall am Steuer – Skiausfahrt wird abgebrochen

Von Matthias Nothstein

BACKNANG/WAIBLINGEN. Das war knapp. Die insgesamt 74 Insassen eines Reisebusses sind gestern nur knapp einem Unglück entgangen: Der Doppeldeckerbus startete am frühen Morgen an der gewerblichen Schule in Backnang zu einer Skiausfahrt. Doch weit kamen die Wintersportler nicht. Eine Lehrerin setzte gegen 6 Uhr per Handy einen Notruf ab: Der Reisebus sei mit geöffneten Gepäckklappen losgefahren, der Busfahrer reagiere auf Ansprache nicht und fahre immer weiter. Der Versuch der Polizei, den Bus mit Blaulicht und „Bitte Folgen“-Zeichen von der B14 zu lotsen oder zu stoppen, scheiterte. Der Bus passierte auf der Bundesstraße in Fahrtrichtung Stuttgart die Ausfahrten Winnenden, Schwaikheim, Sörenberg und Waiblingen-Nord und war durchweg mit einer Geschwindigkeit von etwa 60 bis 80 Stundenkilometern unterwegs. Erst bei der Ausfahrt Waiblingen-Mitte gelang es den Lehrkräften, so auf den Busfahrer einzuwirken, dass dieser abbremste und das Fahrzeug auf dem Verzögerungsstreifen zum Stehen brachte, wo schließlich die Polizei eingriff. Der Busfahrer wurde umgehend notärztlich versorgt.

Laut Polizei deutet bei dem Fahrer alles auf einen Schlaganfall hin. „Alkohol und Drogen waren nicht im Spiel“, so Rudolf Biehlmaier von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Aalen. Der Fahrer wurde in eine Klinik gebracht. Vermutlich hatte er durch den Schlaganfall eine eingeschränkte Wahrnehmung und hatte die Warnungen der Lehrer einfach nicht registriert. Das Alter des Fahrer gab Biehlmaier mit „Mitte 50“ an.

Polizei bestätigt: „Alkohol und Drogen waren nicht im Spiel“

Schulleiterin Dr. Isolde Fleuchaus bestätigte gestern auf Nachfrage, dass die Skiausfahrt abgebrochen wurde und alle Schüler und Lehrer bis zum Nachmittag wieder gesund zu Hause waren. Die Fahrt war ein Beitrag zu den Wintersporttagen, die schon seit über 20 Jahren veranstaltet werden und aus dem Jahresprogramm der gewerblichen Schule nicht mehr wegzudenken sind. Die konkrete Fahrt, bei der Schüler über alle Klassen hinweg teilgenommen haben, sollte mit dem Doppeldeckerbus ins österreichische Brandnertal (Vorarlberg) führen. Nach dem Vorfall fühlten sich einige Mitglieder jedoch nervlich nicht mehr imstande, die Fahrt beispielsweise mit einem anderen Fahrer fortzuführen. Den Teilnehmern wurde angeboten, sich Hilfe beim schulpsychologischen Dienst zu holen.

Katja Lumpp, Pressesprecherin des Regierungspräsidiums Stuttgart (RP), lobt das Verhalten der Schulleiterin, die sich, wie es in Krisensituationen möglich ist, vom Kriseninterventionsteam (KIT) des Regierungspräsidiums unterstützen ließ. Lumpp: „Die Schulleiterin hat heute früh das RP Stuttgart umgehend über den Vorfall informiert und das freiwillige Beratungsangebot in Anspruch genommen. Die Unterstützung erfolgt im Auftrag des KIT durch die schulpsychologische Beratungsstelle beim Staatlichen Schulamt Backnang. Es wurden gemeinsam die weiteren Schritte zum Umgang mit dem Vorfall besprochen, etwa die Information der Eltern, Schüler und Lehrer und mögliche Unterstützungsangebote.“ Lumpps Fazit: „Die Schüler und Lehrer, die im Bus waren, haben vorbildlich gehandelt und haben sich in dieser schwierigen Situation äußerst besonnen verhalten. Das Gleiche gilt auch für die Schulleitung, die sehr strukturiert und überlegt gehandelt hat und alle zu Beteiligenden umfassend informiert hat.“