Zarte Zeugen eines tiefen Naturempfindens

Zum Tod des Backnanger Malers Friedrich Beutel – Landschaftsszenen nicht nur aus der Heimat

Der Maler Friedrich Beutel ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Vor allem durch seine Aquarelle machte er sich einen Namen in Backnang.

Stille Schönheit: Winterlandschaft von Friedrich Beutel. Er beherrschte die Kunst des Aussparens und Andeutens.Foto: privat

Von Ingrid Knack

BACKNANG. „Auf dem Land aufgewachsen und so von früher Kindheit an mit der Natur verbunden, ,zwangen’ deren Reize mir sehr früh Zeichenstift, Pinsel und Farben in die Hand, und das Geschaute wurde mir ein Leben lang Lehrmeister in Form und Farben“, sagte Friedrich Beutel anlässlich einer Ausstellung vor mehr als zehn Jahren. 1921 war Beutel in Großaspach geboren worden, später lebte er in Backnang. Mit sieben Jahren, so verriet der Künstler einmal, habe er zum ersten Mal Hinterglasbilder von Professor Weidemann gesehen, was ihn nachhaltig beeindruckte. Es war vor allem die starke Farbigkeit der Werke, die ihn fesselte. Später jedoch, als er sich intensiv mit Malerei beschäftigte, stellte er fest, dass die mehr impressionistische Darstellung seinem Naturell und seinem Erleben der Natur eher entsprach. „So mühte ich mich sehr früh mit Aquarellfarben vor der Natur ab, viele Jahre auch mit Ölfarben. Das Aquarell aber, trotz seiner Tücken in der Technik, übte auf mich den größeren Reiz aus.“

Da für ihn eine künstlerische Ausbildung aus finanziellen Gründen nicht möglich war, erlernte Beutel das Malerhandwerk. Seinen Brotberuf sah er so: „Dieser Beruf, der damals wirklich noch etwas mit Kunstfertigkeit und künstlerischem Anspruch zu tun hatte, war in vielen Dingen meinem immer vorhandenen Interesse und inneren Bedürfnis am ,Malen’ in meinem Sinne vielfach von Nutzen.“ Beutel umgab sich aber gerne mit „künstlerischen Menschen“, wie er sich ausdrückte, er las Kunstbücher und besuchte Museen und Galerien. Dies alles bezeichnete er als „Rüstzeug und Leitfaden“ für sein stetiges Bemühen, „etwas Befriedigendes zustande zu bringen“. Es ging ihm darum, das, was er beim Anblick der Landschaften empfand, mit Pinsel und Farben „niederschreiben“ zu können – in seiner unverkennbaren Handschrift. „Eine sehr wertvolle Begleitung auf diesem Weg war dann bald nach dem Krieg auch die über dreißigjährige Freundschaft mit Professor Oskar Kreibich. So war mein Leben von Jugend an von dem Wunsch geprägt, etwas von den tausendfachen Seherlebnissen, welche die Natur uns in großer Fülle schenkt, festhalten zu können“, bekannte Beutel. In einer Rede zu einer Ausstellung 1989 im Großaspacher Rathaus, in der Beutel vertreten war, verwies der Einführungsredner Ernst Hövelborn, Vorsitzender des Backnanger Heimat- und Kunstvereins, auf das Vorbild des Künstlers: Emil Nolde. Nicht nur heimische Landschaften dienten Beutel als Motive, sondern auch „der Landschaftsraum der hohen Himmel und des Meeres“, wie Hövelborn sagte. Nach Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen etwa auch im Backnanger Helferhaus während Beutels Schaffenszeit fanden erst im vergangenen Jahr Arbeiten des Backnangers besondere Beachtung: Bei der Auktion zur Finanzierung der Stiftskirchensanierung.